Würzburg
Ermittlungen

Mutmaßlicher Autobahnschütze vielleicht auch für Nagelbretter verantwortlich

In Würzburg wird der Prozess gegen den mutmaßlichen Autobahnschützen vorbereitet, der seit Juni in U-Haft sitzt. Er hat 762 Anschläge auf andere Verkehrsteilnehmer gestanden. Sein Motiv war Wut.
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Wildwest auf deutschen Autobahnen: Was man eher von US- Highways kennt, praktizierte ein Lkw-Fahrer fünf Jahre lang zwischen Köln und Karlsruhe; eine Art von Selbstjustiz. Die anfangs einzige Spur waren die Einschusslöcher in den Fahrzeugen. Foto: Fredrik von Erichsen/dpa
Wildwest auf deutschen Autobahnen: Was man eher von US- Highways kennt, praktizierte ein Lkw-Fahrer fünf Jahre lang zwischen Köln und Karlsruhe; eine Art von Selbstjustiz. Die anfangs einzige Spur waren die Einschusslöcher in den Fahrzeugen. Foto: Fredrik von Erichsen/dpa
Fünf Jahre lang hat Michael K. auf deutschen Autobahnen Angst und Schrecken verbreitet. Wahllos schoss er aus dem Führerhaus seines Lkw auf andere Verkehrsteilnehmer. Seit fünf Monaten sitzt der 58-Jährige in U-Haft; und mit jedem Tag wird das Erstaunen größer, dass die beispiellose Serie keine Todesopfer gefordert hat.

762 Schüsse hatte der Mann, der aus einer Kleinstadt in der Eifel stammt, nach dem aktuellen Stand der Ermittlungen seit 2008 aus dem Führerhaus seines Lkw abgefeuert. Meist zielte er auf andere Lastwagen. Nur einmal traf der Schütze, der nach eigenen Angaben gegenüber der Staatsanwaltschaft in Würzburg "immer gut gezielt hat", einen Menschen: Ende 2009 durchschlug das Projektil aus der Waffe des unbekannten Schützen die Seitenscheibe eines Autos und traf die Fahrerin am Hals. Eine weitere Frau wurde schwer verletzt, als sie nach dem Beschuss die Kontrolle über ihren Wagen verlor und verunglückte.

Die Suche nach dem Phantom gestaltete sich für die Polizei außerordentlich schwierig. "Wir hatten einen fast 1200 Kilometer langen Tatort", sagt Oberstaatsanwalt Boris Raufeisen, der die Ermittlungen gegen den 58-Jährigen in Würzburg leitet.

Mit großem Kaliber

Die Schüsse fielen in unregelmäßigen Abständen auf der A3, A4, A5, A6, und A61, zwischen Aachen im Westen und Nürnberg im Osten und Köln im Norden und Karlsruhe im Süden. Anfangs benutzte der Täter eine Kleinkaliberpistole, dann stieg er auf einen "Schießkugelschreiber" und schließlich auf das gefährliche Kaliber neun Millimeter um. Ballistische Gutachten lenkten den Verdacht schnell in eine Richtung. "Die Lage der Einschusskanäle wies auf eine erhöhte Position des Schützen hin", sagt Raufeisen - 2,40 Meter, die Sitzposition im Lkw.

Unter Regie des Bundeskriminalamtes und mit Hilfe der Fernsehsendung "Aktenzeichen XY" jagten die Fahnder den Schützen, bis er sich im Juni 2013 im Überwachungsnetz verfing: Der Abgleich der letzten Tatorte mit Handydaten und automatisch erfassten Lkw-Kennzeichen führte zu dem 58-Jährigen in der Eifel, in dessen Haus ein Sondereinsatzkommando Waffen und Munition fand.

Auch Nagel-Anschläge?

Der Mann "hat pauschal gestanden", sagt Raufeisen; die Staatsanwaltschaft steht nun vor der Mammutaufgabe, ihm Fall für Fall nachzuweisen. Verantworten muss sich der Schütze unter anderem wegen versuchter Tötung. Als Motiv gab er Wut an: Er habe sich über einen Lkw-Fahrer geärgert, der ihn beim Überholen geschnitten habe. Deshalb griff er zur Waffe.

Möglicherweise ist der 58-Jährige auch für eine Reihe von Anschlägen mit Nagelbrettern verantwortlich. Gegenüber der Staatsanwaltschaft räumte er ein, dass er mehrfach mit Nägeln durchstoßene Metallscheiben auf den Autobahnen verstreut hat. Rund 30 Autofahrer holten sich durch die Fallen einen Platten.


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