Euerhausen
Nachbarn niedergeschossen

Mordversuch bei Feuerwehrfest bei Würzburg - nicht die erste Attacke des Tatverdächtigen

Ein 70-Jähriger schießt seinem Nachbarn bei einem Feuerwehrfest in Euerhausen in den Rücken. Der Tatverdächtige sitzt inzwischen in U-Haft. Pikantes Detail: Unter etwas anderen Umständen würde der Mann bereits die Haftstrafe wegen einer früheren Attacke verbüßen.
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Beim Feuerwehrfest in Euerhausen hat ein 70-Jähriger seinem Nachbarn in den Rücken geschossen. Hätte es gar nicht so weit kommen dürfen= Symbolfoto: Christopher Schulz
Beim Feuerwehrfest in Euerhausen hat ein 70-Jähriger seinem Nachbarn in den Rücken geschossen. Hätte es gar nicht so weit kommen dürfen= Symbolfoto: Christopher Schulz
Das Opfer eines Mordversuchs beim Feuerwehrfest in Euerhausen bei Giebelstadt (Landkreis Würzburg) ist auf dem Weg der Besserung. "Sein Zustand ist stabil, er ist ansprechbar," sagte Polizeisprecherin Katrin Thamm am Montag auf Nachfrage.

Dem 55-jährigen Landwirt aus dem Nachbarort Wolkshausen war am Samstag in den Rücken geschossen worden, während er mit anderen Zuschauern ein Kräftemessen von Traktoren verfolgte. Sein 70 Jahre alter Nachbar ist dringend tatverdächtig, den Schuss aus nächster Nähe abgegeben zu haben.


Haftbefehl wegen versuchten Mordes erlassen

Der Tatverdächtige wurde kurz darauf in seinem Wohnhaus festgenommen und sitzt in Untersuchungshaft. Bei einer Vorführung am Sonntagvormittag hat der Ermittlungsrichter Haftbefehl wegen versuchten Mordes erlassen.

Laut einer gemeinsamen Presseerklärung von Polizei und Staatsanwaltschaft haben die Ermittler "ein Projektil" sichergestellt. Dies spricht dafür, dass der Täter eine Schusswaffe verwendet hat - statt einen Bolzen-Schussapparat, wie Zeugen es zunächst gesehen haben wollen.


Zwischen den Nachbarn gab es schon länger Streit

Zwischen dem allein lebenden Verdächtigen und der Familie des Opfers gab es schon länger Streit, sagt ein halbes Dutzend Zeugen im Heimatort der beiden. Der 70-Jährige soll bereits vor etwa zwei Jahren die Ehefrau des Opfers gewürgt haben, wissen gemeinsame Bekannte.


Tatverdächtiger stand schon einmal vor Gericht

Recherchen der Redaktion bestätigen: Um ein Haar wäre es jetzt gar nicht zu dem Mordversuch gekommen. Denn unter etwas anderen Umständen würde der Tatverdächtige stattdessen gerade die Haftstrafe wegen einer früheren Attacke verbüßen, wegen der er schon im Mai 2016 auf der Anklagebank saß.

Auf Anfrage bestätigt Thorsten Seebach, Sprecher der Staatsanwaltschaft, knapp: "Gegen den mutmaßlichen Täter ist ein Strafverfahren anhängig", in dem es bereits zu einer Verurteilung gekommen sei. Doch das Verfahren - das die Justiz schon seit geraumer Zeit beschäftigt - sei noch nicht abgeschlossen.

Angeklagt war er wegen gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit Bedrohung, sagt auf Nachfrage Rainer Beckmann, Sprecher des Amtsgerichts Würzburg. Allerdings wurde das Urteil - acht Monate Haft ohne Bewährung - nicht rechtskräftig. Der Fall ging in Berufung - und zog sich bis jetzt volle zwei Jahre dahin. Der Grund dafür: Einem Gutachter, der seine geistige Verfassung prüfen sollte, soll sich der als Eigenbrötler bekannte Verdächtige immer wieder entzogen haben, heißt es in Justizkreisen.

Doch demnächst war ein neuer Verhandlungstermin angesetzt: Am 19. Juli, in fünf Wochen also, sollte der Fall verhandelt werden, bestätigt Michael Schaller, Sprecher des Landgerichts Würzburg. Nach der Festnahme des Verdächtigen am Samstag wurde der Prozess abgesagt - der 70-Jährige sitzt in Untersuchungshaft, nun wäre also Zeit und Gelegenheit für ein Gutachten.
Indessen gehen die Ermittlungen weiter. Bei der Untersuchung des sichergestellten Projektils wird die Kripo vom Kriminaltechnischen Institut des bayerischen Landeskriminalamtes unterstützt. Derzeit laufen neben technischen Untersuchungen zahlreiche Vernehmungen von Augenzeugen.

Manfred Schweidler


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