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Kultur

Landesgartenschau 2018: Würzburg erwartet eine Million Gäste

Seit fünf Jahren baut Würzburg ein Kasernengelände um. Am 12. April 2018 beginnt dort die Landesgartenschau auf einer 1,7 Kilometer langen Grünfläche.
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Blick auf den Belvedere. 3D-Grafik: Hutterreimann Landschaftsarchitektur
Blick auf den Belvedere. 3D-Grafik: Hutterreimann Landschaftsarchitektur
Mit 2,5 Millionen Besuchern hat die Bayerische Landesgartenschau, die 1990 in Würzburg stattfand, wohl einen Rekord für die Ewigkeit aufgestellt. Jedenfalls kam keine Nachfolgeschau auch nur annähernd an diese Zahl heran. Jetzt steht Würzburg zum zweiten Mal in den Startlöchern für eine Bayerische Gartenschau. Sie wird am 12. April 2018 eröffnet werden. Eine Million Besucher erwarten die Veranstalter zur Gartenschau, die bis 7. Oktober dauern wird, dieses Mal.


Chance für Stadtentwicklung

Gartenschauen als Blümchenolympiaden - das war einmal. Heutzutage bedeutet der Zuschlag zur Durchführung einer Gartenschau, ob auf Bundes- oder Länderebene, vor allem die Chance für dynamische städtebauliche Entwicklungsprozesse. Städte, die eine Gartenschau planen und durchführen, erhalten großflächige und zukunftsorientierte Parkanlagen oder Grünbereiche, in denen aktuelle Themen abgebildet werden, die weit über den Gartenbau hinaus weisen: Klimawandel, Schutz der Umwelt, Nachhaltigkeit, Ressourceneinsparung.

Das gilt auch für die Bayerische Landesgartenschau, die am 12. April in Würzburg eröffnet wird. Sie zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie umgeben von mehreren Großbaustellen für den neuen Stadtteil Hubland stattfindet, der gerade auf einem ehemaligen US-Militärgelände entsteht.
Nach dem endgültigen Abzug der US-Armee im Januar 2009, die hier nach Ende des Zweiten Weltkriegs einen Militärstützpunkt unterhielt, erwarb die Stadt im Jahr 2012 rund 95 der insgesamt 135 Hektar dieses Areals. Der Rest ging schon vorher an die Universität, die dort ihre bestehende Campus-Fläche verdoppeln konnte.


Bauarbeiten laufen seit 5 Jahren

Seit 2013 laufen auf der städtischen Fläche die Bauarbeiten für einen neuen Stadtteil, in dem Mitte des nächsten Jahrzehnts etwa 4500 Menschen leben sollen. Forciert wurden und werden die Arbeiten durch den Zuschlag für die Landesgartenschau 2018, denn bis zu deren Start dafür mussten beispielsweise die ersten Wohnhäuser entlang des zentralen Wiesenparks fertiggestellt sein, damit die Gartenschau nicht inmitten einer Baustelle stattfindet.

"Die Landesgartenschau ist die Triebfeder für viele Entwicklungen im neuen Stadtteil und auch außerhalb", sagt denn auch Klaus Heuberger, einer der beiden LGS-Geschäftsführer. Er verweist beispielsweise auf die Grünvernetzung in der Umgebung, die es ohne die LGS nicht gegeben hätte. Als "großartig" bezeichnet er den bereits 2010 entstandenen Masterplan für das Hubland , in dem unabhängig von der Gartenschau schon großflächige Grünbereiche vorgesehen waren. "Das ist ein Privileg für die Gartenschau, dass zuerst Park und Grün und erst danach die Wohngebäude entstanden sind", ergänzt Heuberger. "Normalerweise ist der Ablauf genau umgekehrt und die Grünbereiche sind dann nur noch ein moralisches Feigenblatt", fährt Heuberger fort.

Welches Bild wird sich also den LGS-Besuchern bieten? Auf jeden Fall wird auf verschiedenen Baustellen weitergearbeitet, auch während der Gartenschau. Im östlichen Bereich (Richtung Gerbrunn) grenzt der 21 Hektar große Wiesenpark an ein Neubaugebiet an, wo Kräne, Bagger und andere schwere Baumaschinen das Bild dominieren. Eingefasst wird der gesamte Park von einem drei Kilometer langen Rundweg, dem Beltwalk.


Riesige 1,7 Kilometer lange Grünfläche

Schon bei Aufstellung des Masterplans für den neuen Stadtteil im Jahr 2010 spielte die Gartenschau eine Rolle, hatte sich die Stadt Würzburg doch seinerzeit für die Landesgartenschau 2016 beworben, die dann aber nach Bayreuth vergeben wurde. Von Beginn an war deshalb die riesige 1,7 Kilometer lange Grünfläche geplant, die für die Bewohner des neuen Stadtteils nach der Gartenschau als zentrale Grünanlage erhalten bleibt. Entlang des Beltwalks wird auf 15 Stelen, die auch nach der Gartenschau stehen bleiben, die Geschichte des Hublands aufgezeigt.

Eine besondere Attraktion ist das Belvedere am westlichen Ende des Parks (in Richtung Gemeinde Gerbrunn), eine geschwungene Aussichtsplattform, die einen Überblick über das ganze Gartenschau-Gelände bis zur Festung Marienberg gestattet. Auch nach der Gartenschau soll das Belvedere Besucher in den Park auf der Höhe Würzburgs locken.

Ebenfalls neu geschaffen wurde für die Gartenschau das "Aktivband" an der Eschenallee. Hier reihen sich (angrenzend an den neuen Uni-Campus Nord) über die gesamte Länge Spielfelder für Streetsoccer, Beachvolleyball, Tischtennis und Streetball sowie für Trampolinspringen und Slackline aneinander. Bei der Gartenschau laden sie zu Bewegung und Entspannung ein, für den neuen Stadtteil werden sie später eine abwechslungsreiche Aktivzone für die Bewohner darstellen, in der auch Picknickzonen eingerichtet werden sollen.

Das gilt auch für die neuen Spielbereiche für Kinder, die sogenannten Urwelten in den Terrassengärten mit Spielgeräten in Form von überdimensionalen Fossilien, Schnecken und Muscheln.


Erinnerung an Urzeitmeer

Der Spielplatz, zu dem auch eine Kletterwand und eine schneckenförmige Stein-Kreation zum Klettern gehören, ist eine Reminiszenz an das Urzeitmeer, das sich vor Jahrtausenden an diesem Ort befand. Auch die Kids aus dem Stadtteil werden hier später sicher gerne herumtoben.

Als Initialzündung für einen denkbaren späteren Skulpturenpark könnte eine riesige Kunstinstallation dienen, die bei der Gartenschau zu sehen sein wird. "Das letzte Luftschiff" des Würzburgers Michael Ehlers ist eine 20 Meter große Stahlplastik, die sowohl an die Fliegerei-Geschichte des neuen Stadtteils erinnert als auch die Vergänglichkeit menschlicher Utopien aufzeigt.

von Karl-Georg Rötter
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