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Kassenpatienten beim Facharzt: Längste Wartezeit in Würzburg

Wer als Kassenpatient einen Facharzt braucht, muss deutlich länger auf einen Termin warten als privat Versicherte. Bayernweit am gravierendsten ist die Lage in Würzburg.
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In den Wartezimmern von Fachärzten müssen die Patienten oft lange Wartezeiten in Kauf nehmen.Symbolfoto: Daniel Karmann,/dpa
In den Wartezimmern von Fachärzten müssen die Patienten oft lange Wartezeiten in Kauf nehmen.Symbolfoto: Daniel Karmann,/dpa

Kassenpatienten warten in Bayern durchschnittlich 28 Tage länger auf einen Facharzttermin als privat Versicherte - und nirgends so lange wie in Würzburg: Hier beträgt der Unterschied 40 Tage, im Raum Schweinfurt/Bad Kissingen/Haßfurt sind es 34. Dies ist das Ergebnis einer telefonischen Erhebung, die von den Grünen bundesweit veranlasst wurde.

Regionale Unterschiede

Für Bayern zeichnen die Bundestagsabgeordneten Manuela Rottmann (Bad Kissingen) und Dieter Janecek (München) verantwortlich. Das beauftragte Institut untersuchte im Freistaat elf Gebiete - und stieß auf große regionale Differenzen: So warten gesetzlich Versicherte in Bayreuth, Bamberg und Hof "nur" 19 Tage länger auf einen Arzttermin als privat Versicherte - der "Spitzenplatz". Immerhin sind bayernweit in 35 Prozent der angerufenen Praxen die Wartezeiten ähnlich. Vielfach müssten Kassenpatienten allerdings auch mehr als 100 Tage länger warten als Private, heißt es in der Studie. Insgesamt wurden nach den Sommerferien 460 Praxen mit sieben Fachrichtungen abtelefoniert, bei einer Abdeckungsquote zwischen 20 und 100 Prozent.

Facharztmangel

Am längsten müssen Kassenpatienten demnach in Würzburg auf einen Facharzttermin warten - nämlich 49 Tage (Privatpatienten neun Tage), mit 42 Tagen Wartezeit (privat acht Tage) landet Schweinfurt/Bad Kissingen/Haßfurt auf Negativplatz drei. Die Grünen-Abgeordnete Rottmann führt den negativen Spitzenplatz Würzburgs auf die Struktur zurück: In der Beamten- und Universitätsstadt leben deutlich mehr Privatpatienten als auf dem Land.

Weil die Privaten einem Facharzt im Schnitt das 2,5-fache an Honorar bringen, bleiben weniger Termine für gesetzlich Versicherte. Rottmann weiß aus Gesprächen vor Ort: Auf dem Land gelingt es oft kaum noch, Nachfolger für eine Praxis zu finden - nicht zuletzt wegen der schlechteren Honorierung angesichts eines hohen Anteils an Kassenpatienten. Die Grünen fordern deshalb eine Vereinheitlichung in der Ärztehonorierung und den Einstieg in eine Bürgerversicherung.

Unterschiede bei den Fachärzten

Große Unterschiede zeigt die Erhebung auch in den Fachrichtungen. Leidensfähig müssen Patienten mit einer Haut- oder Nervenerkrankung sein: Gesetzlich Versicherte bekommen beim Hautarzt oder Neurologen erst nach 59 bzw. 58 Tagen einen Termin, Privatpatienten nach elf bzw. 18 Tagen.

Auch Augenärzte sind mit 47 und 14 Wartetagen (gesetzlich und privat) gefragt. Bei einem Würzburger Augenarzt gab es für die Testanruferin als Kassenpatientin erst in 214 Tagen einen Termin, als Privatpatientin dagegen in fünf Tagen. Generell schneller geht's in HNO-Praxen und beim Kardiologen mit Wartezeiten von 14 bzw. 15 Tagen für Kassenpatienten und je sechs Tagen für Private.

Schere geht auseinander

Die Grünen haben die Telefonerhebung nach 2013 und 2015 zum dritten Mal durchführen lassen. Dabei ist in Bayern das Wartezeitgefälle zwischen Kassen- und Privatpatienten nach 17 und 23 mit nunmehr 28 Tagen noch größer geworden. Überrascht ist Rottmann von dem Ergebnis nicht. Die Zahlen spiegelten die reale Situation wider - "und Kinderärzte wurden noch nicht einmal abgefragt. Da ist die Situation hochdramatisch." Die Abgeordnete warnt davor, pauschal auf Ärzte "einzudreschen". Die Gründung oder die Übernahme einer Praxis sei aufwändig und nicht ohne Risiko. Sie kenne die Klagen über den hohen Bürokratieaufwand durch Dokumentationspflichten.

Dem Vorstoß von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), die Sprechstundenzahl auf mindestens 25 pro Woche für Kassenpatienten zu erhöhen, steht Rottmann skeptisch gegenüber. Das könne die Flucht aus den Praxen und der Selbstständigkeit sogar befördern, "viele Ärzte wollen noch ein Familienleben haben."

KVB: Lage nicht dramatisch

Die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) hält die Wartezeiten für weniger gravierend. Auf Anfrage verweist Pressesprecher Martin Eulitz auf eine eigene Versichertenbefragung. Danach hätten 32 Prozent der Patienten sofort einen Termin bekommen. Nur 40 Prozent hätten länger als drei Tage gewartet.

Um Wartezeiten zu verringern, wurden vom Gesetzgeber eigens Terminservicestellen eingerichtet. "Sie stoßen an ihre Grenzen", sagt Rottmann. Laut KVB wurden im Jahr 2017 über die Servicestelle rund 2 100 Termine bei Fachärzten vermittelt - bei 80 Millionen Behandlungsfällen in Bayern betrifft dies nur einen kleinen Bruchteil. Die KVB ist überzeugt, dass in der Regel über den Hausarzt ein Termin beim Facharzt in kurzer Zeit zu erhalten ist.

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