Würzburg
Weinbau

Hoch gepokert und verloren: Warum es heuer keinen Eiswein aus Franken gibt

Dieses Jahr wird es keinen Eiswein aus Franken geben. Weinbaupräsident Artur Steinmann kennt die Konsequenzen für den Verbraucher.
Artikel drucken Artikel einbetten
Würzburg, Bayern: Teilweise angefaulte Weintrauben der Rebsorte Silvaner hängen in einem Weinberg hinter blauen Schutznetzen. Wegen des zu nassen Herbstes wird es keinen bayerischen Eiswein des Jahrgangs 2017 geben. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Würzburg, Bayern: Teilweise angefaulte Weintrauben der Rebsorte Silvaner hängen in einem Weinberg hinter blauen Schutznetzen. Wegen des zu nassen Herbstes wird es keinen bayerischen Eiswein des Jahrgangs 2017 geben. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Eiswein ist die Lotterie des Winzers. Sie müssen oft hoch pokern und meistens verlieren die Weinbauern das Spiel gegen das Wetter. In diesem Jahr war zumindest der Einsatz gering, denn die Verluste waren wegen des nassen Herbstes absehbar. "Bei uns in Franken hat keiner Eiswein gelesen. Dafür haben die Temperaturen nicht ausgereicht", sagte Artur Steinmann, Präsident des Fränkischen Weinbauverbandes, der Deutschen Presse-Agentur.


Eiswein: Der nasse Herbst hat den Trauben nicht gut getan
 

Im Moment wären zwar die Temperaturen in den Weinbergen genau richtig, aber "das hätte keinen vernünftigen Eiswein mehr ergeben". Selbst eine anständige Frostnacht im November oder Dezember hätte vermutlich nicht zu guten Eiswein-Ergebnissen geführt. Denn: Der nasse Herbst hat den Trauben nicht gut getan. "Heuer kam schon schnell die Fäulnis und deshalb musste schnell gelesen werden. Das hätten die Trauben nicht durchgehalten", so Steinmann weiter.


Traubenmenge zu gering für Eiswein
 

Ein Winzer, der es zumindest mit dem Eiswein versuchen wollte, ist Christian Reiss. "Wir haben etwas geerntet, auch mit einem guten Mostgewicht. Die Krux war, dass die Menge zu gering war", sagte der Würzburger Winzer. Verwertet hat der Familienbetrieb die Trauben dennoch, aber eben als Auslese und nicht als Eiswein. Reiss' Kunden müssten nun vorerst auf Eiswein verzichten. "Wir haben gar nichts mehr, wir haben alles verkauft", sagte Reiss weiter.


Was macht den Eiswein so besonders?
 

Für Eiswein müssen die gefrorenen Trauben gepresst werden, deshalb wird dafür erst bei mindestens minus sieben Grad Celsius gelesen. Experten zufolge prägen eine glasklare Frucht, der Geschmack von Eisbonbon, fruchtige Noten und ein Hauch von Honig den Eiswein. Aus Trauben, die 100 Liter Wein ergeben würden, können acht bis zehn Liter Eiswein gewonnen werden. Eine Flasche Eiswein kann zwischen 50 und 100 Euro kosten. Die Spezialität zählt zu den teuersten Weißweinen der Welt.


Jahrgang 2017: Kein Eiswein aus Franken
 

Dass es vom Jahrgang 2017 keinen Eiswein aus Franken geben wird, dürfte Weinbaupräsident Steinmann zufolge aber keine Auswirkungen auf den Preis haben. "Das bedeutet nicht, dass der Eiswein jetzt teurer wird." Viele Winzer hätten nach dem erfolgreichen Eiswein-Jahr 2016 auch noch einige Flaschen in ihren Schatzkammern.


In einem guten Jahr produzieren Steinmann zufolge etwa 25 bayerische Winzer Eiswein. Zu den wichtigsten Abnehmern gehörten die Asiaten. "Insbesondere Japan ist da ganz stark. Die lieben diese Süßweine", sagte Steinmann. Deutschlandweit hat dem Deutschen Weininstitut zufolge nur ein gutes halbes Dutzend Betriebe in den Anbaugebieten Baden, Württemberg und Saale-Unstrut überhaupt Eiswein lesen können.



was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren