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Krankheit

Gefahr besonders für Säuglinge: RS-Virus erreicht Franken

Die Symptome ähneln einer Grippe - besonders bei Säuglingen kann das RS-Virus sehr gefährlich werden. In mehreren fränkischen Kliniken häufen sich zur Zeit die Fälle.
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Das RS-Virus ist besonders für Säuglinge gefährlich. In mehreren fränkischen Kliniken häufen sich zur Zeit die Fälle. Symbolbild: Arno Burgi/dpa
Das RS-Virus ist besonders für Säuglinge gefährlich. In mehreren fränkischen Kliniken häufen sich zur Zeit die Fälle. Symbolbild: Arno Burgi/dpa

Oft beginnt es mit einem leichten Schnupfen. Gerade für Säuglinge kann der aber gefährlich werden. In den unterfränkischen Kinderkliniken behandeln Ärzte derzeit zahlreiche kleine Patienten mit akuten Atemwegsinfektionen - ausgelöst durch das RS-Virus. "Das kann sich bis hin zu einer schweren Lungenentzündung entwickeln", sagt Wilma Friedewald, Oberärztin an der Missio-Kinderklinik in Würzburg. Untypisch sei die "RSV-Welle" um diese Jahreszeit nicht. Aber man "hat das Gefühl, dass es die Kinder immer heftiger erwischt".

"Das RS-Virus zirkuliert, aber nicht in ungewöhnlichem Ausmaß", sagt Susanne Glasmacher, Sprecherin des Robert Koch-Instituts. Pro Woche würden momentan bundesweit von 180 Proben bis zu 30 positiv getestet, bei Kleinkindern liege die Rate bei etwa einem Viertel. "Null- bis Vierjährige sind die Altersgruppe, in der das RS-Virus am häufigsten ist."

Ausgesprochen viele Infektionen in der Region

Das spiegelt sich auch in der Region. In der Missio-Kinderklinik ist fast die Hälfte aller Patienten am RS-Virus erkrankt. Ähnlich sieht es an der Uni-Kinderklinik und an der Kinderklinik des Leopoldina Krankenhauses Schweinfurt aus. "Wir haben ausgesprochen viele RSV-Infektionen aktuell", so Daniel Lorenz, Oberarzt am Leopoldina. Insgesamt habe es dieses Jahr bisher etwa 100 Fälle gegeben, mehr als in den Vorjahren.

Das Problem: Das sogenannte Respiratorische Syncytial-Virus ist nur schwer von einer Grippe zu unterscheiden. Für Eltern sei das fast unmöglich, sagt Lorenz. Dies wirkt umso schwerer, als auch die Grippe zur Zeit in franken auf dem Vormarsch ist. Symptome - bei Kleinkindern wie Erwachsenen - sind beispielsweise Schnupfen, Husten oder Halsschmerzen und Fieber. All das plagt auch Influenza-Patienten. Bei Säuglingen verläuft eine RSV-Infektion jedoch häufig sehr schwer. Es kann zu einer spastischen Bronchitis oder eben einer Lungenentzündung kommen.

Vorsichtshalber stationär behandeln

Wie bei der neun Wochen alten Leni (Name von der Redaktion geändert). Ihre ältere Schwester brachte aus dem Kindergarten einen ordentlichen Schnupfen mit, erzählt die 33-jährige Mutter aus dem Landkreis Würzburg. Kurz darauf fing auch der Säugling an zu husten. Der Kinderarzt verschrieb ein Asthmaspray. Als es nicht besser wurde, kam das Baby in die Missio-Kinderklinik. Dort bestätigte ein Test das RS-Virus.

"Wenn ein Kind krank ist und man das Gefühl hat, dass es schlecht Luft bekommt, sollte man es zum Kinderarzt bringen", rät Lorenz. Ist es das RS-Virus, könne man beispielsweise mit Sauerstoff helfen oder mit Inhalationen. Generell gilt: "Je kleiner Kinder sind, desto eher ist es ratsam, sie stationär aufzunehmen", sagt Missio-Kinderärztin Wilma Friedewald. So könne man die Patienten gut beobachten und sicherstellen, dass auch nachts die Sauerstoffsättigung stabil bleibe.

Leni lag sechs Tage mit einer Lungenentzündung auf der Station. "Wenn man sein Kind mit all den Schläuchen sieht, bekommt man schon einen Schreck", sagt ihre Mutter. Mittlerweile hat das Mädchen die Erkrankung überstanden, ist wieder zu Hause. Hat sie Glück gehabt?

Gefährlicher Erreger: "Es gibt keine Therapie"

Das RS-Virus ist "definitiv gefährlich für Säuglinge", sagt der Schweinfurter Oberarzt Lorenz. Bei Kindern im Alter von unter zwei Monaten sei eine Infektion am problematischsten, bestätigt Prof. Johannes Liese, Leiter des Bereichs für Kinder-Infektiologie und Immunologie der Uni-Kinderklinik. Auch dort mussten in diesem Jahr schon einige Babys mit Lungenentzündungen auf der Intensivstation behandelt wurden. Allerdings sei das bislang nur symptomatisch möglich. "Es gibt keine Therapie, kein wirksames zugelassenes antivirales Medikament", sagt Liese. Die Uniklinik wolle deshalb an einer Studie teilnehmen, die die Wirksamkeit eines neuen Präparates untersuche.

Wie aber können Eltern ihre Kinder aktuell schützen? Liese rät, Menschenansammlungen mit einem Säugling zu meiden und die Kleinen von Patienten mit Atemwegserkrankungen fernzuhalten. Eine generelle Impfung gegen das Virus gebe es jedoch nicht, sagt RKI-Sprecherin Glasmacher. Wie bei Erwachsenen gelte: "Händewaschen und Abstand halten - sofern man das Kleinkindern beibringen kann."

Weitere Infos zum RS-Virus im Überblick - was Eltern beachten müssen

Bei Säuglingen und Kleinkindern ist das Respiratorische Syncytial-Virus (RS-Virus) weltweit der häufigste Auslöser von akuten Atemwegsinfektionen. In den ersten Lebensmonaten können diese besonders schwer verlaufen. Infektionen mit RS-Viren kommen gehäuft in den Wintermonaten und im Frühjahr (Oktober/November bis März/April) vor.

Die Übertragung der RS-Viren erfolgt laut Helmholtz Zentrum München vor allem durch Tröpfcheninfektion oder indirekt über Gegenstände oder Oberflächen. Die Zeit von der Infektion bis zum Auftreten erster Symptome beträgt in der Regel zwei bis acht Tage.

Ältere Kinder und Erwachsene entwickeln in der Regel nur leichte, erkältungsähnliche Symptome. Bei Säuglingen, deren Atemwege relativ eng sind, werden die Bronchiolen und das Lungengewebe besonders angegriffen. Es kann zu Entzündungen kommen. Alarmsignale können schnelle Atmung, Husten oder die Weigerung zu Trinken sein.

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