Würzburg

"Fridays gegen Altersarmut": Proteste gegen Altersarmut in Bayern - Warnung vor rechter Unterwanderung

Nach "Fridays for Future" kommt nun "Fridays gegen Altersarmut": Mit der Klimabewegung haben die Proteste aber nichts zu tun. Es geht um Renten, die kaum zum Überleben reichen - und um Instrumentalisierung von rechts.
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München: Ein Demonstrant der Gruppierung "Fridays gegen Altersarmut" hält bei einer Kundgebung ein Plakat mit der Aufschrift "Fridays gegen Altersarmut". Foto: Lena Voelk/dpa
München: Ein Demonstrant der Gruppierung "Fridays gegen Altersarmut" hält bei einer Kundgebung ein Plakat mit der Aufschrift "Fridays gegen Altersarmut". Foto: Lena Voelk/dpa

Bayernweit sind am Freitag Hunderte gegen Altersarmut auf die Straße gegangen. Zu den Demonstrationen und Mahnwachen riefen die Gruppen "Fridays gegen Altersarmut", "Wir: "Rentner" gegen Altersarmut" und "Wir: "Gemeinsam" gegen Altersarmut" in sozialen Medien auf.

"Wir sind dafür, dass alle Menschen in Würde altern können", sagte Brigitte Bauer, Organisatorin der Mahnwache in Würzburg. Dafür solle jeder in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen, auch Beamte und Politiker. In München protestieren nach Schätzung der Polizei bis zu 300 Menschen friedlich, in Würzburg 70 und in Landshut 30.

Warnungen vor rechter Unterwanderung der Bewegung

Sozialverbände und Gewerkschaften in Bayern hatten davor gewarnt, sich den Protesten anzuschließen. "Rechtspopulistische Parteien versuchen, die Wut in Wählerstimmen umzuwandeln", sagte ein Sprecher von Verdi Bayern. Die rechtsextreme Partei "Die Rechte" warb auf ihrer Webseite für "Fridays gegen Altersarmut", auch die AfD-Fraktion im Bayerischen Landtag unterstützte die Aktivisten nach eigenen Angaben "ausdrücklich". Die Gruppe mit mehr als 300 000 Mitgliedern auf Facebook bezeichnet sich selbst als "politisch unabhängig".

Die Organisatoren von "Wir: "Rentner" gegen Altersarmut" und "Wir: "Gemeinsam" gegen Altersarmut" distanzierten sich von rechtem Gedankengut. "Das macht uns wirklich Sorgen", sagte Birgit Knöchel, Veranstalterin der Mahnwachen in Ingolstadt und Eichstätt. Genauso wie ihre Rente: Wenn die kaufmännische Angestellte bald in Altersteilzeit gehe, bekomme sie weniger als 1000 Euro. Laut Rentenreport 2018 des Deutschen Gewerkschaftsbunds lag die sogenannte Armutsgefährdungsschwelle in Bayern bei 1 074 Euro.

Jeder fünfte bayerische Rentner armutsgefährdet

Menschen sind von Altersarmut gefährdet, wenn sie über 65 Jahre alt sind und monatlich weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens zur Verfügung haben. In Bayern galten nach Angaben des Statistischen Bundesamts 21,5 Prozent der Rentner im Jahr 2018 als armutsgefährdet.

"Ein abnehmendes Rentenniveau, unterbrochene Erwerbsbiographien, Niedriglöhne und steigende Wohnkosten werden dazu führen, dass die Armut im Alter weiter steigt", erklärte Margit Berndl, Vorstand des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Bayern. Der Sozialverband VdK Bayern ruft deshalb am 28. März zu einer Demonstration unter dem Motto "Soziales Klima retten!" auf. Mehrere Zehntausend werden an dem Tag in München erwarten.

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