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Einsam und verzweifelt: Warum der Bedarf an Telefonseelsorge an Weihnachten besonders hoch ist

Um die Feiertage rund um Weihnachten nimmt bei vielen Menschen die Einsamkeit zu. Nicht wenige rufen deshalb bei der Telefonseelsorge an. Die Nachfrage ist seit Jahren ungebrochen. Besonders bei einer bestimmten Altersgruppe.
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Mit einem Smartphone wird die Nummer der Telefonseelsorge vor einem Weihnachtsbaum gewählt. Foto: Michael Kappeler/dpa
Mit einem Smartphone wird die Nummer der Telefonseelsorge vor einem Weihnachtsbaum gewählt. Foto: Michael Kappeler/dpa

Das Weihnachtsfest ist für viele Menschen vor allem stressig. Für einige andere ist es eine traurige Zeit. Auch deshalb nimmt um die Feiertage herum die Zahl der Anrufe bei der Telefonseelsorge in Bayern leicht zu.

"Da ist der Bedarf natürlich steigend. Denn das ist die Zeit, in der die Leute besonders einsam sind", sagte Elisabeth Simon, die beim Diakonischen Werk Bayern für die Telefonseelsorge zuständig ist. "Weihnachten hat eine besondere familiäre Bedeutung - besonders, wenn man keine hat." Oder die Betroffenen stürzten in ein Loch, wenn die Familie nach dem Fest wieder weg ist.

Frauen rufen häufiger an

Unter dem Dach der Diakonie gibt es im Freistaat zwölf Telefonseelsorge-Einrichtungen. Hinzu kommen noch vier weitere katholische Stellen. Sie sind rund um die Uhr kostenfrei erreichbar (die Kontaktinformationen gibt es hier). Die Nachfrage ist seit Jahren ungebrochen hoch. In Würzburg sind bei den Telefonseelsorgern 2018 etwa 13 000 Anrufe eingegangen. In München waren es fast 24 000. Ähnlich sehen die Zahlen in den übrigen Stellen aus. Gesamtzahlen für den Freistaat werden bislang nicht erhoben.

Etwa zwei Drittel der Anrufenden sind Frauen und etwa 30 Prozent sind zwischen 50 und 59 Jahre alt. Unter 30-Jährige nutzen der Vorsitzenden der Evangelischen Konferenz für Telefonseelsorge, Ruth Belzner, zufolge eher das Chatangebot der Telefonseelsorge. Menschen über 70 Jahre wählen ebenfalls eher selten die Nummer der Hotline.

Zwischen Panikattacken und Beziehungsstress

In den meisten Fällen drehen sich die Sorgen der Anrufer um die eigene Lebenswelt. Ob Panikattacken, Suizidgedanken, finanzielle Not, Depressionen, Ängste, Beziehungsstress, Einsamkeit oder körperliche Beschwerden - wer bei der Telefonseelsorge anruft, darf vor allem ein offenes Ohr erwarten.

Die Anrufer könnten einfach erzählen, wie es ihnen geht - ohne dass ihr Gegenüber dazu seine eigenen Erfahrungen zum Gesprächsthema mache, sagte die Leiterin der Telefonseelsorge Würzburg weiter. "So erleben sie: Da interessiert sich einer für mich. Das tut gut, tröstet und hilft!", so Belzner. Oft würden Menschen auch regelmäßig anrufen, um sich Rat zu holen. Manche durchaus auch mehrmals am Tag. "Es ist zu vermuten, dass wir für einzelne Menschen sogar der einzige tägliche Lebensbegleiter sind."

Ein Gespräch an der Telefonhotline dauert meist 20 bis 40 Minuten. Oft hat dabei das Reden selbst schon einen positiven Effekt auf die Anrufer, wie Alexander Fischhold von der katholischen Telefonseelsorge in München weiß. "Das "in Worte bringen" ist der eigentliche heilende Teil des Ganzen."

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