Unterpleichfeld
Sommerserie

Einblick in Frankens größte Entenmast

Die Familie Wild in Unterpleichfeld versorgt täglich 20 000 Tiere. Der Ort in der Nähe von Würzburg ist auch sonst landwirtschaftlich geprägt.
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Die Unterpleichfelderin Martina Wild mit einem ihrer Entenküken Foto: Barbara Herbst
Die Unterpleichfelderin Martina Wild mit einem ihrer Entenküken Foto: Barbara Herbst
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Mist. Jede Menge Mist. "Jetzt kommen Sie bei der unschönsten Arbeit", sagt Martina Wild. Sie hat ihren Teleskoplader mit Greifzange raus aufs Feld gefahren. Jetzt steht er neben einem großen Haufen. Gleich daneben warten schon zwei kleine Großneffen in Ferienlaune und Ehemann Wolfgang mit Traktor und großem Hänger samt hydraulischer Klappe an der Rückwand. Ein sogenannter Miststreuer.
Es riecht. Erträglich, aber deutlich vernehmbar. Was hier liegt und auf den Hänger geladen wird, ist verrotteter Kot gemischt mit Stroh. "Der beste Stickstoffdünger, natürlich und sehr begehrt. Morgen riechen Sie da gar nichts mehr", erklärt Martina Wild.


14 Vollerwerbslandwirte

Die 57-Jährige stammt aus einer Landwirtsfamilie in Nordhessen. In den landwirtschaftlichen Lehranstalten in Triesdorf lernte sie einst ihren Mann kennen und zog zu ihm nach Unterpleichfeld. Das war vor 32 Jahren.
Wer sich heute in und um Unterpleichfeld umsieht, stößt nach wie vor auf landwirtschaftliche Vielfalt. Rund 3000 Menschen leben in der Gemeinde zwölf Kilometer nördlich von Würzburg samt ihren benachbarten Ortsteilen. Hier gibt es noch 14 Vollerwerbslandwirte. Grund und Boden ist ein begehrtes Gut "Es ist schwierig. Pachtflächen kann man vergess'", sagt Roland Sauer. Der 33-Jährige hat vor fünf Jahren von seinem Vater Klaus-Peter den elterlichen Bauernhof übernommen. Sie besitzen 70 Hektar Fläche, hauptsächlich züchten sie Ferkel.


Sieben Biogasanlagen vor Ort

Der Infranken-trifft-Pfeil hatte die Landkarte genau im Feld neben einer Außenhalle der Familie Sauer berührt. "Dieses Gemüsefeld gehört nicht uns", erzählten sie. Auch nicht der Maststall gleich dahinter, an dem am späten Vormittag keine Menschenseele anzutreffen war. Immerhin gab ein Lüftungsfenster an der Seitenwand der 125 Meter langen Halle einen Blick ins Innere frei: Enten, jede Menge kleine Enten. "Sehen Sie da drüben das Feld mit dem Miststreuer? Da finden Sie Martina Will. Die ist Kreisbäuerin, der gehören die Enten", hatte Roland Sauer den entscheidenden Hinweis gegeben. Vor dem Abschied schilderte der junge Landwirt noch, warum Pachtflächen in Unterpleichfeld so begehrt sind. "In der Gemeinde gibt es allein sieben Biogasanlagen. Der Rest geht für den Gemüsebau weg."


"Ein Herdentier"

Der Entenmist landet auch in den Biogasanlagen, nicht nur auf dem Feld. Während Wolfgang Wild und die Großneffen dort mit dem Miststreuer ihre Runden drehen, fährt Ehefrau Martina zur Entenmasthalle, um einen Einblick zu gewähren. "Kein Problem, wir sind ein offener Betrieb", betont sie. Geschredderte Küken oder gestutzte Schnäbel - so etwas gebe es in der Entenmast nicht. In dem 2003 von der Familie Wild errichteten Stall leben 20 000 Tiere. Die Hälfte davon sind Küken. "Der Begriff Massentierhaltung ist negativ belegt", sagt die Orts- und Kreisbäuerin, die für die CSU im Kreistag sitzt. Die Ente sei ein Herdentier und sollte auch in der Gruppe gehalten werden. "Entscheidend ist nicht die Größe, sondern die Ausrichtung eines Betriebs und die Gesinnung des Betreibers."


Täglich frisches Stroh

13 große Entenmastbetriebe gibt es in Bayern. Sie halten jeweils zwischen 12 000 und 50 000 Tiere. Der Stall der Familie Wild ist der größte in Franken. Laut Bernd Adleff vom Landesverband der Bayerischen Geflügelwirtschaft sind die Betriebe zusammengeschlossen in der "Süddeutschen Enten Erzeugergemeinschaft". Insgesamt mästen sie pro Jahr 4,5 Millionen Enten. In Frankens Gasthäusern werden diese genauso verspeist wie zuhause als Tiefkühlware vom Discounter.
Wasser aus eigener Brunnenversorgung, Futter auf Getreidebasis, Wärme aus der Biogasanlage, täglich eingestreutes Stroh aus den umliegenden Feldern - "Hygiene ist in der Mast oft besser als beim Privatzüchter", meint Wild. Antibiotika und Arzneimittel würden dagegen nicht eingesetzt.


Tod nach wenigen Wochen

Die Enten hier im Stall werden keine sechs Wochen alt. Dann wird die (ältere) Hälfte des Stalls komplett geschlachtet. Die Küken auf der anderen Hälfte des Stalls rücken nach. In ein paar Tagen ist es auch bei ihnen so weit. Ein ständiges Kommen und Gehen. Geschlachtet werden die Tiere nicht in Unterpleichfeld, sondern in Wachenroth (Lkr. Erlangen-Höchstadt) bei der Firma Wichmann.


Feuchte Kellerräume

Inge Wild, die mit Martina Wild nicht verwandt ist, zeigt eine ganz andere Einnahmequelle, die ihre Landwirtsfamilie (inzwischen vor allem Sohn und Schwiegertochter) in Unterpleichfeld seit 20 Jahren pflegt. In 15 Kellerräumen, in denen früher Sauerkraut lagerte, züchten sie Austern- und Shiitake-Pilze. Für dieses zweite Standbein spritzt Inge Wild regelmäßig die Räume feucht und lagert gekauftes Substrat. Geerntet wird das ganze Jahr, Abnehmer sind Großhändler in Nürnberg und Würzburg sowie Hofkunden. Im Hof der Familie gibt es übernächstes Wochenende sogar das alljährliche Pilzfest, regional bekannt.


Saft aus Gelben Rüben

Die letzte Krautfabrik in Unterpleichfeld ist dagegen mittlerweile geschlossen. Kraut, vor allem Blaukraut, und anderes Gemüse wächst noch auf den Feldern. Zum Beispiel Gelbe Rüben auf dem Feld der Familie Wild neben dem Entenmaststall - dort, wo der Pfeil "einschlug". Demnächst landen sie bei der Firma Mainfrucht in Gochsheim und werden zu Saft verarbeitet.

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