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Würzburg
Innovation

Brose investiert eine Million Euro in Speziallabor

Was elektrische Schwingungen betrifft, ist in Autos bereits heute ganz schön was los - Tendenz steigend. Damit sich die vielen Geräte nicht gegenseitig ins Gehege kommen, hat Brose eine Million Euro in ein Speziallabor investiert.
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In dieser Schirmkammer werden täglich bis zu hundert Brose-Produkte auf ihre elektromagnetische Verträglichkeit getestet. Foto: Brose
In dieser Schirmkammer werden täglich bis zu hundert Brose-Produkte auf ihre elektromagnetische Verträglichkeit getestet. Foto: Brose
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Salopp gesagt ist Brose da ein richtig großer Wurf gelungen. Und das auf einer Fläche, die noch nicht mal halb so groß ist wie ein Basketballspielfeld. "Das ist unsere Schirmkammer", erklärt Thomas Schindler und deutet auf die seltsame Einrichtung des Raumes. In der Mitte steht eine stattliche Hochleistungsantenne, die Decke und die Wände sehen aus, als ob sie mit riesigen Eierkartons tapeziert worden sind. "Das sind Absorber", informiert der Elektronik-Spezialist der Firma Brose am Standort Würzburg. Sie verhindern Reflexionen, von denen es hier regelmäßig eine sehr stattliche Anzahl zu bestaunen gibt.


Plötzlich leuchten die Glühbirnen

Bestaunt werden darf aber nur von draußen. "Sagen wir es mal so", erklärt Thomas Schindler und muss schmunzeln, "es wäre für den Menschen nicht gesund, sich während der Versuche in der Kammer aufzuhalten!" Als Beweis dient ein Blick auf den Überwachungsbildschirm: Die Kammer ist jetzt dunkel - es wird eine ordentliche Ladung Watt hindurch gejagt - zwei Glühbirnen, die ohne Anschluss an irgendein Stromnetz auf dem Tisch postiert sind, beginnen plötzlich hell zu leuchten.

Dieser Test mag nur eine Spielerei gewesen sein. Aber er zeigt, welche Kräfte in dieser metallisch abgeschirmten Kammer wirken können. Bis zu 200 Voltmeter und bis zu 1000 Watt. Brose nutzt die Kammer, deren offizielle Bezeichnung "EMV-Labor" ist, natürlich für ganz handfeste Zwecke. EMV steht für elektromagnetische Verträglichkeit und ist im Zeitalter von immer elektrischer werdenden Autos zu einem wichtigen Produktkriterium für einen Automobilzulieferer geworden.

Bereits heute befinden sich auf dem doch recht kompakten Raum eines Autos bis zu 80 Steuergeräte, die über kleine Elektromotoren verfügen, wie Thomas Schindler zu berichten weiß: die Palette reicht von der Komfortelektronik wie der Klimaanlage bis zur Sicherheitselektronik wie dem Schleuderschutz ESP. Jede einzelne Komponente sorgt für reichlich Schwingungen - aber wehe, diese Schwingungen stören sich auf einmal gegenseitig. Es soll und darf zum Beispiel nicht sein, dass beim Betätigen eines elektrischen Fensterhebers der Radioempfang schlechter wird. Oder, schlimmer: Das Navigationsgerät beeinflusst die elektrischen Lenkung. Jedes Brose-Produkt muss einen EMV-Test bestehen, und zwar in zwei Richtungen. Es muss einerseits robust genug sein, um sich nicht von anderen elektrischen Geräten stören zu lassen. Andererseits darf das Produkt selbst auch nicht zu viele Schwingungen aussenden, durch die andere gestört werden.

Brose könnte diese Tests auch in externen Laboren durchführen lassen, hat sich aber, wie Thomas Schindler betont, ganz bewusst für ein eigenes Labor entschieden. "Uns geht es nicht nur darum, Kosten zu senken, sondern wir wollen auch Wissen ansammeln." Jedes Testergebnis fließt in die Entwicklung des nächsten Produkts.
Dass das EMV-Labor jetzt akkreditiert worden ist, also gewissermaßen einen offiziellen TÜV-Siegel bekommen hat, macht allen voran Geschäftsführer Reinhard Kretschmer stolz. Der Standort Würzburg sei das "Kompetenz- und Technologiezentrum" von Brose.

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