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Tornado

Tornado bei Würzburg - Kürnacher geschockt : "Als hätte eine Bombe eingeschlagen"

Tornado in Unterfranken: Erstmals wurde im Landkreis Würzburg ein Katastrophenfall ausgelöst. Verletzt wurde wie durch ein Wunder niemand.
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Aufräumarbeiten an der zerstörten Feldscheune in Kürnach. Foto: Thomas Obermeier
Aufräumarbeiten an der zerstörten Feldscheune in Kürnach. Foto: Thomas Obermeier
Erst am Morgen danach wagt sich in Kürnach (Lkr. Würzburg) Ernst Weber vorsichtig aus dem Haus, um die Schäden auf dem Dach zu begutachten. Der alte Herr ist nicht mehr so gut zu Fuß und noch geschockt von den Geschehnissen am Abend zuvor. "Ich bin jetzt 82 Jahre alt. Aber so etwas habe ich noch nicht erlebt", sagt er und schüttelt den Kopf.



Er meint den Tornado. Immer wieder blickt er auf das Hausdach der Nachbarn, das der Wirbelsturm beinahe komplett abgedeckt hat. In der Theodor-Heuss-Straße in Kürnach, einer Seitenstraße der Prosselsheimer Straße, hat der Sturm am späten Donnerstagnachmittag eine ein Kilometer lange Schneise der Verwüstung geschlagen.

Am Freitag sind in der 5000-Einwohner-Gemeinde neun Kilometer nördlich von Würzburg die Bagger zu hören, die für die Aufräumarbeiten benötigt werden. Feuerwehrautos fahren durch die Straßen. Die Spur des Tornados zieht sich durch den Ort. Laut Feuerwehr gab es insgesamt Schäden an 53 Häusern und auf 85 Grundstücken. Verletzt wurde wie durch ein Wunder niemand. Noch in der Nacht begannen die Aufräumarbeiten, die Einsatzkräfte der Feuerwehr waren sofort zur Stelle. Zusammen mit Dachdeckerfirmen und Nachbarn wurde zumindest notdürftige Schadensbegrenzung betrieben. "Kein Haus musste evakuiert werden, das ist der guten Koordination und der großen Hilfsbereitschaft zu verdanken", sagt die stellvertretende Bürgermeisterin Sieglinde Bayerl.
Mit vereinten Kräften werden Bäume zersägt, Dächer ausgebessert und Trümmer aufgesammelt. Das Geräusch von Ziegeln, die in Container geworfen werden, ist allgegenwärtig. Eine Anwohnerin erzählt: "Wir haben schon morgens um 6.30 Uhr angefangen. Es sah aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Das Dach haben wir gestern Nacht noch abgedichtet. Reingeregnet hat es trotzdem." In ihrem Garten ist ein Trampolin gelandet, das ihr nicht gehört. Der Gartenzaun ist zerfetzt, und neben dem Haus liegt der Dachfirst. Die Stellen, an denen Dachziegeln fehlen, sind mit Planen vernagelt. Aber es geht voran, Anhänger voller Äste und Schutt werden abtransportiert. Über die Entsorgung müssen sich die Anwohner keine Sorgen machen, die Trümmer werden vom örtlichen Wertstoffhof angenommen.


Der Zusammenhalt der Kürnacher ist überall spürbar. Die Straße ist gesäumt von Firmenwagen der Dachdeckerfirmen aus der Umgebung, die Bauhofmitarbeiter unterstützen die Betroffenen. Bürgermeister Thomas Eberth trägt seine Feuerwehrjacke über dem Hemd und verteilt Pizzen an die Einsatzkräfte. Ganz selbstverständlich helfen Nachbarn und andere Anwohner, alle Kräfte werden mobilisiert. Als das Unglück vorüber ist, zieht Ebert eine erste Bilanz. "Ich bin erleichtert, dass wir keine Verletzten zu beklagen haben", sagt der Bürgermeister, der vor allem den Rettungskräften und allen Helfern große Anerkennung zollt: "Es war hervorragend, wie die Dorfgemeinschaft funktioniert hat". Die Dimension des Schadens lasse sich schwer beziffern, Eberth geht derzeit von einem "hohen sechsstelligen Betrag aus".
 
Die Hilfsbereitschaft lobt auch der Kürnacher Martin Falger, einer der Feuerwehrleute in der Nacht und gleichzeitig auch Kreisbereitschaftsleiter des Bayerischen Roten Kreuzes. "Das war der Wahnsinn. Freunde, Bekannte oder Nachbarn waren schnell zur Stelle. Junge haben Alten geholfen, Handwerker den Verwaltungsangestellten, das war gigantisch."

Das BRK war nicht nur mit einem Rettungswagen vor Ort, sondern auch mit einer Verpflegungsstation, die Tee, Kaffee, belegte Brötchen oder Butterbrezeln an die Helfer verteilte. Beteiligt an der Hilfsaktion waren zahlreiche Feuerwehren aus Kürnach und den Nachbarorten, insgesamt waren rund 150 Helfer vor Ort. Falger hatte eigentlich nur den wunderbaren Regenbogen fotografieren wollen, als er auf den Tornado aufmerksam gemacht wurde. Der erfahrene Retter sagt: "So etwas habe ich noch nicht erlebt."

Auch wenn der Schrecken der Nacht noch tief sitzt, blicken am Freitag alle nach vorne und packen an. Und bei allem Ärger über den Schaden ist man sich in Kürnach einig: Es ist viel wichtiger, dass niemand verletzt wurde. Das betont auch Landrat Eberhard Nuß.Traudl Baumeister und Leonie Schneider

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