Würzburg
Rechtsextremismus

Rechtsextreme schleusen sich in Würzburger Faschingszug ein

Schwarz angemalt und mit einem Anti-Flüchtlings-Plakat haben sich Rechtsextreme in den Würzburger Faschingszug eingeschleust. Der Staatsschutz ermittelt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Der Faschingsumzug zieht am 26.02.2017 in der Semmelstraße in Würzburg (Bayern) entlang. Der Faschingsumzug in Würzburg ist der größte in ganz Süddeutschland. Foto: Nicolas Armer/dpa
Der Faschingsumzug zieht am 26.02.2017 in der Semmelstraße in Würzburg (Bayern) entlang. Der Faschingsumzug in Würzburg ist der größte in ganz Süddeutschland. Foto: Nicolas Armer/dpa
Mehrere Anhänger der rechtsextremen Splitterpartei "Der dritte Weg" haben sich am Sonntag kurzzeitig in den Würzburger Faschingsumzug eingeschleust und gegen Flüchtlinge gehetzt. Etwa neun Menschen hätten sich von den Zuschauern aus in den Zug gemogelt und seien dann auch recht schnell wieder verschwunden, sagte ein Polizeisprecher am Montag.



Besuchern fiel die Aktion auf

Die Einsätzkräfte hätten den Vorfall am Sonntag nicht mitbekommen. Besucher meldeten den Vorfall aber später über den Kurznachrichtendienst Twitter. Nun ermittle der Staatsschutz, ob ein Verstoß gegen das Versammlungsrecht vorliegt.

Die Rechtsextremen seien im Gesicht schwarz angemalt gewesen und hätten Mützen in den Farben gelb, rot und grün getragen. Einer von ihnen habe ein rotes Sakko getragen und eine Maske mit dem Gesicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel, hieß es. Auf einem Transparent, das die Gruppe bei sich trug, stand: "Wir wissen genau abschieben wird uns keine Sau!" Die Polizei versuche jetzt, an mehr Filmmaterial von der Aktion zu kommen und die Beteiligten zu ermitteln. "Der dritte Weg" gilt als Nachfolgeorganisation des verbotenen "Freien Netzes Süd".


Gegen Flüchtlinge und Asylpolitik gehetzt

Der Würzburger SPD-Landtagsabgeordnete und Ex-Oberbürgermeister Georg Rosenthal bezeichnete die Aktion als "widerwärtig". Die Beteiligten hätten mit rassistischer und menschenverachtender Verkleidung, Rufen und dem Banner gegen Flüchtlinge und die Asylpolitik der Bundeskanzlerin gehetzt.

Rosenthal fordert, die rassistischen Hetzer strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen und zumindest für das nächste Jahr Vorkehrungen zu treffen, dass so etwas nicht mehr vorkommen kann. "Fasching und Karneval sind bunte Feste, Feste der Freiheit und Feste, bei denen alle Menschen unabhängig von ihrer Herkunft miteinander feiern. Da haben rechtsextremistische und rassistische Parolen nichts zu suchen!", appelliert der ehemalige Würzburger Oberbürgermeister an alle Demokratinnen und Demokraten.

Der SPD-Rechtsextremismus-Experte Florian Ritter sagte, schon in den Vorjahren seien den Behörden ähnliche Vorfälle bekanntgeworden. Er sieht daher Versäumnisse der Staatsregierung: "Wie kann es bei allgemein erhöhten Sicherheitsmaßnahmen passieren, dass diese Gruppe sich mit einem Banner ungestört in den Zug einreihen konnte, um ihre Hetze zu verbreiten?" Ritter und Rosenthal kündigten dazu eine Anfrage an die Staatsregierung an.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren