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Würzburg
Großer Sport in Franken

Lacrosse: Der kleine Bruder des Krieges

Lacrosse: Beim deutschen Hochschulmeister aus Würzburg wird unser Redakteur nicht geschont - Liegestütze inklusive.
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Beim Lacrosse treffen Technik, Ballgefühl und körperliche Härte aufeinander.  Fotos: Ronald Rinklef
Beim Lacrosse treffen Technik, Ballgefühl und körperliche Härte aufeinander. Fotos: Ronald Rinklef
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Es hat schon ein bisschen was von Krieg, was zweimal die Woche auf dem Würzburger Uni-Sportgelände praktiziert wird. Nicht umsonst wurde die Urform des Lacrosse von seinen Erfindern - den Ureinwohnern Kanadas - wörtlich auch "kleiner Bruder des Krieges" genannt. Es geht ganz schön zur Sache beim Lacrosse. Einer Sportart, die in Nordamerika viel Zuspruch hat, bei uns in Franken aber kaum jemand kennt. Dabei kommt der amtierende Hochschulmeister sogar aus Würzburg - das Uni-Team "Wuelax" spielt die Sportart mit Stick und Helm sehr erfolgreich - und ich habe bei einem Training reingeschnuppert.

Bevor es losgeht, werde ich erst einmal eingekleidet. Es wäre - nicht nur für mich als blutigen Anfänger - viel zu gefährlich, ohne Schutz Lacrosse zu spielen. Also rein in den Brustpanzer, die Handschuhe und Ellbogen-Schoner und zu guter Letzt noch Helm auf den Kopf. "Das schaut schon recht professionell aus", meint mein Trainingspartner "Pippo" Wieprecht.


Man sollte über das Spielfeld rennen können

Doch nur mit professionellem Aussehen kommt man beim Lacrosse nicht weit. "Das Wichtigste ist das Cradeln", erklärt mir der Abteilungsleiter der Würzburger. Dafür hält man den Griff des Schlägers - den Shaft - in beiden Händen, während der Ball im Netz - im sogenannten Head - liegt. Nun lässt man seinen Schläger in der einen Hand locker und dreht mit der anderen. Durch die Fliehkraft bleibt der Ball im Netz und man sollte über das Spielfeld rennen können. Sollte ...

Allein schon das bloße Transportieren des Balles erweist sich als schwieriger als gedacht. Doch nach und nach werde ich sicherer im "Cradeln" und wage erste Schritte. Doch Fehlanzeige, schon ist der Ball wieder weg. Mein Trainingspartner schlägt mit seinem Stick auf meinen und der Ball rollt davon. "Das ist alles erlaubt beim Lacrosse. Deswegen ist es wichtig, immer den Körper zwischen den Stick und den Gegner zu bekommen."



Einige Versuche später dann das erste Lob: "Das ist für den Anfang schon ganz solide", befindet "Pippo". Zeit, etwas Neues zu probieren. Ich soll versuchen, einen Pass zu fangen. Mit dem Stick über der Schulter schleudert man den Ball zu seinem Teamkollegen. Den ersten Bällen, die auf mich zufliegen, weiche ich lieber erst einmal aus. Danach erweist sich auch mein Brustpanzer als nützlich, denn ich werde getroffen. Schließlich schaffe ich es aber auch, einen Ball zu fangen - ein gutes Gefühl, das mich übermütig werden lässt. Mein erster Versuch, das Spielgerät zurückzuspielen, scheitert jedoch kläglich. Nichts mehr mit "solider Leistung"...


Liegestütze für die Verlierer

Trotzdem lässt mich "Pippo" jetzt mit der Mannschaft trainieren. Unsere Aufgabe: den Ball hin und her passen und dabei laufen. Zwei Teams treten gegeneinander an, der Verlierer wird bestraft. Vorsorglich entschuldige ich mich bei meinen Mitstreitern. Die sind zwar zuversichtlich, doch kurze Zeit später gewinnt unser Gegner und wir müssen runter - 30 Liegestütze. Mitgefangen, mitgehangen, denke ich mir und mache mit. Das ist Ansporn genug, es in Runde zwei besser zu machen. Doch das Ergebnis bleibt das Gleiche - 30 Liegestützen für mich und meine Leidensgenossen.

Der Trainer hat ein Einsehen und beendet die Übung. Jetzt geht es in den direkten Zweikampf. Ein Ball, der vor uns auf dem Boden rollt, soll aufgenommen, verteidigt und gepasst werden. "Probiere einfach, deinen Körper einzusetzen", sagt mir "Pippo". Doch mein Kontrahent kennt diesen Tipp auch. Zwar bin ich als Erster am Ball, doch einen gezielten Schubser später ist der auch schon im gegnerischen Netz. Erneut eher ernüchternd.

Alles in allem hatte ich zwar wenig Erfolg beim Lacrosse, aber eine ganze Menge Spaß. Das Würzburger Team macht es einem aber auch leicht, diese exotische Sportart kennenzulernen.


Der Verein: Uni-Team mit pikantem Sponsor

Sie sind deutscher Hochschulmeister und mischen auch in der Lacrosse-Bundesliga kräftig mit. Das Team "Wuelax" aus Würzburg besteht hauptsächlich aus Studenten, was den Spielbetrieb nicht unbedingt einfacher macht. Dennoch kann sich Abteilungsleiter Philipp "Pippo" Wieprecht nicht über mangelnde Trainingsbeteiligung beschweren. "Es kommen pro Einheit bis zu 20 Spieler, sowohl bei den Jungs als auch bei den Mädels."
Trainiert wird zweimal die Woche. Einmal auf dem Uni-Sportgelände am Hubland, ein weiteres Mal auf den Plätzen der Freien Turner Würzburg, bei denen die Lacrosser auch als Team gemeldet sind, um am Liga-Spielbetrieb teilnehmen zu können. Neben den normalen Ligaspielen - die erste Liga in Deutschland teilt sich in Nord/Ost, Süd und West auf und umfasst insgesamt 18 Teams - gibt es am Ende einer jeden Saison Play-off- und Meisterschaftsspiele.

Daneben treten die Würzburger bei den allgemeinen deutschen Hochschulmeisterschaften an. Hier sind die Herren sehr erfolgreich. 2014 und 2015 konnten sie gewinnen und sind damit amtierender Hochschulmeister. Ganz so erfolgreich sind die Damen zwar nicht, können aber immerhin einen dritten Platz bei den letztjährigen Titelkämpfen vorweisen.

Neben all den offiziellen Spielen veranstalten die Würzburger alljährlich auch ihr eigenes Turnier. Dafür wurde mit "Beate Uhse" ein pikanter Sponsor gefunden. Denn auch im Lacrosse geht nunmal nichts ohne "potente" Geldgeber, die die Mannschaften unterstützen.

"Und irgendjemand hat da halt 'mal angefragt", so Damentrainerin Michaela Groma, die gerüchteweise auch davon gehört hat, dass der Hauptsponsor Plakate in der Umkleide der Männer hängen hat ...


Die Sportart: "Bei den Damen kommt es mehr auf die Technik an"

Insgesamt stehen beim Lacrosse zehn Spieler pro Team auf dem Feld. Neben dem Torwart sind dies je drei Verteidiger, Mittelfeldspieler und Angreifer. "Das Besondere an unserer Sportart ist, dass wir immer eine Sechs-gegen-Sechs-Situation vor dem Tor haben, da jeweils drei Feldspieler in der eigenen Hälfte bzw. im Angriff bleiben müssen", erklärt Mike Hofmiller von den Würzburger Lacrossern.

Gespielt werden viermal 20 Minuten, wobei die Zeit bis auf die letzten drei Minuten des Schlussviertels immer durchläuft. Das Spielfeld ist 45 Meter breit und 102 Meter lang. Ähnlich wie beim Eishockey geht auch beim Lacrosse das Spiel hinter dem Tor weiter. Dies führt sogar dazu, dass einzelne Spielzüge extra darauf bauen, dass ein Angreifer hinter dem Tor die Bälle verteilt und es so den gegnerischen Torwart unübersichtlicher macht.
Das Spielgerät - der sogenannte Stick - besteht aus zwei Teilen: dem Shaft, einer Aluminiumstange zum Halten und dem Head, an dem ein Netz zum Fangen und Führen des Balles angebracht ist. Dieses Netz wird auch Pocket (engl. für Tasche) genannt.

Lacrosse ist eine sehr körperliche Sportart, Fouls werden mit Zeitstrafen geahndet. Es gibt viele Bodychecks, der Stick wird nicht nur zum Führen und Werfen, sondern auch zum Angreifen des Gegners gebraucht. Doch das gilt nur für die Männer. "Wir spielen ohne Körperkontakt", erklärt Michaela Groma, die das Würzburger Damen-Team trainiert. "Bei uns kommt es mehr auf die Technik an." Aus diesem Grund sind die Frauen auch nicht so sehr geschützt wie die Männer. Brustpanzer, Helm und Armschoner entfallen. "Einzig ein Mundschutz ist Pflicht bei uns, Augenschutz ist erlaubt", so Groma.

Neben der körperlosen Spielweise gibt es noch mehr Unterschiede. "Wir spielen Zwölf gegen Zwölf und haben andere Sticks, die keine stiefe Pocket haben, weil wir uns ja nicht angreifen dürfen", erklärt die Trainerin. So kann man fast von zwei unterschiedlichen Sportarten sprechen.

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