Kürnach
Hintergrund

Kein seltenes Phänomen: So entstehen Tornados

Tornados sind in Deutschland nicht selten. Die Vorhersage ist aber gerade bei schwächeren, wie der in Kürnach im Kreis Würzburg, sehr schwierig.
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Die am frühen Abend des 05.05.2015 entstandene Aufnahme zeigt eine Windhose über einem Waldstück ca 15 Kilometer von Bützow. (Mecklenburg-Vorpommern) entfernt. Foto: Hein-Godehart Petschulat/dpa
Die am frühen Abend des 05.05.2015 entstandene Aufnahme zeigt eine Windhose über einem Waldstück ca 15 Kilometer von Bützow. (Mecklenburg-Vorpommern) entfernt. Foto: Hein-Godehart Petschulat/dpa
Nachdem ein Tornado in Kürnach im Kreis Würzburg aufgetreten war, haben nun die Aufräumarbeiten vor Ort begonnen. 50 bis 60 Häuser hat der Tornado am Donnerstag beschädigt. Zwar gab der Deutsche Wetterdienst (DWD) zuvor eine Warnung vor Unwettern heraus, doch ein solches Wetterphänomen wurde dabei nicht erwähnt. Die Vorhersage für so eine Katastrophe ist nämlich meist sehr schwierig, sagt der DWD. Gerade schwächere Stürme bleiben oft unentdeckt, da sie nur kurz und in einem kleinen Umkreis entstehen.



Wie entsteht ein Tornado?

Der DWD beschreibt Tornados als "Luftsäule mit Bodenkontakt, die um eine mehr oder weniger senkrecht orientierte Achse rotiert". Die Art und Weise, wie Tornados entstehen sind noch nicht zu genüge erforscht. Eine Voraussetzung sind aber sogenannte Superzellen. Das sind Gewitterwolken, die um eine vertikale Achse rotieren. Diese können einen Durchmesser von 20 bis 30 Kilometern haben. Dazu kommen extreme Temperaturunterschiede und starke Winde, die mit der Höhe ihre Richtung ändern. Die Kaltluft stürzt von oben herab, eine Warmluft-Säule schraubt sich immer schneller hinauf.
Dieser Luftschlauch kann den Angaben zufolge einen Durchmesser von mehr als einem Kilometer und Windgeschwindigkeiten von mehreren Hundert Kilometern pro Stunde erreichen. Wo er auf den Boden trifft, reißt er alles in die Höhe. Häuser stürzen ein, Autos wirbeln durch die Luft. Zieht der Tornado über Land ist auch von Windhose die Rede, zieht er über große Gewässer von Wasserhose. Im englischen Sprachraum ist der Begriff Twister gebräuchlich.



Doch entstehen nur aus etwa zehn Prozent dieser Superzellen auch Tornados. Gerade in Deutschland können schwächere Tornados auch ohne diese Gewitterwolken auftreten. Wenn sich Geschwindigkeit und Richtung des Windes abrupt ändern, reichen auch normale Schauerwolken aus.

Wie stark ein Tornado ist, wird mit der Fujita-Skala (F-Scale) gemessen. Die Klasse F5 ist die bislang stärkste, die bisher gesehen wurde. Dabei traten Windgeschwindigkeiten von mehr als 500 Kilometern pro Stunde auf. Solche Extremfälle sind aber nur sehr selten.



Wie schützt man sich vor einem Tornado?

Die sichersten Orte bei diesem Wetterphänomen sind Keller und massive Steinhäuser. Dort besteht kaum Gefahr, von herumfliegenden Trümmern getroffen zu werden. Allerdings sollten Fenster und Türen gemieden werden. Ebenso wie Autos, denn der Sturm reißt einen Wagen einfach mit, warnt der DWD.



Draußen kann man dem Tornado zunächst ausweichen, da er meist nicht breiter als 100 Meter wird. Kommt der Sturm zu überraschend, empfiehlt der DWD, sich auf den Boden zu legen. Dann zieht der Tornado hoffentlich einfach über einem hinweg.


Wie häufig treten Tornados auf?

Im Mittleren Westen der USA sind Tornados häufig. Da die ihrem Entstehen nötigen Luftmassenunterschiede in Mitteleuropa seltener sind, gibt es hierzulande auch weniger Tornados. Aber auch in Deutschland werden pro Jahr 20 bis 60 Tornados nachgewiesen. Stärkere Tornados mit großer Zerstörungskraft sind in Deutschland allerdings selten.

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