Aschaffenburg

Mordprozess um schwangere Rebecca - "Blackout" wegen Machtspielchen?

Die hochschwangere Rebecca musste sterben, weil ihr Geliebter seine Ehe retten wollte. Am ersten Prozesstag legt der Angeklagte ein Geständnis ab.
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Der wegen Mordes Angeklagte sitzt am 06.04.2016 im Landgericht in Aschaffenburg zu Prozessbeginn neben seinem Anwalt Christoph Jahrsdörfer. Foto: Daniel Karmann/dpa
Der wegen Mordes Angeklagte sitzt am 06.04.2016 im Landgericht in Aschaffenburg zu Prozessbeginn neben seinem Anwalt Christoph Jahrsdörfer. Foto: Daniel Karmann/dpa
Erst soll er seine Geliebte umgebracht, danach seiner Ehefrau in einem Blumenladen einen Geburtstagsstrauß gekauft haben. 22 Euro ließ sich der 32-Jährige das Geschenk kosten - der Kassenzettel ist eines von vielen Beweismitteln im sogenannten "Fall Rebecca". Seit Mittwoch muss sich der Mann vor dem Landgericht Aschaffenburg verantworten, weil er seine 24 Jahre alte Geliebte erdrosselt haben soll.

Fast ein Jahr ist es her, dass die hochschwangere Rebecca dem grausamen Verbrechen zum Opfer fiel. Ermordet in einem Wald, die Leiche danach versteckt in einer Garage in Aschaffenburg. Zeugenhinweise führten Tage später zu dem 32-Jährigen. Sein Motiv laut Anklage: Die von ihm schwangere Affäre sollte "weggeschafft" werden, um die eigene Ehe nicht zu gefährden. Da auch das Kind im Bauch der Frau starb, ist der Mann wegen Mordes in Tateinheit mit einem Schwangerschaftsabbruch angeklagt.
Zum Prozessauftakt sitzen Rebeccas Eltern dem mutmaßlichen Täter gegenüber: Einem Lkw-Fahrer, inzwischen geschiedenen Ehemann und Vater eines kleinen Sohnes. Verstohlen erwidert der Angeklagte im Gerichtssaal die traurigen Blicke der Mutter. Ansonsten hört der schlanke Mann mit den kurzen schwarzen Haaren in Jeans und dünnem grauem Sweatshirt aufmerksam zu. Zumindest äußerlich wirkt er ruhig - trotz der Taten, die ihm vorgeworfen werden.

"Der Angeklagte weiß, dass er schwere Schuld auf sich gelegt hat. An dieser Schuld hat er schwer zu tragen", heißt es in einer Erklärung samt Geständnis, die sein Anwalt verliest. Der 32-Jährige habe deswegen mehrere Selbstmordversuche hinter sich.

"Mein Mandant fühlte sich keineswegs wohl wegen seiner Untreue", kommentiert der Verteidiger. Der Mann habe sich wegen des "fordernden Verhaltens" der jungen Rebecca ihr aber nicht entziehen können: "Er fühlte sich ihr persönlich ausgeliefert und auch unterlegen."

Als seine Geliebte ihm dann ihre Schwangerschaft eröffnet habe, sei er vollkommen schockiert gewesen. "Er kam mit dieser Situation überhaupt nicht zurecht, weil er wusste, dass er seine außereheliche Beziehung dann nicht mehr (...) versteckt halten werden könne", betont der Verteidiger. Rebecca habe ihn mehrfach unter Druck gesetzt, das Verhältnis endlich zu beichten.

In einem Waldstück habe er mit ihr in Ruhe reden wollen. Während des Gesprächs sei es aber zu mehreren "Stimmungsumschlägen" gekommen. Zunächst sei Rebecca "überraschend nett" gewesen. Dann habe sie ihn aber wieder unter Druck gesetzt. "Er hatte immer das Gefühl, dass sie ihm die Überlegenheit und Macht deutlich zeigte", erklärt der Verteidiger. Dazu seien abfällige Bemerkungen Rebeccas über seine damalige Ehefrau gekommen.

Die erneuten "Machtdemonstrationen" hätten bei ihm einen "völligen Blackout" ausgelöst, behauptet die Verteidigung. Gegen diese These spricht allerdings, dass der Mann eine Tasche mit Kabelbindern und anderem Tatwerkzeug beim gemeinsamen Spaziergang im Wald schon bei sich trug. Mit den Händen, dem Arm und einem Kabelbinder drückte er Rebecca laut Anklage dann heftig den Hals zu - bis diese nur noch Gurgelgeräusche von sich gab. Anschließend fuhr er die Leiche im Auto seines Freundes in eine Garage.

Der 26 Jahre alte Kumpel, der ihm den Ermittlungen zufolge ein Alibi geben und die Leiche entsorgen sollte, ist wegen Beihilfe angeklagt. Er bestreitet, von dem Mordplan im Vorhinein gewusst zu haben. Das Opfer habe er nicht gekannt. "Mit der Tat wäre ich nie einverstanden gewesen", sagt er. Handy-Nachrichten mit Codewörtern zwischen ihm und dem Hauptangeklagten widersprechen dem allerdings. Laut Ermittlungen war der Freund in die Pläne zumindest grob eingeweiht. Ein Urteil könnte am 24. Juni fallen.

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