Würzburg
Fußball

Ein Plädoyer für die "fränkischste" 2. Bundesliga aller Zeiten

Fürth, Nürnberg und jetzt auch Würzburg. Drei fränkische Vereine treten kommende Saison in der 2. Bundesliga an.
Artikel drucken Artikel einbetten
Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Um gleich einmal sämtliche Fußballenthusiasten zu beruhigen, die sich angesichts der Überschrift schon die Ärmel zurück gekrempelt haben und mit einem einschlägigen Fußball-Fach-Lexikon zwischen den Zähnen wutentbrannt diesen unwissenden Autor in Grund und Boden tippen wollen: Ja, es ist nicht die fränkischste Zweite Liga aller Zeiten.


Sechs fränkische Vereine

Damals, in der Saison 1977/1978, als sowieso noch alles besser und der Fußball noch frei von Kommerz, Erfolgsfans, Leichtbier und sonstigen sonderbaren Auswüchsen war, waren sogar gleich sechs fränkische Vereine vertreten: die Würzburger Kickers, der Würzburger FV, die Spielvereinigung Fürth, der FC Nürnberg, die Spielvereinigung Bayreuth und der FC Bayern Hof duellierten sich in der 2. Bundesliga Süd.

Doch seit der Wiedervereinigung, seit die zweite Bundesliga in ihrer uns heute bekannten Form existiert, spielten noch nie drei fränkische Vereine im Unterhaus. In der Spielzeit 2016/2017 wird das anders sein, nachdem die Würzburger Kickers ihren verrückten Durchmarsch in die zweite Liga beim Rückspiel in Duisburg perfekt machten.


Drei unterschiedliche fränkische Vereine

Das bedeutet insgesamt sechs fränkische Derbys zwischen drei Vereinen, die doch ziemlich unterschiedlich sind. Der große 1. FC Nürnberg, bis zur Spielzeit 1985/1986 alleiniger deutscher Rekordmeister, gehört als Traditionsverein aus der zweitgrößten Stadt Bayerns schon vom Selbstverständnis her in die Bundesliga. Auch wenn es in der Relegation gegen Frankfurt nicht geklappt hat, sahen sich einige Glubberer in Gedanken schon im Flieger nach Sevilla oder Mailand, zu den Europapokalspielen ihres FCN.

Dann der ewige Underdog aus Fürth, der in der ewigen Tabelle der zweiten Liga den zweiten Platz belegt: 1432 Zähler holte die Spielvereinigung aus insgesamt 956 Spielen. Dazu gesellen sich jetzt die Kickers aus Würzburg, die mit ihrem Durchmarsch aus der Regionalliga nach 38 Jahren wieder im Unterhaus angekommen sind.

In der Bundesliga, in der in den vergangenen 12 Jahren der Meister lediglich zwei Mal nicht aus München oder Dortmund kam, scheint die Spannung zumindest an der Tabellenspitze durch die Dominanz der "Großen" dahin. Immerhin der Abstiegskampf blieb heuer nervenaufreibend bis zum letzten Spieltag. Mit beidem kann dagegen die Zweite Bundesliga aufwarten.


Hier die Spieler, da die Vereine

Lewandowski, Ribery, Reus und Aubameyang - die aufregenderen Spieler kicken freilich in der Bundesliga. Im Vergleich zu diesen Ausnahmespielern wirken sämtliche Zweitligaspieler, als hätten sie nach einer schlimmen Sehnenscheidenentzündung die Schachkarriere hingeschmissen und sich im Crashkurs zum Fußballer ausbilden lassen. Bei den Vereinen braucht sich die zweite Liga aber sicher nicht zu verstecken.

Denn wenn im Oberhaus die Autostadt die Brausekicker aus Leipzig empfängt, stehen mit Sicherheit erstklassige Fußballer auf dem Rasen - Geld sei Dank. Ob die Stimmung im Stadion dann der Leistung auf dem Rasen entspricht, darf angezweifelt werden.

Vor allem wenn die Klingel zur Schichtarbeit läutet. Derlei Probleme dürften die fränkische Vereine nicht erwarten. Nicht, wenn die Auswärtsfahrt zum "Betze" in Kaiserslautern oder an die Alte Försterei in Berlin anstehen. Außerdem wird in der kommenden Saison wieder ein Aufsteiger aus der dritten Liga mitmischen, die in Sachen Stimmung in Europa ganz weit vorne dabei sind:



Also liebe Würzburger, Fürther und Nürnberger: Viel Spaß in der fränkischsten zweiten Liga aller Zeiten!
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren