Würzburg
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2500 Menschen demonstrieren in Würzburg gegen Rechts

Rund 2500 Menschen haben am Samstag in Würzburg gegen eine Demonstration der rechtsextremen Partei "Der III. Weg" protestiert.
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Unter dem Motto "Würzburg lebt Respekt - kein Platz für Rassismus" haben am Samstag (18.02.2017) in Wuerzburg gut 2500 Menschen ein klares Zeichen gegen Rechtsextremismus und Fremdenhass gesetzt. Foto: epd
Unter dem Motto "Würzburg lebt Respekt - kein Platz für Rassismus" haben am Samstag (18.02.2017) in Wuerzburg gut 2500 Menschen ein klares Zeichen gegen Rechtsextremismus und Fremdenhass gesetzt. Foto: epd
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Unter dem Motto "Würzburg lebt Respekt - kein Platz für Rassismus" haben am Samstag in Würzburg gut 2.500 Menschen ein deutliches Zeichen gegen Rechtsextremismus und Fremdenhass gesetzt. Anlass der friedlichen Demonstration, an der auch mehrere Hundert linke Autonome teilnahmen, war ein Aufmarsch der vom Verfassungsschutz beobachteten Neonazi-Kleinstpartei "Der III. Weg" am Nachmittag. Die Gegendemonstranten zogen von der Innenstadt zur evangelischen St. Johanniskirche, deren im Zweiter Weltkrieg zerstörter Glockenturm bis heute als Mahnmal für die Folgen von Faschismus und Krieg gilt.

Bei der dortigen Abschlusskundgebung zerriss der katholische Würzburger Hochschulpfarrer Burkhard Hose, Sprecher des Würzburger Bündnisses für Zivilcourage, demonstrativ eine Postkarte, die er wie viele andere in der Flüchtlingsarbeit engagierte Menschen vor knapp zehn Monaten von der Neonazi-Partei erhalten hat. Darauf wurden die Adressaten aufgefordert, Deutschland zu verlassen. "Wer ein Land mehr liebt als die Menschen, dem fehlt es an Mitmenschlichkeit. Für diesen völkischen Nationalismus ist in unserer Stadt kein Platz", sagte Pfarrer Hose: "Ich bleibe hier, um zusammen mit vielen Anderen für mehr Solidarität einzutreten."

Anlass des Neonazi-Aufmarsches unter dem Motto "Licht für Dresden" waren die Bombardierungen und Zerstörungen deutscher Städte wie Dresden und Würzburg gegen Ende des Zweiten Weltkriegs 1945.

Die rechtsextremistische Partei zeichne damit "Suggestivbilder der Geschichte, um die braune Ideologie in der Gegenwart zu vertreten", sagte Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU) auf dem Marktplatz: "Fremdenfeindlichkeit wird in unserer Stadt nicht geduldet, egal unter welchem Deckmantel sie auftaucht. Wir stehen heute gemeinsam hier, um ein Zeichen für ein tolerantes und weltoffenes Würzburg zu setzen", erläuterte Schuchardt.

"Gerade die Bombardierung und Zerstörung von Würzburg zeigt uns wie wichtig es ist, sich allen ewig Gestrigen und Nazis entgegen zu stellen", betonte auch die aus Würzburg stammende Landtagsabgeordnete Claudia Stamm (Bündnis 90/Grüne).

Begonnen hatten die Aktionen gegen den Neonazi-Aufmarsch am Mittag mit einem Friedensgebet der ökumenischen Nagelkreuz-Initiative in der katholischen Würzburger Marienkapelle. Der ehemalige katholische Prälat Karl Rost, Zeitzeuge der alliierten Bombenangriffe auf Würzburg, appellierte dabei an die Muslime in Deutschland, sich "Jesus und seinen Friedenswillen" zum Beispiel zu nehmen.

In einer gemeinsam ausgearbeiteten und auf dem Würzburger Marktplatz verlesenen "Erklärung der Religionen zum respektvollen Miteinander in Würzburg" wandten sich die evangelische Würzburger Dekanin Edda Weise sowie Vertreter der katholischen Kirche, der Jüdischen Gemeinde, des Islam und der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Würzburg gegen jede Form von Intoleranz, Hass und Gewalt. "Wir als Juden, Christen und Muslime treten für mehr Humanität und gesellschaftliche Solidarität ein, insbesondere auch gegenüber Flüchtlingen und Asylsuchenden, die unseren Schutz und unsere Hilfe brauchen", sagte Weise.

Zahlreiche Gegendemonstranten begleiteten am Nachmittag mit lautstarken Sprechchören und Trillerpfeifen den von starken Polizeikräften abgeschirmten Demonstrationszug von rund 150 Neonazis durch abgesperrte Würzburger Straßen. Mehrfach versuchten Autonome die Absperrungen zu überwinden, was von der Polizei unter anderem durch den Einsatz von Pfefferspray verhindert wurde. Zu größeren Ausschreitungen kam es dabei nach Angaben der Polizei bislang nicht.

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