Weißenburg in Bayern
Familie

Nach Schicksalsschlag: Familie für Mädchen in Mittelfranken dank Medien gefunden

Das Landratsamt Weißenburg.-Gunzenhausen suchte im Oktober letzten Jahres öffentlich nach einer Pflegefamilie für ein Geschwisterpaar. Rund 200 Antworten aus dem gesamten Bundesgebiet gingen binnen kürzester Zeit im Jugendamt ein. Nun wurde für die beiden Mädchen ein neues Zuhause gefunden.
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Die beiden Mädchen aus Weißenburg-Gunzenhausen haben eine Pflegefamilie gefunden. Beim Jugendamt gingen binnen kurzer Zeit rund 200 Bewerbungen ein.. Symbolfoto: Frank Leonhardt /dpa
Die beiden Mädchen aus Weißenburg-Gunzenhausen haben eine Pflegefamilie gefunden. Beim Jugendamt gingen binnen kurzer Zeit rund 200 Bewerbungen ein.. Symbolfoto: Frank Leonhardt /dpa

Pflegefamilie für Geschwisterpaar gefunden: In den meisten Fällen sind es schwere Schicksalsschläge, die Familien treffen und dazu führen, dass Kinder in Pflegefamilien leben. So ging es auch einem Geschwisterpaar aus dem Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen. Der Vater ist verstorben, die Mutter kann sich aufgrund einer Behinderung nicht selbst um ihre sechs und zehn Jahre alten Töchter kümmern.

Damit die beiden Mädchen zusammen bleiben können und einen Familienalltag und Geborgenheit erfahren, hat das Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen nach einer geeigneten Pflegefamilie gesucht. Doch der Pool an Pflegeeltern ist sehr klein. Dies hat Sachgebietsleiter Stefan Lahner vom Kreisjugendamt dazu veranlasst, einen eher ungewohnten Weg zu gehen: Mit Unterstützung der Medien startete das Landratsamt einen öffentlichen Aufruf zur Suche einer Pflegefamilie für das Geschwisterpaar.

Hunderte Familien meldeten sich

Rund 200 Antworten aus dem gesamten Bundesgebiet gingen binnen kürzester Zeit im Jugendamt ein. 40 davon aus der näheren Umgebung, acht aus Weißenburg-Gunzenhausen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jugendamtes prüften sorgfältig alle Bewerbungen und führten zahlreiche Gespräche, bis eine geeignete Familie gefunden wurde.

Kurz vor Weihnachten war es dann so weit: Es fand ein erstes Treffen zwischen den potentiellen Pflegeeltern und dem Geschwisterpaar statt. Es folgten weitere Zusammenkünfte, probeweise auch für mehrere Tage und Nächte. Die Kennenlerntreffen liefen sehr erfolgreich und die beiden Mädchen sind nun Anfang Februar 2019 zu ihrer Pflegefamilie gezogen. Sie sind jetzt glücklich in ihrem neuen Zuhause angekommen.

Die Mutter wurde während des gesamten Prozesses mit eingebunden. Sie ist mit der Unterbringung ihrer beiden Töchter einverstanden und wird diese auch in Zukunft regelmäßig sehen.

Öffentlicher Aufruf war der Auslöser

Die Pflegefamilie selbst hat viel Erfahrung mit der Erziehung eigener Kinder und hatte sich ohnehin schon überlegt, ein Pflegekind aufzunehmen. Der öffentliche Aufruf über die Medien war der Auslöser, sich aktiv zu bewerben und das notwendige Eignungsverfahren zu durchlaufen.

Alle Beteiligten im Jugendamt und Landrat Gerhard Wägemann sind sehr glücklich über die gefundene Lösung für die beiden Mädchen. Auch wenn es in den sozialen Medien nicht nur positives Feedback für das Handeln des Landratsamtes gab, ziehen die Verantwortlichen ein positives Fazit: "Wir konnten zahlreiche Gespräche mit hilfsbereiten, netten Menschen führen und dazu beitragen, dass sich Familien, die nicht in unserem Landkreis wohnen, bei ihren Jugendämtern als Pflegefamilien bewerben", bilanzierte Jugendamtsleiter Stefan Lahner.

Kritik in den sozialen Medien

In den sozialen Netzwerken gab es einige kritische Kommentare, die Kinder würden von ihrer Mutter weggerissen. Jugendamtsleiter Stefan Lahner stellte klar, dass die Mutter aufgrund ihrer Behinderung ihre Töchter nicht mehr selbst erziehen kann. Die Familie erhielt bereits in der Vergangenheit, als der Vater noch lebte, Unterstützung durch Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe. Nach dem Tod des Vaters reichte diese Unterstützung aber nicht mehr aus und die Mädchen lebten mit Einverständnis der Mutter für ein halbes Jahr in einer Bereitschaftspflegefamilie.

Jedes Jugendamt in Deutschland sucht händeringend nach Pflegeplätzen für Kinder, die aus verschiedensten Gründen nicht bei ihren Eltern leben können. Durch den Aufruf konnten in Altmühlfranken insgesamt drei Familien gewonnen werden, die sich auf ein Pflegeverhältnis einlassen. In einer davon finden die beiden Mädchen ihr neues Zuhause.

Derzeit gibt es im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen 65 belegte Pflegefamilien. "Dies sind aber immer noch zu wenige", sagt Jugendamtsleiter Stefan Lahner. "Wir würden uns sehr freuen, wenn sich weitere Familien finden, die Kindern einen Platz im bereits bestehenden Familienverband geben", so die Leiterin des Sozialpädagogischen Fachdienstes Britta Liegel weiter. Familien, die sich vorstellen können, Pflegefamilie zu werden, können sich gerne an den Pflegekinderfachdienst am Landratsamt wenden (Telefon: 09141 902-431 oder 09141 902-460, E-Mail: jugendamt.lra@landkreis-wug.de).

 



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