Gunzenhausen am Altmühlsee
Ekel-Raupen

Schwammspinner belagern Häuser und Gärten in Franken - das können Sie gegen die Raupen tun

Ganz Gunzenhausen ist von haarigen Ekel-Raupen belagert. Die Anwohner sind wegen der Schwammspinner am Ende ihrer Nerven. Was kann man gegen die haarigen Tierchen tun?
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Sie sind schwarz, haarig, fünf bis sieben Zentimeter lang - und können eine echte Plage sein: die Schwammspinner haben Franken erreicht. Die Raupen haben innerhalb kürzester Zeit ein 117 Hektar großes Waldstück im mittelfränkischen Gunzenhausen kahl gefressen.

Schwammspinner, Mücken & Co.: Insektenplagen in Bayern werden zunehmen

Schon an einigen Orten in Bayern sind die Schwammspinner, aber auch Mücken, Buchsbaumzünsler und andere Insekten in diesem Frühsommer zu einer Plage geworden. "Wir werden zunehmend mit hohen Populationsdichten von Insekten rechnen müssen", sagte Waldschutzexperte Ralf Petercord von der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft am Mittwoch.

Zwar habe es Massenvermehrungen immer schon ab und zu gegeben, "aber noch nie so oft und so lange anhaltend wie aktuell". Vor allem im Wald lebende Insekten profitierten von wärmeren Temperaturen.

Insekten, die aus anderen Gebieten zuwanderten, überlebten durch den Klimawandel nun den Winter und könnten sich etablieren und mögliche Krankheitserreger einschleppen, sagte Petercord. "Es wird neue Gleichgewichte und Anpassungsprozesse geben. Diese Umbruchphase erleben wir jetzt."

Tipp: Raupen im Garten mit der Hand aufsammeln

Der Nachtfalter Schwammspinner erobert immer mehr Gärten. Um Fraßschäden einzudämmen, sollten betroffene Hobbygärtner die Raupen und später deren Puppen gründlich ab- und aufsammeln, rät das Thüringische Landesamt für Landwirtschaft und Ländlichen Raum. Dann gilt es, die Tiere schnell durch ein Bad in Spülwasser zu töten und im Hausmüll zu entsorgen, damit sie sich nicht erneut ausbreiten. Alternativ können Schädlingsgeplagte die Schwammspinner in einem schwarzen Sack luftdicht verpacken und sofort in der Mülltonne entsorgen.

Um eine Hautreizung zu verhindern, sind im Umgang mit den Schädlingen Handschuhe und langärmlige Kleidung ratsam. Außerdem sollte der Kontakt mit den Schleimhäuten verhindert werden.

In Teilen Thüringens, in Franken und um Leipzig fressen sich derzeit Millionen der schwarzbraunen Raupen des wärmeliebenden Falters vorwiegend durch Laubbäume. Daneben befällt der Schädling auch Strauchpflanzen wie Rosen oder Lorbeer.

Zum Schutz einzelner Pflanzen ist laut dem Institut zur Zeit auch der Einsatz eines Insektizids erlaubt. Hierfür bieten sich Mittel mit dem Wirkstoff Deltamethrin an. Das Pestizid ist als bienengefährlich eingestuft, daher darf es nicht an blühenden oder von Bienen beflogenen Pflanzen eingesetzt werden. Von der Behandlung großer Bäume wird abgeraten - das Mittel kann mit haushaltsüblichen Geräten nicht zielsicher genug ausgebracht werden.

Ab August ist mit der Eiablage der im Juli geschlüpften Falter zu Rechnen. Gartenbesitzer sollten dann nach den Eigelegen im unteren Stammbereich von Bäumen, aber auch an geschützten Stellen an der Hauswand, hinter Nistkästen und Fensterläden Ausschau halten. Diese sollten sie entweder entfernen oder zerdrücken.

Schwammspinner-Plage in Gunzenhausen

In Gunzenhausen ist der Burgstallwald besonders betroffen. "Die Bäume sehen aus wie im Winter" sagt Ingeborg Hermann, Pressesprecherin der Stadt über den Zustand der Bäume zu inFranken.de.

Die Schwammspinner haben sich explosionsartig vermehrt. Die teils tropischen Temperaturen in Franken haben daran ihren Anteil. Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstschutz rechnet mit "sicherlich über einer Milliarde Raupen" im Burgstallwald.

Ekel-Raupen in Gunzenhausen: Schwammspinner sogar im Freibad

Nachdem die Raupen über den Burgstallwald hergefallen sind, bewegen sie sich nun in Richtung des angrenzenden Wohngebietes. Anwohner, deren Häuser am Waldrand stehen, sind bereits massiv betroffen. Einige Hausfassaden sind übersäht mit den schwarzen Raupen. "Das sind so viele, ich will gar niemanden mehr hierher einladen auf unser Grundstück", sagt Inge Postler, eine Anwohnerin, zu News5.

Nicht nur Wohnhäuser und Gärten sind betroffen von der Plage, sondern auch das Gunzenhausener Freibad. Dort sind jeden Tag zwei Experten vor Ort, die die Schwammspinner von Bäumen absaugen, bestätigt die Stadt. Zwei Firmen seien beauftragt worden, in den Gärten in denen "Gefahr im Verzug" ist, ebenfalls abzusaugen. In privaten Gärten sind die Freiwillige Feuerwehr und normale Bürger im Einsatz.

Am Waldrand wurde 70 Zentimeter hohe, schwarze Folienzäune aufgestellt, die die Raupen aufhalten sollen. Auf der waldnahen Seite der Folienzäune befindet sich ein Kleber, an dem die Tiere haften bleiben. Von dort aus könne man diese einfach in Eimern sammeln, so die Stadt.

Widerstand gegen Pestizide - Bürgermeister mit Brief an Söder

Anfang März entschied sich der Stadtrat Gunzenhausen gegen eine Bekämpfung der Raupen mit Pestiziden. Der Staatsforstbetrieb, der zu 70 Prozent für den Wald verantwortlich ist, lehnte eine solche Maßnahme ab. Zudem habe es Widerstand aus der Bevölkerung gegeben: Zahlreiche Bürger hätten gegenüber der Stadt ihre Bedenken bei einer Pestizid-Behandlung geäußert. Dabei fiel vermehrt das Argument, dass die restliche Umwelt stark durch die Pestizide belastet werde.

Gunzenhausens Bürgermeister Karl-Heinz Fitz ist seit Tagen mit der Problematik beschäftigt. Laut Informationen der Stadt, war der CSU-Politiker am Montag mit Vertretern des Stadtrates zu einer erneuten Begehung des Gebietes vor Ort. Fitz will zudem Kontakt zum bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder aufnehmen, um die Finanzierung der Raupen-Bekämpfung zu besprechen. Dabei erhofft sich die Stadt Gunzenhausen finanzielle Unterstützung durch den Freistaat.

Schwammspinner: Wie gefährlich sind die Ekel-Raupen?

Schwammspinner können ganze Waldstücke kahl fressen. Dabei besteht die Gefahr, dass Bäume sterben. Die Bäume benötigen ihre Blätter, um auf die Photosynthese zurückgreifen zu können. Ralf Petercord, Leiter der Abteilung "Waldschutz" am LWF sagt zur aktuellen Entwicklung: "Bereits im vergangenen Jahr verursachte der Schwammspinner im Burgstallwald einen gravierenden Kahlfrass, der Kahlfrass in diesem Jahr wird nun die Regenerationsfähigkeit der Eichen übersteigen, so dass es zu Absterbeprozessen kommen wird. Diese sind abhängig vom weiteren Witterungsverlauf und dem Auftreten von Folgeschädlingen - können aber gravierend sein." Es gehe dabei um "akutes, chronisches Eichensterben", so Petercord gegenüber inFranken.de.

Für Menschen sind die Schwammspinner weitestgehend ungefährlich. Jedoch sollten zum Beispiel Asthmatiker vorsichtig sein, da der Hautkontakt mit den Raupen extreme gesundheitliche Folgen, wie Atemnot, haben kann. Grundsätzlich kann jeder Kontakt mit dem Schwammspinnern zu Juckreizen führen.

Schwammspinner in Franken: Diese Gebiete sind gefährdet

Prognosen des Bayerischen Landesamtes für Wald und Forstwirtschaft aus dem Herbst 2018 zeigen für folgende Gebiete eine erhöhten Gefahr von Schwammspinnern befallen zu werden:

  • Oberfranken: Kreis Bamberg
  • Mittelfranken: Kreis Ansbach, Kreis Erlangen-Höchstadt, Kreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim, Kreis Weißenburg-Gunzenhausen
  • Unterfranken: Kreis Bad Kissingen, Kreis Haßberge, Kreis Kitzingen, Kreis Rhön-Grabfeld, Kreis Main-Spessart, Kreis Würzburg

 

Eichenprozessionsspinner bei Rock im Park

Zuletzt haben Eichenprozessionsspinner das Festivalgelände von "Rock im Park" in Nürnberg besetzt. Während des Festivals gab es bei 200 Festival-Besuchern allergische Reaktionen. Eine Krankenschwester aus München litt noch Tage nach RiP an den gesundheitlichen Folgen. Sie sagt: "Rock im Park war der Horror" - die 25-Jährige hat Atemnot und Hautausschläge.mit dpa

 

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