Bamberg
Notrufsystem

Wenn man die PIN rückwärts eingibt, ruft der Geldautomat die Polizei: Stimmt das?

Rufen Geldautomaten die Polizei, wenn man seine PIN rückwärts eingibt? Ein auf Facebook häufig geteilter Statusbeitrag behauptet genau das. Was ist dran?
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Ruft der Geldautomat wirklich die Polizei, wenn man seine PIN rückwärts eingibt - oder handelt es sich um eine Falschmeldung? Wir klären diese Frage. Foto: pixabay.com/mrganso
Ruft der Geldautomat wirklich die Polizei, wenn man seine PIN rückwärts eingibt - oder handelt es sich um eine Falschmeldung? Wir klären diese Frage. Foto: pixabay.com/mrganso
Wir gehen einer Meldung auf den Grund, die derzeit wieder einmal auf Facebook die Runde macht: Wenn man überfallen und gezwungen wird, an einem Geldautomaten Geld abzuheben, soll man seine PIN einfach rückwärts eingeben - denn daran erkennt der Geldautomat die Notsituation und ruft die Polizei. Soweit die Behauptung - aber kann das wirklich stimmen?

Das Facebook-Posting lautet wie folgt: "Wenn ein Dieb dich dazu zwingt, Geld aus einem Geldautomaten zu nehmen, widersetze dich dem nicht. Stattdessen gibst du deine PIN in umgekehrter Reihenfolge in den Automaten ein. Beispiel: Wenn deine Pin 1234 ist, gibst du 4321 ein. Wenn du das tust, kommt das Geld zwar heraus, wird aber im Geldschlitz festgehalten. Der Automat alarmiert sofort die Polizei, ohne dass der Verbrecher es mitbekommt und wird Fotos von dem Verdächtigen anfertigen. Jeder Geldautomat hat diese Funktion. Bleib sicher."


PIN rückwärts: Patentiertes Notrufsystem

Obwohl die beschriebene Funktion tatsächlich sinnvoll erscheint, handelt es sich bei der Meldung um einen Fake: Die PIN-Rückwärts-Eingabe funktioniert nicht. Zwar ließ sich der Geschäftsmann Joseph Zingher die "Automatic distress notification" bereits 2002 patentieren, doch die Idee wurde nie in die Realität umgesetzt. Unter anderem befürchteten Experten Probleme und Fehlalarme, weil beispielsweise Palindrom-PINS nicht erfasst werden können - also PINS, die vorwärts und rückwärts gelesen genau gleich lauten, wie 2552 oder 7117. Zudem hätten die Banken kein Interesse an dem Notfallsystem gezeigt.

Die ursprüngliche Meldung zur PIN-Rückwärts-Eingabe stammt laut der Webseite Mimikama bereits aus dem Jahr 2006. Die derzeit häufig geteilte Statusmeldung ist genauso falsch, wie die damalige Original-Meldung.