Als fleißige Leserin oder fleißiger Leser meiner Kolumne werden Sie sich sicher an meine Enttäuschung über das TV-Duell der Kanzlerkandidaten Angela Merkel und Martin Schulz erinnern, das so gar nichts zum Thema Digitalisierung brachte. Dabei, so ist immer wieder zu lesen, tut sich doch was. Wir bekommen schnelles Internet auch in den kleinsten Dörfern, der Mobilfunk entwickelt sich weiter, die Übertragungsstandards UMTS und LTE werden bald kalter Kaffee sein.


Aus für den Drehstromzähler

Und hier wird sich auch in unseren Häusern etwas tun: Aus bisher analoger Technik soll digitale werden. Nicht nur in der Küche oder beim Kühlschrank, sondern auch in der Stromzentrale unserer Häuser und Wohnungen, beim Stromzähler. Denn die bisherigen Drehstromzähler sollen in den kommenden Jahren nach und nach abgelöst werden. Eher zufällig stieß ich kürzlich in einem Internetblog, das sich mit wissenschaftlichen Themen beschäftigt, auf einen Artikel, der mich wieder einmal fassungslos machte. Denn es gibt bei den digitalen Stromzählern eine wesentliche Unterscheidung - und zwar in den intelligenten Stromzähler (Smart Meter), der per Internetverbindung mit dem Stromanbieter in Kontakt steht und in Echtzeit die Verbrauchsdaten sendet, was ein Ablesen unnötig macht; und dann die so genannte moderne Messeinrichtung, die im Endeffekt ein Gerät wie bisher ist, nur ohne Drehrädchen. Sie muss noch immer klassisch abgelesen werden.
Moment, ganz korrekt ist das so nicht. Neben dem digitalen Display hat sie schon einige weitere Funktionen. Um die nutzen zu können, erhält der Hausbewohner eine PIN, wie bei der EC-Karte, zugesandt. Da die modernen Zähler aber über keine Tastatur verfügen, um die PIN einzugeben, erfolgt die Eingabe (halten Sie sich fest) über einen Lichtsensor. Dafür lässt sich prinzipiell jede Taschenlampe verwenden. Bei einem der Mustergeräte, das sich das Wissenschaftsblog angeschaut hat, musste zunächst durch zweimaliges Anleuchten des Sensors die Eingabe gestartet werden, dann erfolgte die Eingabe durch erneutes Anleuchten und "Übergabe" der Zahl. Für eine 9 ist es also nötig, neunmal zu leuchten, dann heißt es drei Sekunden warten und die nächste Zahl "einleuchten". Nach erfolgreicher PIN-Eingabe kann durch fünfmaliges Anleuchten der Verbrauch der letzten 30 Tage abgerufen werden, langes Anleuchten setzt diesen Zähler zurück.
Aha. Sieht so etwa Digitalisierung aus? Für diejenigen Haushalte, die unter 6000 Kilowattstunden Strom pro Jahr verbrauchen, werden in den kommenden Jahren wohl solche Zähler zum Alltag gehören. Verbraucher jenseits der 6000 kWh erhalten die intelligenten Systeme, die wirklich Sinn machen und auch jederzeit die Kontrolle über den eigenen Stromverbrauch ermöglichen.


Höhere Gebühren für Zähler

Mehrkosten in Form von höheren Gebühren für die Zähler entstehen zudem. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, das zusammen mit der EU hinter der Pflicht für digitale Stromzähler steht, freut sich schon auf deren neue Möglichkeiten: Die "Messsysteme können nicht nur den Stromverbrauch messen, steuern und kommunizieren, sondern auch den Verbrauch von Gas, Wasser und Heizwärme. Das macht sie zum Allround-Talent, um Energiekosten zu senken und Effizienz und Komfort zu steigern", heißt es in einem Infoblatt.


PIN-Eingabe mit Taschenlampe

Nur wenn der Mieter oder Eigentümer minutenlang mit der Taschenlampe vor seinem Stromzähler steht und schon bei der PIN-Eingabe verzweifelt, dürfte das nicht den Sinn erfüllen, der angedacht war. Gewonnen haben dann (wieder einmal) nicht die Endverbraucher, sondern die Energielieferanten, die ihren kleineren Kunden nur eine rudimentäre und wahrscheinlich auch für sie lukrative Lösung bieten - und die Gerätehersteller.
Wer mehr dazu wissen will, dem lege ich einen Beitrag des Fernsehmaagazins "extra 3" ans Herz, es ist zu finden im Internet unter www.bit.ly/2hrGUFo