Es ist ein Kuriosum, das man für einen Schildbürgerstreich halten könnte: Eine Brücke, die eigentlich gar nicht da sein dürfte, soll abgebrochen werden, und ihren Neubau, den viele wünschen, will oder kann niemand finanzieren.

Gemeint ist der Fußgängersteg über den Main bei Ottendorf, der Einzigartiges leistet: Die Fußgänger- und Radfahrerverbindung ist die einzige ihrer Art im gesamten Verlauf des Maines, die eine Landkreisgrenze überschreitet: Von Ottendorf, Gemeinde Gädheim im Landkreis Haßberge, kommt man auf kürzestem Weg nach Untereuerheim, Gemeinde Grettstadt, Landkreis Schweinfurt.

Jeder andere ist ein Umweg, denn die Brücken bei Horhausen und bei Weyer wurden ausschließlich für Autos konstruiert, haben keine Rad- und Fußwege. Für den kleinen Grenzverkehr müsste der Radler oder Wanderer also ohne den Steg bis nach Schweinfurt oder Haßfurt ausweichen, ein Umweg von jeweils 25 Kilometern.

Nicht stoßfest


Trotzdem muss der Steg weg. Denn er steht dem Mainausbau im Wege, den das Wasserstraßen-Neubauamt in Aschaffenburg in diesem Abschnitt ab 2013 plant. Weil der Fluss verbreitert wird und der 40 Jahre alte Steg auch nicht gegen Schiffsstöße gesichert werden kann, ist der Abbruch beschlossene Sache, heißt es bei der Behörde. Dagegen laufen die Ottendorfer und Untereuerheimer grenzüberschreitend Sturm; in der Gemeinde im Kreis Schweinfurt hat sich sogar eine Bürgerinitiative "pro Steg"gebildet. Die Eigenheimervereinigung mit ihren 150 Mitgliedern und dem Vorsitzenden Heinrich Huppmann ist bei jeder Gemeinderatssitzung präsent, um Bürgermeister Ewald Vögler (Freie Wähler) den Rücken zu stärken.

Wenn man schon den Abriss nicht verhindern kann, so will man zumindest einen Neubau. Den müsste allerdings die Gemeinde stemmen, "und dafür fehlt uns bei geschätzten Kosten von 2,4 Millionen Euro schlichtweg das Geld", sagt Vögler. "Die Gemeinde ist willig, aber die Finanzkraft schwach."

Jahrhundert-Tradition


Die Suche nach Fördertöpfen war bislang nicht sonderlich erfolgreich. Für einen Steg dieser Art, der Gemeinde- und Landkreisgrenzen überschreitet und noch dazu in die Hoheitsgebiete gleich mehrerer Behörden eingreift, gibt es bayernweit keinen Präzendenzfall.

Hoffnungen setzt Vögler auf den Ausbau des Radwegenetzes in der Region. Der Steg ist weit und breit die einzige Verbindung vom Maintal-Radweg über den Main hinweg zu Strecken rund um Schweinfurt und im Steigerwald-Vorland, die den Touristen schmackhaft gemacht werden.

Darauf schauen aber die Eigenheimer nicht in erster Linie. Huppmann verweist auf die Beziehungen zwischen Untereuerheim und Ottendorf, die über Jahrhunderte gewachsen seien: Erst durch eine Furt, später mit einer Fähre, jetzt über den Steg. "Die darf man nicht einfach abschneiden", sagt er.