Schweinfurt
Fussball Regionalliga

FC 05 besteht den Charaktertest

Der souveräne Schweinfurter 3:2-Sieg in Illertissen gibt Selbstvertrauen nicht nur fürs Pokalfinale.
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Aus dem Vöhlin-Stadion berichtet
Oliver Schikora

FV Illertissen - FC 05 Schweinfurt 2:3 (1:1). Tore: 0:1 Florian Pieper (32.), 1:1 Philipp Strobel (42.), 1:2 Adam Jabiri (65.), 1:3 Nicola Jelisic (67.), 2:3 Sebastian Schaller (85.).
Frisch geduscht, mit einer leckeren Portion Nudeln im Bauch, stand Schweinfurts Trainer Gerd Klaus Freitagabend gegen 21.30 Uhr im Halbdunkel vor dem Illertissener Sportheim. Das eh schon funzelige Flutlicht war ausgeschaltet, doch das zufriedene Lächeln auf Klaus' Gesicht nach dem 3:2-(1:1)-Sieg seiner Mannschaft beim FV Illertissen noch deutlich zu sehen. Denn Klaus wusste wie alle anderen, die die souveräne Vorstellung gesehen hatten: Dieser Sieg könnte später einmal der Schritt zu einer echten Spitzenmannschaft gewesen sein, die diesen Namen auch verdient.
Warum? Nun ja, nach dem 4:1 im Toto-Pokal-Halbfinale gegen Memmingen - das, nur nebenbei, völlig zu Recht im Tabellenkeller steht - hatten einige selbst ernannte Auguren einen Spannungsabfall beim Klaus-Team vermutet. Mit der Meisterschaft hat der FC 05 ja spätestens nach der Lehrstunde gegen 1860 vor eigenem Publikum nichts mehr zu tun, mit dem Abstieg ja ohnehin seit langem nicht. Bleibt also, wenn man sich nicht irgendwie motiviert für den Saisonendspurt, Mittelmaß. Was bringt das schon, Dritter oder gar Zweiter zu werden außer Prestige? Und außerdem interessiert ohnehin nur noch das Pokalfinale in Bayreuth und die erneute Qualifikation für die erste DFB-Pokal-Hauptrunde.
"Man kann von einer Art Charaktertest sprechen", gestand Gerd Klaus dem Sieg in Illertissen, wo es in den vergangenen fünf Spielzeiten der Regionalliga-Geschichte des FC 05 bisher nur einen Punkt zu ergattern und sonst nur Niederlagen zu verzeichnen gab, doch eine größere Bedeutung zu als im Vorfeld zugegeben. Zumal Klaus wusste, dass ihm bei einer Niederlage seine erneute radikale Durchmischung der Mannschaft mit sieben Neuen in der Startelf im Vergleich zum Pokalspiel vorgeworfen worden wäre. Doch sein Team überzeugte - taktisch, spielerisch, in Sachen Einsatz. Ein Bruch war nicht zu sehen und dass Illertissen nach dem überraschenden 1:1 kurz vor der Pause nach dem Wiederanpfiff zehn starke Minute hatte, konterte der Trainer fast bayern-mäßig: Er wechselte einfach zwei seiner Besten ein, Top-Stürmer Adam Jabiri und Top-Sechser Kevin Fery, schon war Ruhe im Karton.

Wechselglück bringt den Sieg

Fery brachte Ordnung ins Defensivspiel, Jabiri war maßgeblich daran beteiligt, dass man per Doppelschlag in der 65. und 67. Minute das Match entschied. "Die Wechsel", befand Klaus lakonisch, "haben uns gut getan." Insgesamt, befand der Coach nach dem dritten Sieg in Folge, "war das ein Auftritt wie ein Spitzenteam", das konzentriert und ruhig auf die eigene spielerische Stärke vertrauend Fußball spielte und im entscheidenden Moment auch die Tore schoss. Eine bis dato in dieser Saison so noch nicht gesehene Version des FC 05, die, das weiß das Trainerteam, gegen Seligenporten am Dienstagabend zu Hause bestätigt werden muss, wenn man das Ziel, als Dritter nach den beiden Münchner Teams die Saison zu beenden (nach dem glücklichen 2:1-Sieg von Ingolstadt II gegen Fürth II am Samstag ist der FC 05 jetzt Vierter mit einem Punkt Rückstand auf die Schanzer) erreichen will.
Mittelfeld-Regisseur Lukas Kling hat wie seine Mitspieler jedenfalls noch hohe Ziele: Pokalsieg und in der Tabelle "so hoch oben wie's geht." Auch für den 28-Jährigen war's bei der Rückkehr an die alte Wirkungsstätte eine Art Charaktertest, aus dem man "lernen und sich weiterentwickeln kann." A propos lernen und weiterentwickeln: Nach der Schlägerei zwischen 20 Anhängern des FC 05 und des TSV 1860 am 7. April Stunden nach dem Heimspiel im Willy-Sachs-Stadion (die Polizei ermittelt wegen des Verdachts auf Landfriedensbruch) hat der FC 05 eine vereinsinterne Kommission eingesetzt, um die Vorfälle aufzuklären und Konsequenzen zu ziehen. "Wir verurteilen jegliche Form von Gewalt im Rahmen unserer Spiele, ob im Stadion oder außerhalb, und gehen mit aller Entschiedenheit hiergegen vor", wird FC-05-Vorsitzender Markus Wolf zitiert.

Schweinfurt: Paulus - Janz, Billick, Kracun, Paul (46. Willsch) - Kling - Weiß, Jelisic, Waigand (58. Fery) - Pieper, Görtler (58. Jabiri).
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