Schweinfurt
Fußball

Ein Fest mit den Löwen auf der Maibacher Höhe

Gegen den TSV 1860 München ist für Schweinfurts Freie Turner im Toto-Pokal Endstation. Warum die Elf von Adrian Gahn trotzdem zufrieden sein kann.
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Symptomatisch: Der Turner Patrick Werner (rot) gibt gegen die Münchner Marius Willsch (Nummer 25) und Stefan Lex (rechts) alles, kommt aber nicht durch.  Foto: Frank Scheuring
Symptomatisch: Der Turner Patrick Werner (rot) gibt gegen die Münchner Marius Willsch (Nummer 25) und Stefan Lex (rechts) alles, kommt aber nicht durch. Foto: Frank Scheuring

Es war ein Fußball-Fest. Eins, von dem sie auf der Maibacher Höhe noch lange reden werden. Und zu was? Zu Recht. Die Turner-Elf auf dem Platz - sie kämpfte, spielte wacker nach vorne und erarbeitete sich Chancen. Dass beim 1:6 (0:3) gegen den TSV 1860 München auch noch ein Ehrentreffer durch Julius Herrmann (85.) gelang, war wenige Minuten nach dem Abpfiff auch schon legendär. Für manche zumindest.

Turner-Coach Adrian Gahn strahlte in seiner unnachahmlichen Art - das durfte er auch. Der 38-Jährige hatte mit seiner Aufstellung alles richtig gemacht. Seine Mannen, im 4-4-2-System angetreten, dachten keinesfalls daran, einen Betonmischer an der eigenen Strafraumgrenze zu parken. Dass es dafür recht fix die Quittung gab - drei Gegentore bis zur Halbzeit durch Leon Klassen (6.) und Kapitän Markus Ziereis (18., 35.) - war vielleicht auch dem Erfolgsdruck des Drittligisten geschuldet, der zuletzt ein 0:4 gegen Waldhof Mannheim hinnehmen musste.

Reuß und Popp mit Chancen

Egal wie, es war ein bisschen zu viel des Guten. Der eingelaufene Niklas Reuß per Kopf nach einer punktgenauen Flanke von Dominik Popp (13.) oder Popp selbst nach einer Walton-Ecke (38.) hätten die Sechziger schon früher ärgern können. Diesen Chancen trauerte Gahn nach der Partie auch nach: "Das hätte einen ,turnaround' in der Partie geben können." Aber auch die Löwen ließen zeitweise beste Chancen liegen. So schob Fabian Greilinger nach Vorarbeit des flinken Stefan Lex völlig frei am Tor vorbei, was kurz vor dem Pausenpfiff selbst den meist in Vereinsfarben gekleideten Sechzig-Fans im Gästeblock so manchen Lacher entlockte.

Dass die 250 Löwen-Anhänger und auch die vielen FTS-Sympathisanten unter den laut Vereinsangaben insgesamt 2000 Zuschauern pünktlich an der Bande standen, als der umsichtige Schiedsrichter Markus Pflaum aus Dörfleins anpfiff, war den rund 140 Helfern und dem Organisationsteam um FT-Sportleiter Ernst Gehling zu verdanken, der im Vorfeld unermüdlich darum bemüht gewesen war, dass dieses Spiel an der Maibacher Höhe stattfinden könnte, die Partie selbst aber nicht mitverfolgen konnte. Gehling lag im Krankenhaus.

"Wer ihn kennt, weiß, dass er alles dafür gegeben hätte, heute dabei zu sein", so Gahn. Seit der Auslosung in Bad Wiessee war viel Gegrummel zu hören gewesen. Doch das verstummte - spätestens - kurz vor dem Anpfiff. Dass selbst frühere FTS-Dauerbrenner wie Matthias Memmel, Klaus Pfeuffer oder Achim Keuser mit anpackten, ließ den "Turner-Geist" über den Sportplatz am Kleinflürleinsweg wehen.

Sechziger spulen ihr Programm ab

Davon bekamen die Profis aus der Landeshauptstadt gar nicht so viel mit. Sie waren damit beschäftigt, Wiedergutmachung zu betreiben. Das gelang auch. Spätestens mit dem 0:4 durch Greininger nach gut einer Stunde, der in Halbzeit eins noch kläglich versagte, war dann auch der Deckel drauf. Eigentlich war er das schon vorher. Und zwar so fest, dass Löwen-Trainer Daniel Bierofka durchaus zufrieden war. Er habe gute Aktionen gesehen, vor allem aber sei es wichtig, weitergekommen zu sein, so seine nüchterne Analyse, bevor er den Schweinfurtern zum Ehrentreffer gratulierte.

Turner-Coach Gahn hatte vor der Partie noch betont, dass es es keine Chance geben würde und das "vielleicht unsere Chance ist." Doch so weit kam es nicht. Bei den Turnern schwanden die Kräfte, Sechzig legte noch zwei Mal nach. Dann schlug die Stunde des eingewechselten Julius Herrmann: Popp legte quer, Herrmann staubte trocken ab. Ein kurzer Weg zur Tuner-Legende. Es passte einfach zu diesem Fußball-Fest.

Der Torschütze selbst wollte sich den Legenden-Status aber nicht überstülpen: "Das müssen andere entscheiden", meinte Herrmann und gab das Lob für das Tor brav weiter an Vorlagengeber Dominik Popp. Auch Gahn wollte das mit der Legende so nicht stehen lassen. "Diesen Status gibt es bei uns erst nach zehn Jahren und 350 Spielen", unterstrich der FT-Coach, gab sich aber zuversichtlich, dass Herrmann nun "auf einem guten Weg" sei.Dominik Großpietsch

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