Schweinfurt
Fußball

Der FC 05 unterstreicht seine Ambitionen

Nach dem erfolgreichen Frühjahr peilen die Schweinfurter den Drittliga-Aufstieg an.
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König Adam, der I.: Stürmer Adam Jabiri erzielte beim Pokalsieg in Bayreuth das erlösende 3:1 und war mit seinen 28 Regionalliga-Treffern maßgeblich beteiligt am dritten Tabellenplatz des FC 05 Schweinfurt. foto2press/Frank Scheuring
König Adam, der I.: Stürmer Adam Jabiri erzielte beim Pokalsieg in Bayreuth das erlösende 3:1 und war mit seinen 28 Regionalliga-Treffern maßgeblich beteiligt am dritten Tabellenplatz des FC 05 Schweinfurt. foto2press/Frank Scheuring
Präsident Markus Wolf und Sportleiter Gerd Klaus sind sich einig: Die dritte Liga ist keine Utopie mehr in Schweinfurt. Der FC 05 hat mit Rang drei in der Regionalliga Bayern, dem Erfolg über Zweitligist Sandhausen in der ersten DFB-Pokal-Hauptrunde und der Titelverteidigung als bayerischer Pokalsieger dank des 3:1 in Bayreuth am Pfingstmontag ein Jahr lang bewiesen, dass er die entsprechende Entwicklung vollzogen hat. Für die Saison 2018/19 legt der Verein finanziell nach, verstärkte sich bisher mit zwei gestandenen Drittliga-Spielern und zwei bei Spitzenklubs ausgebildeten Talenten (wir berichteten). Weitere hochkarätige Neuzugänge wurden angekündigt. "Auch wenn der Übermut in Schweinfurt schnell groß ist, realistisch heißt unser Ziel Dritte Liga", unterstricht Wolf die Ambitionen wesentlich konkreter als 2017.
Und deswegen hat sich der mit dem erneuten Pokalsieg scheidende Trainer und künftige Sportleiter Klaus auch den Urlaub gestrichen. Während das Gros der Mannschaft seit Dienstag auf Mallorca munter die Feierlichkeiten ausdehnt, geht für ihn die Arbeit im neuen Job los: "Ich muss mich um Verpflichtungen und Verträge kümmern, da ist für Urlaub keine Zeit." Ganz Profi eben.


Umstellung auf Profitum

Genau damit, dieses Wort mental und körperlich zu verinnerlichen, hatte die Mannschaft des FC 05 zunächst zu kämpfen. Um den Aufstiegsplan stufenweise über zwei bis drei Jahre umsetzen zu können, hatte der Verein im Sommer 2017 umgestellt: sechs, sieben Mal die Woche Training, nur noch Profis im Kader. Doch beschwichtigte Klaus immer wieder: Da die meisten Spieler zuvor Amateure waren, oder aber nach langen Verletzungspausen ohne Spielpraxis, mussten sich ihre Körper erst der erhöhten Belastung anpassen. Und auch die Einstellung, sich zu hundert Prozent auf den Fußball fokussieren zu müssen, musste erst wachsen.


Keine Konstanz in der Hinrunde

Das Resultat dieses mehrmonatigen Prozesses war ein wenig zufriedenstellendes zweites Halbjahr 2017. Die Mannschaft schaffte es nach den vier Auftaktsiegen nicht, eine weitere längere Serie zu spielen. Es folgten Niederlagen in den Big-Point-Partien beim FC Bayern München II (1:2) und beim TSV 1860 München (1:3) - und im Herbst böse Patzer in Eichstädt (0:3), bei den Absteigern Seligenporten (1:1) und Unterföhring (1:1) sowie gegen Pipinsried (1:2). "Leider hat uns die Konstanz gefehlt, sonst hätten wir oben dran bleiben können", bilanzierte Mittelfeldspieler Kevin Fery, der die Nullfünfer mit seinem 1:0 in Bayreuth auf Pokalsieger-Kurs gebracht hatte.


Nur ein Punkt gegen die Großen

Denn es wäre möglich gewesen, dem TSV 1860 München länger Paroli zu bieten. Die Löwen erwiesen sich nicht als Übermannschaft, leisteten sich in regelmäßigen Abständen Patzer und mussten sich am Ende gar dem Angriff der besten Rückrunden-Mannschaft, der kleinen Bayern erwehren. Unter dem Strich blieb dem FC 05 gegen die beiden Münchner Schwergewichte aus vier Spielen nur ein Punkt beim 1:1 gegen die Bayern.


Glanzvolle Pokalauftritte

Was die Verantwortlichen umso mehr ärgerte, da die Mannschaft in den Pokalwettbewerben gezeigt hatte, welches Potenzial in ihr steckt. Im DFB-Pokal folgte dem 2:1-Triumph gegen Zweitligist SV Sandhausen in Runde zwei ein bärenstarker Auftritt gegen den späteren deutschen Pokalsieger Eintracht Frankfurt. Bei der 0:4-Niederlage vor 15 000 Zuschauern im restlos ausverkauften Willy-Sachs-Stadion hielten die Schweinfurter eine knappe Stunde toll mit, hatten gar durch Marius Willsch eine riesige Ausgleichchance. Oder dieses famose 2:1 gegen Drittligist SpVgg Unterhaching im Viertelfinale des Landespokals, als Joker Florian Pieper in den letzten vier Minuten die Partie noch gedreht hatte.


Die Aufsteiger und der König

Ganz klar: Pieper ist einer dieser Spieler, deren Entwicklung nach der Winterpause einen Schub bekommen haben. Dennoch stand er im Schatten des Regionalliga-Torschützenkönigs Adam Jabiri. Der 33-Jährige brachte es auf 28 Treffer, erzielte auf der Zielgeraden der Saison in Ingolstadt und gegen Bayreuth jeweils einen Dreier-, gegen Unterföhring gar einen Viererpack. Und auch Jabiri hält einen weiteren Qualitätssprung für realistisch: "Ich weiß es ja aus der Kickers-Zeit, wie es ist, Meister zu werden. Jetzt will ich mit Schweinfurt schon etwas besseres als Platz drei erreichen." Da bliebe ja fast nur der Titelgewinn. Ebenso heraus stach Marius Willsch. Der Flügelflitzer wird nächste Saison ebenso wie Linksverteidiger Herbert Paul für die Löwen vom TSV 1860 München auflaufen, vielleicht sogar in Liga 3. Während auch Rechtsverteidiger Philip Messingschlager eine überragende Runde spielte, zeigte für Akteure wie Lukas Billick oder die zuletzt verletzt fehlenden Steffen Krautschneider und Nikola Jelisic die Formkurve im Frühjahr etwas nach unten.


Starkes Finale

Doch weil kein Schweinfurter deutlich unter Normalform rutschte, gelang dem FC 05 ein beeindruckender Endspurt mit sieben Siegen und einem Remis aus den letzten acht Liga-Partien und als Krönung der BFV-Pokalsieg. Die Mannschaft ist auch taktisch variabler geworden, wirkte im 4-4-2, 4-2-3-1, 4-2-2-2, 4-1-4-1 oder 3-5-2 gleichermaßen sattelfest. Der neue Trainer Timo Wenzel hat bereits angekündigt an der offensiven Ausrichtung nichts ändern zu wollen. Mit der Verpflichtung des 40-jährigen Fußballlehrers, der 157 Profi-Einsätze für Stuttgart, Augsburg und Kaiserslautern hatte und zuletzt die U21 des SV Elversberg trainierte, war die Posse um den Niederländer Rene van Eck beendet, der nach einigen Kehrtwendungen lieber Co-Trainer beim FC Zürich geblieben ist. Michael Bauer


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