Schweinfurt
Fußball Regionalliga

Der FC 05 ist zornig auf die Schiedsrichter

Die Schweinfurter machen in Eichstätt 90 Minuten viel richtig, führen 2:1 und verlieren in der Nachspielzeit.
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Da ist aber einer zornig: FC-05-Trainer Timo Wenzel liest dem Schiedsrichter-Gespann nach dem Schlusspfiff die Leviten ob des Handelfmeters zum 2:2. Moralische Unterstützung erhält er von den Schweinfurter Spielern Sascha Korb, Marco Fritscher (verdeckt) und Mohamad Awata (hinten).  Foto: JT-Presse.de / Johannes Traub
Da ist aber einer zornig: FC-05-Trainer Timo Wenzel liest dem Schiedsrichter-Gespann nach dem Schlusspfiff die Leviten ob des Handelfmeters zum 2:2. Moralische Unterstützung erhält er von den Schweinfurter Spielern Sascha Korb, Marco Fritscher (verdeckt) und Mohamad Awata (hinten). Foto: JT-Presse.de / Johannes Traub

VfB Eichstätt - FC 05 Schweinfurt 3:2 (0:1). Tore: 0:1 Tim Dahof (16.), 1:1 Atdhedon Lushi (55.), 1:2 Sascha Korb (68., Foulelfmeter), 2:2 Fabian Eberle (90.+2, Foulelfmeter), 3:2 Atdhedon Lushi (90.+4).

Wenn eine Spitzenmannschaft in der zweiten Minute der Nachspielzeit führt, dann gewinnt sie auch das Spiel. Der FC 05 hat in der zweiten Minute der Nachspielzeit mit 2:1 geführt und nicht gewonnen, nein, sogar noch verloren. Ergo: Die Schweinfurter sind doch nicht die Spitzenmannschaft, für die sie viele, aber vor allem sie sich selbst gehalten haben. Das 2:3 (1:0) in Eichstätt war für die an sich gut spielenden Nullfünfer in seinem späten Zustandekommen der dusselige Höhepunkt dieses bis dato katastrophalen Oktobers.

Ein Oktober, in dem der FC 05 aus dem Pokal ausgeschieden ist, aus einem Drei-Punkte-Vorsprung einen Sechs-Punkte-Rückstand auf Türkgücü München hat werden lassen und Platz zwei an Bayreuth abgegeben hat. Die Mannschaft steht nur noch einen Punkt vor dem TSV Aubstadt - ohne dessen großartige Halbserie schmälern zu wollen, auch das spricht Bände. Der Aufsteiger kann nächste Woche mit einem Derby-Sieg sogar vorbeiziehen. "Das wird nicht lustig dort", orakelte Innenverteidiger Lukas Billick. "Wenn wir da nicht Jeder 100 Prozent, aber in allen Bereichen, zeigen, werden wir auch da nichts holen. Es sollte auch der Letzte begriffen haben, dass wir noch nicht so weit sind, wie wir gedacht haben."

' Dabei waren die Schweinfurter gar nicht weit weg von 100 Prozent. Laufbereitschaft, Kampfgeist, Effektivität und Mentalität - alles da. Auch besagter 2:1-Vorsprung. Doch dann soll Marco Fritscher im Strafraum ein Handspiel unterlaufen sein und VfB-Goalgetter Fabian Eberle verwandelte den Elfmeter (90.+2), dann spielte Benedict Laverty fahrlässig nach hinten und im Nachsetzen traf Atdhedon Lushi tatsächlich noch zum zweiten Mal an diesem Tag (90.+4). Kein Wunder, dass es in 05-Coach Timo Wenzel mächtig brodelte: "Ich bin schockiert."

Seinen ganzen Zorn bekam jedoch Schiedsrichter Andreas Hartl ab: "Der Schiedsrichter kann aus seiner Position die Szene überhaupt nicht gesehen haben, da kann er doch nicht so eine Entscheidung treffen. Du kannst keine Spiele gewinnen, wenn die Schiedsrichter so gegen einen sind. Das ist auf Dauer nicht tragbar." Damit spielte er auf das nicht gegebene 2:1 gegen München fünf Tage zuvor an.

Seine Mannschaft nahm Wenzel hingegen in Schutz. "Nichts gegen die Spieler, sie haben alles gegeben und alles gezeigt, was wir nach dem Bayreuth-Spiel von ihnen eingefordert haben. Du reißt dir 90 Minuten den Arsch auf und alles scheint zu laufen, wie wir das haben wollen." Das stimmt zwar dahingehend, dass sich die Nullfünfer ihre zweimalige Führung redlich verdient hatten. Nach schöner Vorarbeit von Stefan Maderer, der den verletzten Adam Jabiri (Hüftprellung) in der Spitze vertrat, vollendete Tim Danhof eiskalt (16.). Und nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich verwandelte Sascha Korb einen Foulelfmeter (Torhüter Felix Junghan an Maderer) nicht minder souverän zum 1:2 (68.).

Aber - und dieses aber muss mit einem Ausrufezeichen geschrieben werden. Eichstätt nutzte dreieinhalb Chancen zu drei Toren. Immer und immer wieder haben es die Gegner des FC 05 zu leicht, zu Erfolgen zu kommen. "Wir bekommen zu viele Gegentore", räumte Wenzel ein. "Da fehlt die allerletzte Aufmerksamkeit beim Blick, wer vor oder hinter uns steht." Billick drückte es noch ein bisschen drastischer aus: "Wir schaffen es einfach nicht, ein Spiel über 90 Minuten voll konzentriert zu Ende zu bringen. Stattdessen sprechen wir am Ende solche Einladungen aus. Da gibt es noch viele Baustellen." Hatte man anfangs gedacht, die größte sei der Angriff, wird es mehr und mehr Billicks Abteilung, gleichwohl sich die Fehler schon im Mittelfeld entwickeln.

Dass dort Sascha Korb eine überragende Vorstellung geboten, nahezu jeden Angriff aufgebaut und mit einem von Junghan gerade noch aus dem Winkel gekratzten 25-m-Schuss (29.) das 0:2 auf dem Fuß gehabt hatte, ging unter in der desolaten Nachspielzeit, die trotz der gehörigen Schweinfurter Steigerung die Ergebniskrise ausgeweitet hat. Sechs Miese auf Türkgücü und mitten drin in einem sechs Mannschaften starken Pulk aus Verfolgern - das erinnert mächtig an die vergangene Spielzeit, deren Ende mit der souveränen Bayern-Meisterschaft hinlänglich bekannt ist.

Wenzel wollte sich zum Rückstand nach dem Spiel nicht weiter äußern, die paar Versatzstücke ("wir müssen auf uns schauen, nicht auf die Gegner") lassen sich auf eine gute Rhetorik-Schulung in seiner langen Profi-Laufbahn zurückführen. Und die Schiedsrichterschelte in ihrer Heftigkeit darauf, dass das Nervenkostüm der Schweinfurter längst nicht mehr das beste ist. Den Charaktertest haben sie nämlich in den letzten drei Halbzeiten bestanden, doch wenn das Resultat ausbleibt, stellt sich Frust ein. Und der ist in keiner Lebenslage ein guter Ratgeber.Michael Bauer

Schweinfurt: Zwick - Fritscher, Kleineheismann, Billick, Lo Scrudato - Fery, Korb - Laverty, Krätschmer (68. Suljic), Danhhof (90.+2 Pieper) - Maderer (80. Awata).

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