Schweinfurt
Fußball Regionalliga

Der FC 05 geht zu früh vom Gaspedal

Schweinfurts Trainer Timo Wenzel zeigt sich nach der Punkteteilung in Illertissen maßlos enttäuscht von seinem Team, das einen 2:0-Vorsprung verspielt.
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Zwei Gegentore: FC-05-Trainer Timo Wenzel war nach Spielschluss bedient. Foto2press/Frank Scheuring
Zwei Gegentore: FC-05-Trainer Timo Wenzel war nach Spielschluss bedient. Foto2press/Frank Scheuring

FV Illertissen - FC 05 Schweinfurt 2:2 (0:2). Tore: 0:1 Adam Jabiri (8.), 0:2 Manuel Strahler (20., Eigentor), 1:2 Volkan Celiktas (66.), 2:2 Stanislaw Herzel (81.). Null plus zwei macht drei minus zwei. Die Rechenspiele hören einfach nicht auf. Auch nicht nach dem 2:2-Unentschieden des FC 05 Schweinfurt gegen den FV Illertissen. Im Vöhlin-Stadion sorgten nämlich zwei Gegentreffer dafür, dass der FC 05 nach einer 2:0-Führung zwei sicher geglaubte Punkte noch abgeben musste - und damit nur einen Zähler im Handgepäck verstaute. Ziemlich missmutig, wohlgemerkt. "Ich bin maßlos enttäuscht", sagte Trainer Timo Wenzel merklich niedergeschlagen nach dem Abpfiff, "ich muss tatsächlich Woche für Woche immer wieder die gleichen Dinge ansprechen, das zermürbt. Es ist einfach auch eine Charaktersache, dass man sich vornimmt, das Spiel 90 Minuten lang durch zu ziehen. Es lief doch top."

Ja, es lief zunächst für die Unterfranken. Manch einer der spät eintrudelnden Illertissener Fans hatte sich noch nicht gesetzt, da musste Kevin Schmidt schon zum ersten Mal hinter sich greifen: Steffen Krautschneider hatte mustergültig in den Strafraum gepasst, wo Adam Jabiri eiskalt vollstreckte. Da war sie, die von Wenzel geforderte Antwort auf das 0:5-Debakel beim FC Pipinsried. Der FC 05 blieb in der Folge spielbestimmend und legte vor offiziell 412 Zuschauern nach: Einen scharf getretenen Freistoßball von Christopher Kracun bugsierte Stanislaw Herzel ins eigene Netz.

"Von der Aggressivität der Schweinfurter haben wir uns zu Spielbeginn doch extrem beeinflussen lassen. Wir hatten große Probleme, unser Spiel aufzubauen", erklärte FVI-Coach Marco Küntzel in der Pressekonferenz. Wenn seine Mannschaft dann doch mal zum schnellen Umschalten kam, war die 05-Defensive zur Stelle, die "gefühlt jeden Zweikampf" gewann, wie es Kracun - der diesmal Stefan Kleineheismann als Kapitän vertrat - irgendwie treffend auf den Punkt brachte. Abgesehen von einem Freistoß durch Volkan Celiktas (17.) blieb der Gastgeber durchweg ungefährlich. "Wenn man sich im Vergleich dazu die Trainingsleistungen anschaut, fragt man sich tatsächlich mal, warum im Spiel nichts rauskommt", meinte FV-Trainer Küntzel, "ohne Druck treffen die aus den schwierigsten Winkeln das Tor."

Auch nach dem Seitenwechsel blieb das Bild lange gleich: Der FC 05 dominierte - statt des dritten Tores, das die zu diesem Zeitpunkt durchaus verdiente Entscheidung gewesen wäre - fiel jedoch das 1:2. Celiktas zirkelte einen 20-Meter-Freistoß in die Maschen. Zu diesem Zeitpunkt völlig unerwartet. Vor allem für die Grün-Weißen, die dieser Glückstreffer völlig aus der Bahn warf.

"Ich hatte es der Mannschaft in der Halbzeit sogar noch gesagt, dass dieses 2:0 ein ganz gefährliches Ergebnis ist. Wenn man, wie ich, schon so lange dabei ist, nimmt man das auch auf. Da muss man auch einfach mal mit aller Gewalt verteidigen und den Ball in brenzligen Situationen auf die Tribüne hauen. Wir besprechen so viele Dinge. Wir reden über Taktisches, machen eine Video-Analyse, bereiten uns ganz intensiv vor. Trotzdem kommen wir wieder in so ein Fahrwasser hinein", erklärte Wenzel und wusste sich zunächst auch keine rechte Antwort auf dieses in der laufenden Saison schon oft bei Auswärtsspielen zu erlebende Phänomen.

Der FC verteidigte nach dem 1:2, spielte auch weiter nach vorn - nur nicht mit der Konsequenz einer Spitzenmannschaft, die es in solchen Situationen braucht - wenn denn der Sieg gelingen soll.

Doch der gelang eben nicht, weil die FC-Abwehr den aufgerückten Linksverteidiger Stanislaw Herzel nach einer Flanke von Burak Cobran schlichtweg nicht auf der Rechnung hatte - und er zum umjubelten 2:2 traf. Dieser Ausgleichstreffer traf die Nullfünfer bis ins Mark. "Das ist einfach bitter", fand Steffen Krautschneider kurz vor der Heimfahrt, "eigentlich haben wir die Vorgaben umgesetzt und eine gute Reaktion gezeigt. Wenn dann aber irgendwann die Hälfte der Mannschaft keinen Fußball mehr spielen will, dann wird das eben nichts. Mit fünf oder sechs Mann, die Gas geben, gewinnen wir nicht."

Kurz darauf ging es für den früheren Würzburger in Richtung Bus. Dreieinhalb Stunden Autobahn folgten - wohl auch nur ein kleines bisschen entspannter als der Heimweg aus Pipinsried. Zu groß war der Frust über den noch - ohne wirkliche Not - aus der Hand gegebenen Sieg.Dominik Großpietsch

Schweinfurt: Eiban - Messingschlager, Strohmaier, Kracun, Fritscher - Fery, Billick (78. Kleineheismann) - Weiß, Trinks (72. Philp), Krautschneider (88. Görtler) - Jabiri.

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