Schweinfurt
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Der FC 05 fühlt sich stark genug für jeden Gegner

Der Triumph im Achtelfinale gegen Drittligist FC Ingolstadt war der achte Pflichtspiel-Sieg des FC 05 in Serie. Warum die Schweinfurter im Viertelfinale auch vor den Würzburger Kickers keine Angst hätten.
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Geschafft: Im Elfmeterschießen hielt FC-05-Keeper Luis Maria Zwick einen Versuch und bescherte den Schweinfurtern den Sieg im Achtelfinale gegen Ingolstadt. Was folgte, war Party pur. Mittendrin Amar Suljic (Nummer 11), der das 1:0 erzielt hatte.  Foto: Heiko Becker
Geschafft: Im Elfmeterschießen hielt FC-05-Keeper Luis Maria Zwick einen Versuch und bescherte den Schweinfurtern den Sieg im Achtelfinale gegen Ingolstadt. Was folgte, war Party pur. Mittendrin Amar Suljic (Nummer 11), der das 1:0 erzielt hatte. Foto: Heiko Becker

FC 05 Schweinfurt - FC 04 Ingolstadt 6:5 (1:1, 0:0) n. E. Tore: 1:0 Amar Suljic (68.), 1:1 Fatih Kaya (90.+4).

Elfmeterschießen: 2:1 Maximilian Beister, 2:2 Marco Fritscher, 3:2 Fatih Kaya, 3:3 Adam Jabiri, 4:3 Stefan Kutschke, 4:4 Amar Suljic, Luis Zwick hält gegen Patrick Sussek, 4:5 Sascha Korb, 5:5 Marcel Gaus, 5:6 Pius Krätschmer.

Sieger haben leicht reden. Aber Amar Suljic, der mit seinem 1:0 das Tor zum Viertelfinale aufgestoßen hatte, will man glauben, wenn er sagt: "Ich war zwar sauer über das späte Gegentor. Aber ich habe, wir alle haben gewusst, dass wir dieses Elfmeterschießen gewinnen." Warum? "Weil wir es verdient hatten."

Mit seiner stärksten Saisonleistung schaltete Regionalliga-Primus FC 05 vor 2029 Zuschauern den Drittliga-Dritten FC 04 Ingolstadt leistungsgerecht aus. Das Neue beim achten Pflichtspiel-Sieg in Serie: Die Schweinfurter zeigten ihre Qualität über die kompletten gut 90 Minuten. "Wir haben einen unglaublichen Rückenwind, sind physisch stark und im Kopf. Wir sind einfach gut drauf", wollte Suljic, der Ex-Ingolstadter, gar nicht aufhören mit Eigenlob, das an diesem magischen Abend im Willy-Sachs-Stadion überhaupt nicht stank. "Wir sind so breit aufgestellt, dass der Kräfteverschleiß sich auch nicht auf die Liga auswirken wird", prognostizierte Suljuc eine Fortsetzung der Serie am Samstag gegen Memmingen.

Dabei sei der 21-Jährige, so sein Trainer Timo Wenzel, keiner, der abhebt: "Trotz seiner Jugend war er gegen sein altes Team nicht übermotiviert; er hat das richtig gut gemacht. " Nicht nur wegen des Abstauber-Tores, das ihm Adam Jabiri fußgerecht serviert hatte (68.). "Amar ist ein Spieler mit sehr viel Potenzial, er ist aber noch lange nicht da, wo wir ihn sehen", sagt Wenzel.

Mit Pius Krätschmer, Benedict Laverty, Tim Danhof oder auch Gianlica Lo Scrudato verfügen die Schweinfurter über weitere Anfang-Zwanziger mit hohen Leistungsprognosen, die jetzt schon Stammspieler-Status genießen und im K.o.-Spiel gegen einen wiederaufstiegswilligen Zweitliga-Absteiger keine Nerven zeigten. Bezeichnend, dass Krätschmer den entscheidenden Elfmeter überzeugend verwandelte, nachdem vorher 05-Keeper Luis Maria Zwick gegen Patrick Sussek gehalten hatte. Bezeichnend auch, dass die junge Schweinfurter Mannschaft den unglücklichen Ausgleich durch Fatih Kaya in der vierten Minute der Nachspielzeit gut verkraftete.

"Wir haben gesagt: Wir stellen uns dieser Mannschaft. Und das haben die Jungs bravourös gemacht", sagte Wenzel. "Wir haben mit Mentalität und Leidenschaft gespielt, auch sehr gut verschoben."

Fürwahr ließen die Schweinfurter 80 Minuten lang kaum etwas zu. Sie machten die Räume eng, zogen sich zu einer kompakten Einheit zurück, um dann wieder überfallartig anzugreifen.

Das war kein Konterfußball eines lauernden Außenseiters; das war Tempofußball einer Mannschaft auf Augenhöhe.

Vier U19-Akteure beim Gast

Natürlich hatten die Ingolstadter mit Sussek, Bilbija, Pintidis und Kaya vier U-19-Spieler in der Startelf; die Defensive aber war erste Wahl. Mit Maximilian Beister und Stefan Kutschke kamen Leistungsträger von der Bank. Weswegen Gäste-Coach Jeff Saibene sagte, "dass man gemerkt hat, dass Jugendspieler dabei waren". Ansonsten aber erkannte er, "dass wir uns in einer Negativspirale befinden."

Vielleicht hatte sich Ingolstadt auf die fußballerische Qualität der 05er vorbereitet, aber wohl nicht so ganz auf deren Körpersprache und Zweikampf-Konsequenz. Schweinfurt stellte, als Ingolstadt alles auf eine Karte setzte, auf Dreierkette um, wurde auch in der sich entwickelnden Abwehrschlacht nie hektisch. Der Ausgleich war mehr Zufallsprodukt. "Die Jungs wissen, dass man gegen Jeden gewinnen kann, wenn man solche Tugenden an den Tag legt", so Wenzel, der nur einen Wermutstropfen sah: Lamar Yarbrough musste nach einem Schlag aufs Schienbein nach acht Minuten raus, ein MRT soll rasch Klarheit bringen. Die Lücke in der Innenverteidigung schloss mit Stefan Kleineheismann abgeklärt ein "alter Hase".

Zwei andere Routiniers bewiesen im jungen Team Führungskompetenz. Sascha Korb räumte alles ab, was den früh attackierenden Offensivspielern durchrutschte, und Jabiri bereitete kurz nach seiner Einwechslung das 1:0 vor - mit unwiderstehlichem 30-Meter-Spurt. "Wenn der alte Junge kommt, ist er da", witzelte Wenzel. "Ich habe ja immer gesagt, dass ich ein Konterstürmer bin", bewies auch der 35-Jährige Humor.

Völlig emotionslos beantwortete Wenzel die Frage nach einem Los-Wunsch fürs Viertelfinale. Ihm war "egal, wer jetzt kommt. Pokalspiele sind 50:50-Spiele." Suljic erkor sich die Würzburger Kickers aus: "Wir haben vor keinem Gegner Angst." Interessant wäre ein erneutes Kräftemessen mit dem Rivalen schon: 2018 hatte der FC 05 die Roten mit 3:1 bezwungen, dann aber wegen eines Verstoßes gegen die U-23-Regel am Grünen Tisch verloren. Dieser Stachel sitzt immer noch tief. Schweinfurt: Zwick - Fritscher, Billick, Yarbrough (8. Kleineheismann), Lo Scrudato - Korb, Krätschmer - Laverty (66. Jabiri), Danhof, Suljic - Maderer (83. Awata). Ingolstadt: Knaller - Antonitsch (78. Beister), Paulsen, Kotzke, Kurzweg - Sussek, Krauße, Pintidis (60. Gaus), Wolfram (70. Kutschke) - Kaya, Bilbija.

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