Schweinfurt
Protestaktion

Fränkische Stadträtin protestiert gegen Silvesterböller - Sekunden später trifft sie eine Rakete

Zum Jahreswechsel rief die "Initiative Zukunft" in Schweinfurt dazu auf, gegen die Silvesterknallerei zu protestieren. Kurz nach Start der Aktion, wurde die Initiatorin, Stadträtin Ulrike Schneider, von einem Feuerwerkskörper getroffen.
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Stadträtin Ulrike Schneider (2. v. r.) während der Protestkundgebung "Kerzen statt Böller" an Silvester in Schweinfurt. Foto: Hannes Joachim
Stadträtin Ulrike Schneider (2. v. r.) während der Protestkundgebung "Kerzen statt Böller" an Silvester in Schweinfurt. Foto: Hannes Joachim

Protestaktion gegen Böllerei an Silvester endet jäh: Zum Jahreswechsel forderte die "Initiative Zukunft" die Schweinfurter Bürger dazu auf, mit Kerzen ein Zeichen gegen die Silvesterknallerei zu setzen. Kaum hatte die Bewegung "Kerzen statt Böller" am Rückert-Denkmal ihre Kundgebung gestartet, wurde Initiatorin Ulrike Schneider von einem Feuerwerkskörper getroffen.

"Wir standen mit unseren brennenden Kerzen gerade mal eine Minute dort, dann kam die erste Rakete und erwischte mich an der Wade", schildert Schneider, die für die Freien Wähler im Schweinfurter Stadtrat sitzt. Obwohl der Treffer nicht schlimm gewesen sei, sei er trotzdem Schreck einflößend gewesen.

Inwieweit es sich dabei um Vorsatz gehandelt habe, könne sie nicht sagen. "Das kann ich nicht beurteilen. Ganz ehrlich: Ich weiß nicht, ob das Absicht oder Zufall war", sagt Schneider im Gespräch mit inFranken.de.

Protestaktion mit jähem Ende - "Ich habe es mit der Angst zu tun bekommen"

Ungeachtet dessen war die Silvester-Protestaktion kurz nach Beginn auch schon wieder zu Ende. "Ich habe es mit der Angst zu tun bekommen." Sie und ihre Mitstreiter hätten deswegen schnell ihre Kerzen gelöscht und sich kurzerhand im benachbarten Winterdorf in Sicherheit gebracht. "Es wäre hochgradig gefährlich gewesen, weiter zu demonstrieren. Auf dem Marktplatz wären wir eine Zielscheibe gewesen", mutmaßt Schneider.

Ihr Ziel, gegen den Gebrauch von Krachern und Raketen zu kämpfen, hat sie deswegen trotzdem nicht aus den Augen verloren. "Es ist und bleibt ein Wahnsinn, was sich an Silvester alljährlich abspielt." In Hinblick auf die Entstehung von Feinstaub und Abfall sagt sie: Das sind Tonnen an Müll, die da pro Stadt anfallen - für ein paar Stunden Fez."

Neben dem Umweltaspekt spielt für die Schweinfurter Stadträtin noch ein anderer Punkt eine wichtige Rolle: "Wir haben einen Hund in der Familie. Unser Retriever war an Silvester völlig von der Rolle, obwohl er normalerweise ein ganz ruhiges Tier ist. Wir mussten ihm dieses Mal sechs Beruhigungstabletten geben, damit er den Krach übersteht. Letztes Jahr hatten wir sogar Angst gehabt, dass er stirbt."

Kritik an Kommunen: "Es fehlt der politische Wille"

Stadtverwaltung und Stadtrat lastet die "Initiative Zukunft" an, keinerlei Schritte unternommen zu haben, um die Böllerei zu verbieten. Der Lokalpolitik wirft Schneider Untätigkeit vor. "Es fehlt der politische Wille. Jeder behauptet zwar, für den Umweltschutz zu sein, aber keiner macht etwas. Die Umsetzung ist eine Farce." Die großen Klimaziele könnten gar nicht erreicht werden, wenn es schon auf der kommunalen Ebene scheitere, konstatiert Schneider.

"Wenn man es genau anschaut, wird nur ein Bruchteil dessen umgesetzt, was gemacht werden müsste, um die gesteckten Ziele zu erreichen." Nicht zuletzt aus diesem Grund schließt die Stadträtin nicht aus, sich nach mehr als zwanzig Jahren aus der Politik zurückzuziehen. "Weil ich fürchte, dass der Kampf nicht mehr zu gewinnen ist. Und damit meine ich den Klimakampf und den Kampf um das politische System."

Ihre letzte Hoffnung in Sachen Silvester: "Ich hoffe auf ein bundesweites Gesetz, das die private Böllerei generell verbietet." Als Alternativen kann sich die Kommunalpolitikerin neben zentral organisierten Feuerwerken auch Lasershows vorstellen, in denen gänzlich auf Raketen und Kracher verzichtet wird.

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