Schweinfurt
Weihnachten als blauer Engel

Schweinfurter hilft auf den Philippinen

Ein bisschen hat Tobias Burger schon am Samstag Weihnachten gefeiert. Wegen der Kinder. Nach dem verheerenden Taifun wurde der Schweinfurter vom THW als Helfer auf die Philippinen geschickt. Ein Coburger ist bereits dort. Gestern kam Burger an - samt zweier extrem wichtiger Gläser Nutella im Gepäck.
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Das Baumschmücken wurde heuer vorgezogen: "Normalerweise haben wir das am 23. abends gemacht", sagt Tobias Burger. Gesternabend kam der THW-Helfer auf den Philippinen an. Foto: Ronald Rinklef
Das Baumschmücken wurde heuer vorgezogen: "Normalerweise haben wir das am 23. abends gemacht", sagt Tobias Burger. Gesternabend kam der THW-Helfer auf den Philippinen an. Foto: Ronald Rinklef
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Einmal stand er mit einem Weihnachtsstollen in der Wüste. "Äthiopien", sagt Tobias Burger, "das war über den 1. Advent." Der 38-Jährige war als THW-Helfer schon bei vielen Auslandseinsätzen. Er weiß, dass er gut überlegen muss, was er in den Koffer packt. Meist sind 15 oder 20 Kilo erlaubt. Aber Burger macht anderen gern eine Freude. Er hilft gern. Seit fast 20 Jahren ist er beim THW.

"Verpflegung ist bei uns das Wichtigste", sagt der 38-Jährige. Sein herzliches Lachen verrät, dass er das nicht ernst meint. Aber ein bisschen vielleicht doch: Im Gemeinschaftsraum des Schweinfurter THW-Verbandes hat er ein reichliches Frühstück aufgetischt. Es ist einer der letzten Tage vor Weihnachten, einer der letzten Tage, bevor Burger als Helfer auf die Philippinen fliegt. Das Land hat die Folgen des Taifuns Anfang November noch nicht annährend im Griff. Mit bis zu 380 Stundenkilometern knallte "Haiyan " gegen die Inselgruppe - so gewaltig traf noch nie ein Sturm an Land. Über 6000 Menschen starben, vier Millionen sind obdachlos.


Zwei Franken im Einsatz

Das Technische Hilfswerk kümmert sich vor allem um die Trinkwasserversorgung auf den Inseln, um zerstörte Infrastruktur, die Wiederherstellung von Brunnen und um die Entsorgung des Abwassers. 80 000 Freiwillige helfen bei Katastrophen im In- und Ausland. In Frankreich wurden die Helfer mit den blauen Klamotten in den 90ern "blaue Engel" getauft.

Das THW selbst pflegt eine weniger poetische Sprache - eher den typischen Jargon einer Bundesanstalt, was die "Einsatzorganisation im Bevölkerungsschutz" ja auch ist: Außenhandelskaufmann Burger wird als "Chief of Operation" auf die Philippinen geschickt. "Also Teamleiter der SEC." Er wird bei der "Standing Engeneering Capacity" die Arbeit mit UN-Einheiten und anderen Hilfsorganisationen koordinieren. Burger gehört außerdem zur "Seewa" (Schnell-Einsatz-Einheit-Wasser-Ausland). Genau wie Roman Petryczka vom THW-Verband Coburg, der seit Anfang Dezember auf den Philippinen hilft. Zwei Franken unter knapp 25 THWlern.

Burger kennt nicht nur "den Roman aus Coburg", sondern auch viele der anderen Kollegen. Und er weiß, was ihnen fehlt, was sie aus Deutschland vermissen. Deshalb hat er zwei Gläser Nutella ins Gepäck gestopft. Außerdem: "Salami, Schinken Und Gummibärchen gehen auch immer. Dinge, die man vermisst, wenn man ein paar Wochen im Ausland ist. Alles Kleinigkeiten. Aber die braucht man." Weil Zuhause und die Familie weit weg sind.


Bescherung in Schweinfurt

Wichtig sei vor allem, dass die Familie vorbereitet ist. "Du musst vorher darüber sprechen, dass es immer vorkommen kann, dass du nach einer Katastrophe innerhalb weniger Stunden weg musst. Für mehrere Wochen." Burger wird am 31. Januar zurückfliegen. "Die Kinder sind traurig, dass ich Weihnachten nicht da bin." Der 12-jährige Julian und die neunjährige Melanie kennen die Bilder aus den Katastrophengebieten. "Sie sagen, dass ich weg bin, um armen Kindern zu helfen." Julian ist selbst beim THW. "Beide sind recht sozial eingestellt." Außerdem haben sie einen möglichen Vorteil daran entdeckt, dass ihr Papa über die Feiertage weg muss: "Vielleicht kriegen wir unsere Geschenke schon am 21.?"

Den Kindern zuliebe feierten Burgers am Samstag schon ein bisschen Weihnachten. Sonntagfrüh stieg der Vater in den Zug von Würzburg nach Frankfurt, von wo aus er über Hongkong nach Cebu City, der Hauptstadt der philippinischen Insel Cebu, flog. "Dann noch mal etwa zwei Stunden bis Bantayan." Gesternabend kam der Schweinfurter auf der Insel an. Ab ins Feldbett, schlafen. "Normalerweise haben wir am 23. abends immer den Baum geschmückt." Der stand heuer schon am 21. Dezember. Aber die großen Geschenke haben Melanie und Julian nicht wie erhofft am Samstag bekommen.

Alexandra Burger sperrte das Wohnzimmer wieder zu. Während Tobias Burger in einer anderen Zeitzone heute seinen ersten Einsatztag beginnt, müssen seine Kinder zu Hause warten. Bescherung ist nach der Kirche.

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