Schwanfeld
Bürgermeister gesucht

Per Annonce und Facebook: Fränkische Gemeinde sucht verzweifelt nach einem neuen Bürgermeister

Die Gemeinde Schwanfeld im Landkreis Schweinfurt muss einen Bürgermeisterkandidaten per Annonce suchen. Die Resonanz ist ernüchternd.
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Stell dir vor, es braucht einen Bürgermeister - und keiner will's werden: Als nächstes will die Gemeinde Schwanfeld Anzeigen in den überregionalen Printmedien  schalten. Illustration: Franziska Schäfer
Stell dir vor, es braucht einen Bürgermeister - und keiner will's werden: Als nächstes will die Gemeinde Schwanfeld Anzeigen in den überregionalen Printmedien schalten. Illustration: Franziska Schäfer

Schon vor geraumer Zeit hat Richard Köth seinen Gemeinderat informiert, dass er bei den Kommunalwahlen 2020 nicht mehr als Bürgermeister kandidieren wird. Aus Altersgründen. Am Ende der nächsten Wahlperiode wäre er 70 Jahre alt. "Damit begann unser Problem", sagt Gemeinderat Thomas Lintl.

Denn während sich in anderen Landkreisgemeinden die Kandidaten schon aus der Deckung gewagt haben, will bislang niemand im 2000-Einwohner-Dorf Bürgermeister werden.

Jeder Kandidat lehnte ab

Jeder mögliche Kandidat wurde angesprochen, jeder hat abgelehnt. Auch der Aufruf im gemeindlichen Nachrichtenblatt blieb wirkungslos. Inzwischen wird sogar per Facebook nach einem "Bürgermeisterkandidat(in)" gesucht. Bis heute keine Resonanz.

"Uns läuft die Zeit davon", sagt Gemeinderat Thomas Lintl, der mit Jutta Strobel, Kurt Eichelbrönner und Sebastian Endres die Kandidatensuche in die Hand genommen hat. Die vier gehören zu den acht amtierenden Gemeinderäten, die mit anderen motivierten Bürgern auf der neuen "Schwanfelder Liste", einem Zusammenschluss der ehemaligen Listen CSU/BLS (Bürgerliste Schwanfeld) und FBS (Freie Bürger Schwanfeld), kandidieren. Und keiner von ihnen wünscht sich, ohne Bürgermeisterkandidaten in die Kommunalwahlen 2020 gehen zu müssen.

"Casting" für die Kandidaten

Bis 23. Januar müssen die Wahlvorschläge bei der Gemeindeverwaltung eingereicht werden. Findet sich bis dahin kein Kandidat, bekommt Schwanfeld noch einmal einen Aufschub bis zum 30. Januar, informiert das Landratsamt als Rechtsaufsichtsbehörde. Gibt es dann immer noch niemanden, der Bürgermeister werden will, bekommen die Bürger am Tag der Wahl einen weißen Stimmzettel, auf dem sie selbst eine Person benennen können. Wer mehr als die Hälfte der abgegebenen Stimmen erhält, ist Bürgermeister, sofern er die Wahl innerhalb von zwei Wochen annimmt. Tut er das nicht, gilt die Wahl als abgelehnt. Dann findet eine Neuwahl statt.

Da Neuwahlen einen Fristvorlauf von mindestens 66 Tagen benötigen, so das Landratsamt, hätte Schwanfeld in diesem Fall am 1. Mai zwar einen Gemeinderat, aber keinen Ersten Bürgermeister. Dann bleibt in allerletzter Konsequenz nur die Anwendung von Artikel 114 der Gemeindeordnung: Das Landratsamt bestellt einen Beauftragten, der die konstituierende Sitzung des Gemeinderates leitet, in der dann ein zweiter und gegebenenfalls ein dritter Bürgermeister gewählt werden, die bis zur Neuwahl die Amtsgeschäfte übernehmen. Würden sich auch diese nicht finden, so handelt im absoluten Notfall die Rechtsaufsichtsbehörde für die Gemeinde.

Die Chemie muss stimmen

Ein Albtraum für die Kandidaten der "Schwanfelder Liste". So weit wollen sie es nicht kommen lassen. Als nächster Schritt ist eine Anzeige in überregionalen Printmedien geplant. Je nachdem, wie viele Bewerber sich melden, wird es ein "Casting" geben. "Wir kaufen nicht die Katze im Sack." Welche Voraussetzungen soll der Wunschkandidat mitbringen? "Wir brauchen jemanden, der sich gerne für Schwanfeld engagiert", formuliert Jutta Strobl das Anforderungsprofil. Am besten wäre "eine Person, die das Geschäft kennt". Vielleicht ein Verwaltungsangestellter. "Wichtig ist, dass die Chemie stimmt", betont Sebastian Endres.

Schwanfeld ist nicht die erste Gemeinde, die öffentlich nach einem Bürgermeister sucht. Unter anderem bewarb sich der Höchstadter Bauingenieur Peter Maier 2015 erfolgreich um das Amt des Bürgermeisters im kleinen Städtchen Laer im Münsterland. Der Franke hatte die Stellenanzeige damals gegoogelt.

Beamter auf Zeit

Die Schwanfelder hoffen auf einen ähnlichen Ausgang. Und die Bürgermeisterstelle könnte durchaus lukrativ sein. Derzeit ist der Bürgermeister zwar ein Ehrenbeamter, der eine monatliche Aufwandsentschädigung bekommt. Aber der Gemeinderat könnte auch bestimmen, dass der Bürgermeister ein Beamter auf Zeit sein soll. Allerdings muss der Gemeinderat diese Entscheidung spätestens bis 90 Tage vor der Wahl getroffen haben. Sollte ein Auswärtiger anbeißen, geht es sowieso nur auf hauptamtlicher Basis, "da sind wir realistisch genug".

In Schwanfeld stehen nämlich große Projekte an. Der Ort steckt mitten in der Dorferneuerung. Kindergarten, Feuerwehrhaus und Bauhof sollen neu gebaut werden. Möglicherweise schreckt das potenzielle Kandidaten ab. Auch die vier Listensprecher. Jeder von ihnen hätte das Potenzial, doch jeder hat Gründe, nicht zu kandidieren - vor allem aus Sorge um die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Ehrenamt.

Job per Inserat: kein Einzelfall

Beispiele Dass durch Annonce ein Kandidat gefunden und später Bürgermeister wird, ist kein Einzelfall. 2008 schaffte dies der Kulmbacher Kämmerer Jürgen Seifert, als er sich in Prien am Chiemsee gegen zwei Mitbewerber durchsetzte. Er ist seitdem Erster Bürgermeister der Marktgemeinde. Auch die niedersächsische Stadt Goslar bekam 2011 mit dem Bayreuther Oliver Junk einen neuen Rathauschef, aufgestellt von der CDU. Anfang dieses Jahres hatten Parteien in Dinkelsbühl erfolgreich eine Annonce geschaltet. Nun gibt es mehrere Bewerber. Weißer Zettel "Am Ende des Tages hat bisher jede Gemeinde ihren Bürgermeister gefunden", sagt Andreas Gaß, Referent für Kommunalrecht beim Bayerischen Gemeindetag. "Selbst dort, wo auf leerem Stimmzettel gewählt wurde." Dies war 2014 unter anderem in Bieberehren (Lkr. Würzburg) und Abtswind (Lkr. Kitzingen) so. Im ersten Fall hatte sich ein Kandidat erst nach Ablauf der Nominierungsfrist gemeldet. In Abtswind wird traditionell auf die Nominierung eines Kandidaten verzichtet - eine sogenannte wilde Wahl.zl

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