Gerolzhofen
Sabotage

Schrauben im Maisacker: Die Angst fährt mit - "Das ist ein vorsätzlicher Mordversuch"

Ein Saboteur hat in Feldern im Raum Gerolzhofen im unterfränkischen Kreis Schweinfurt Metallschrauben aufgehängt. Das bringt die Fahrer der Häcksler in Lebensgefahr.
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Dominik Keller (rechts) und sein Vater Josef gehen durch die Reihen auf ihrem Maisfeld bei Gerolzhofen. Sie sind auf der Suche nach möglichen weiteren Schrauben, die ein unbekannter Täter an Maispflanzen gebunden hat. Foto: Klaus Vogt
Dominik Keller (rechts) und sein Vater Josef gehen durch die Reihen auf ihrem Maisfeld bei Gerolzhofen. Sie sind auf der Suche nach möglichen weiteren Schrauben, die ein unbekannter Täter an Maispflanzen gebunden hat. Foto: Klaus Vogt

Gerolzhofen, Freitagmorgen kurz vor 7 Uhr: Landwirt Dominik Keller ist zu Fuß auf seinem Acker unterwegs. Gemeinsam mit seinem Vater Josef geht der junge Mann aus Frankenwinheim Reihe für Reihe mit aufmerksamem Blick durch die mannshohen Maispflanzen. Sie suchen auf dem rund einen Hektar großen Feld in der südlichen Gemarkung von Gerolzhofen nach Metallstücken, die an die Pflanzen gebunden wurden. An diesem Freitagmorgen werden sie nicht mehr fündig. Der am Feldweg wartende selbstfahrende Maishäcksler kann mit seiner Arbeit beginnen.

 

Am Dienstagfrüh hatte dies noch ganz anders ausgesehen. Der Mitarbeiter des von Dominik Keller beauftragten Lohnunternehmens aus Maibach war mit dem großen Häcksler, der acht Reihen Mais gleichzeitig aberntet, erst wenige Minuten unterwegs, als es in der Maschine einen großen Knall gab. Der Häcksler hatte ein Metallteil aufgenommen und ins Innere zu der Messerwalze transportiert, die mit mehreren Tausend Umdrehungen in der Minute rotiert. Der Schaden an der Maschine war mit 7000 Euro erheblich. Die Ernte musste abgebrochen werden.

 

Weitere Schrauben im Maisfeld entdeckt

 

Bei der Suche nach der Ursache für den Maschinenschaden wurden die Kellers schnell fündig. Sie entdeckten im Maisacker, einige Schritte vom vorbeiführenden Feldweg entfernt, mehrere große Edelstahlschrauben mit aufgedrehten Muttern, die mit Schnüren etwa auf halber Höhe der Pflanzen an den Maiskolben festgebunden waren. Ein Saboteur hatte sich für seinen Anschlag offenbar viel Mühe gegeben. Beamte der Polizeiinspektion Gerolzhofen fotografierten den Tatort und sicherten die Schrauben.

 

"Es ist unfassbar, dass Leute so etwas tun", sagt Dominik Keller. Metallteile im Maisfeld aufzuhängen, das sei eine lebensgefährliche Angelegenheit für die Erntearbeiter. Denn die schnell rotierende Messerwalze des Selbstfahrhäckslers befinde sich direkt unter der Fahrerkabine. "Brechen dort Messer ab, dann können sie den Boden der Kabine durchschlagen und den Fahrer schwer verletzen - oder sogar umbringen."

 

"Ein vorsätzlicher Mordversuch"

 

Kellers Bruder Florian hat am Dienstagmorgen während seines Urlaubs auch bei der Maisernte mithelfen wollen. Er saß auf dem Traktor, der parallel zum Häcksler den großvolumigen Anhänger zieht, in den das Häckselgut geblasen wird. "Wenn Metallteile in den Häcksler geraten, dann fliegen die Splitter wie Geschosse durch die Gegend", sagt er. Dann sei auch er als Fahrer des nebenan fahrenden Traktors im höchsten Grad gefährdet. "Für mich ist das ein vorsätzlicher Mordversuch", macht Florian Keller klar, was er von der Aktion des noch unbekannten Saboteurs hält. Und: "Ich habe jetzt schon ein mulmiges Gefühl, wenn ich im Traktor sitze." Sein Vater Josef Keller weist noch auf einen anderen Aspekt hin: Geraten die Metallteile in die Silage, dann geraten sie über kurz oder lang auch in das Viehfutter im Milchviehstall der Kellers. "Die Kühe können daran sterben."

 

Drei weitere Anschläge

 

Am Freitagvormittag wurde dann bekannt, dass es noch drei weitere Anschläge auf Maisäcker im Raum Gerolzhofen gegeben hat, von denen die Polizei bislang noch keine Kenntnis hatte. Jedes Mal betroffen waren Maschinen des Lohnunternehmens Klein aus Atzhausen (Lkr. Kitzingen). Am Donnerstagnachmittag kam es auf zwei Äckern diesmal in der nördlichen Gemarkung von Gerolzhofen zu Zwischenfällen, wo die Firma Klein im Auftrag eines Rindermastbetriebs und für die Biogasanlage Oberspiesheim die Maisernte übernahm.

 

Bereits am Mittwoch vergangener Woche wurde ein Häcksler der Firma Klein auf der direkt an Gerolzhofen angrenzenden Gemarkung von Alitzheim offenbar durch Metallteile in einem Maisfeld beschädigt. Die Maschinen sind noch in der Werkstatt. Tizian Klein schätzt den Schaden auf rund 30.000 Euro.

 

Der Täter hat wohl Fachkenntnisse

 

Der Täter weiß offenbar genau, was er macht. Und er dürfte sich mit Landtechnik auskennen. Dafür spricht, dass er für seine hinterhältigen Anschläge Edelstahlschrauben verwendet hat. Die modernen Selbstfahrhäcksler sind nämlich mit Metalldetektoren ausgerüstet, die sofort einen Nothalt auslösen, sobald mit dem Mais magnetisches Metall eingezogen wird. Dies kann ab und zu mal passieren, berichtet ein Landwirt aus Gerolzhofen. Erst kürzlich schaltete eine Maschine ab, als ein auf dem Acker verlorener Arbeitsschuh mit Stahlkappe aufgenommen wurde. Bei Edelstahlschrauben, die nicht magnetisch sind, sieht es anders aus. Da versagt der Metalldetektor. Und das weiß der Saboteur.

 

"Wir nehmen die Angelegenheit sehr ernst", sagt Michael Zimmer, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Unterfranken in Würzburg. Aufgrund der hohen Kräfte, die sich in den Erntemaschinen entwickeln, könnten mutwillig eingeführte Metallteile ohne jeden Zweifel auch für die daneben arbeitenden Menschen erhebliche Auswirkungen haben. Zimmer spricht in diesem Zusammenhang von "Lebensgefahr". Bei den Ermittlungen der Polizei stünden neben den Sachbeschädigungen deshalb jetzt auch mögliche Körperverletzungsdelikte im Raum.

 

Das Motiv ist ein Rätsel

 

Doch was könnte die Motivation des Täters sein? Anschläge im Maisacker, das kommt seit Jahren immer wieder mal vor. Früher, als viele Landwirte den Mais mit einem Anbaugerät am eigenen Traktor zeitaufwendig Zeile für Zeile noch selbst ernteten, wurden manchmal Eisenstangen schräg in die Erde gesteckt, um den Häcksler zu beschädigen. So ein Fall ereignete sich beispielsweise im September 2017 bei Hafenpreppach (Kreis Haßberge). "Das waren meist Berufskollegen, die jemandem eins auswischen wollten", mutmaßt ein Landwirt, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte.

 

Denn der Konkurrenzdruck ist hoch, der Neid nimmt zu. "Und wenn dann bei der Neuverpachtung ein anderer die Fläche bekommt, können schon mal die Sicherungen durchbrennen." Doch die aktuellen Anschläge hätten damit nichts zu tun, sind sich die betroffenen Landwirte sicher. Dies sei eine neue Dimension. Googelt man im Internet, dann stellt man fest, dass Anschläge mit Edelstahlschrauben im Maisacker in jüngster Zeit bundesweit zugenommen haben. Für Landwirtssohn Florian Keller jedenfalls steht eines schon fest: "Dieser Typ ist nicht ganz dicht."

von Klaus Vogt



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