Acht Monate nach dem Beginn des Rückbaus des Atomkraftwerkes (AKW) im unterfränkischen Grafenrheinfeld liegen noch 426 Brennelemente im Abklingbecken. Damit sind heuer bereits 171 Brennelemente in Castorbehälter umgelagert und ins Zwischenlager auf dem Gelände gebracht worden. "Für 2019 und 2020 sind je zwei weitere Kampagnen mit jeweils bis zu sechs Castoren geplant", sagte Kraftwerksleiter Bernd Kaiser der Deutschen Presse-Agentur. Danach soll das kuppelartige Reaktorgebäude brennelementefrei sein.

In einen Castorbehälter passen bis zu 19 solcher Elemente. Ein Brennelement besteht aus etwa 236 Brennstäben. Die gusseisernen Castorbehälter mit den 40 Zentimeter dicken Wänden sollen bis maximal 2046 im Zwischenlager stehen bleiben. So lange besteht die aktuelle Genehmigung.

Mit dem Umzug der Brennelemente ins Zwischenlager beginnen die eigentlichen Rückbauarbeiten. Schon jetzt aber ist der einstige Kontrollbereich unter der Kraftwerkskuppel eine große Baustelle. "Unsere größte Herausforderung am Anfang ist, erstmal Raum zu schaffen und dort Behandlungs- und Zerlegungseinrichtungen aufstellen zu können", sagte Kaiser weiter.

So brauche es beispielsweise ausreichend Platz für eine Säge, die dann die abmontierten Teile - ob Rohre, Armaturen, Pumpen, Isolierungen, Dämmmaterial oder Stahlschrott - zerkleinern kann. Denn: Jedes noch so kleine Teil und jeder einzelne Eimer Bauschutt muss vorm Verlassen des Kontrollbereiches auf Strahlung kontrolliert werden. Das besagt die Strahlenschutzverordnung.

In Grafenrheinfeld sind das Kaiser zufolge etwa 330 000 Tonnen. Insgesamt rechnet der Kraftwerksleiter aus dem Bereich der Kraftwerkskuppel mit etwa 16 000 Tonnen Bauschutt, Metallschrott und Abfällen im Zuge der Rückbauarbeiten. Ein großer Teil davon könne durch Abwischen, Wasserstrahlen und Ultraschall dekontaminiert werden.

Fast 3500 Tonnen der 330 000 Tonnen, also rund ein Prozent der geplanten Gesamtmasse, müssen wahrscheinlich als radioaktive Abfälle auf dem Gelände gelagert werden, bis sie ab 2027 voraussichtlich in das Endlager Konrad gebracht werden sollen. Dafür wird noch bis Mitte 2020 eine Bereitstellungshalle gebaut.

Im kommenden Jahr sollen im Kraftwerk vor allem Maschinen abgebaut und zerlegt werden, die verfahrenstechnisch keinen Einfluss auf die Anlage haben, zum Beispiel Maschinen zum Spannen von Schrauben und Herausdrehen von Bolzen. Kaiser geht davon aus, dass 2019 etwa 250 Tonnen Schrott zusammenkommen werden.

Der Bund Naturschutz in Bayern (BN) befürwortet die Stilllegung des Kraftwerks, hat aber gegen die Art und Weise des vom Umweltministeriums genehmigten Rückbaus Klage eingereicht. Es dürfe nicht sein, dass der Kontrollbereich bereits abgebaut wird, obwohl noch alte Brennstäbe zum Abkühlen im Abklingbecken liegen, sagte Herbert Barthel, BN-Referent für Energie und Klimaschutz. Ein Gerichtstermin stehe noch nicht fest. Eine ähnliche Klage des BN gegen die Rückbaugenehmigung des ebenfalls stillgelegten Kernkraftwerkes Isar I bei Landshut wird aktuell vor dem Verwaltungsgerichtshof in München verhandelt.

Unzufrieden sind die Naturschützer auch damit, dass die von Strahlung frei gemessenen Stoffe - also beispielsweise Bauschutt und Metall - aus dem Atomrecht entlassen werden und so nicht rückverfolgbar auf dem freien Markt landen. "Das ist uns unheimlich, das macht uns Angst." Außerdem seien die gesetzlichen Grenzwerte dafür viel zu hoch.

Der Atommeiler im unterfränkischen Landkreis Schweinfurt war bis zu seiner Abschaltung im Sommer 2015 das älteste noch aktive Atomkraftwerk in Deutschland. Es war 33 Jahre im Dienst und hat in dieser Zeit 333 Milliarden Kilowattstunden Strom produziert. Noch immer arbeiten 200 Menschen der einst etwa 300-köpfigen Belegschaft beim AKW, das von PreussenElektra betrieben wird.