Schweinfurt
Gericht

Mittelfinger gegen Polizei wird teuer

Hat Kickers-Fan den Hitlergruß gezeigt?
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12. September 2018: Im Willy-Sachs-Stadion treffen im Toto-Pokalwettbewerb die Würzburger Kickers auf den FC Schweinfurt 05. Nach 90 Minuten plus Nachspiel für Unterbrechungen wegen Pyrotechnik-Einsatzes von Fußballfans sind die Gäste aus der Domstadt mit 3:1 besiegt - und einer ihrer Anhänger muss eine kleine polizeiliche Prozedur über sich ergehen lassen: Er habe Beamten, die nur wenige Meter von ihm entfernt standen, den Mittelfinger gezeigt, um seine Missachtung auszudrücken, wirft der Staatsanwalt dem 23-jährigen Physiotherapeuten am Montag vor dem Amtsgericht Schweinfurt vor.

Und: Der Kickers-Fan habe darüber hinaus mehrfach den Hitlergruß gezeigt, abwechselnd mit dem rechten und dem linken Arm. Das ist bei Strafe verboten und nennt sich "Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen".

"Choreo" statt Hitlergruß

Der Angeklagte bestreitet beide Vorwürfe. Den Mittelfinger habe er zwar gezeigt, aber nicht gegen die Polizisten, die das Risikospiel zu sichern hatten, sondern pauschal in Richtung der "gegnerischen" Schnüdel-Fans. Persönlich habe er jedenfalls niemanden beleidigen wollen. Und: Den Hitlergruß habe er schon gar nicht gezeigt, "weil ich so etwas nicht mache". Vielmehr habe er, weil er einen Bierbecher in der einen Hand hatte, die Fan-Choreografie - dreimal in die Hände klatschen, dann beide Hände in die Luft strecken - die "Choreo" nur mit einer Hand ausgeführt, indem er die freie Hand auf die Brust schlug und dann nach oben reckte. Ein Hitlergruß sei das nicht gewesen.

Zwei Polizisten sagen als Zeugen, für sie sei diese Handausstreckung schräg nach vorne und eben nicht ganz hoch in die Luft der Hitlergruß gewesen und der Mittelfinger ganz deutlich eine bewusste Beleidigung gegen sie als Beamte.

Teure Beleidigung

In welche Richtung die Hand nach oben ging, gegen die Sicherheitskräfte hinter der Tribüne oder Richtung Spielfeld im Rahmen einer "Choreografie", hat die Beweisaufnahme nach Ansicht von Staatsanwaltschaft, Verteidigung und am Ende auch des Amtsrichters aber nicht zweifelsfrei ergeben. Dieser Vorwurf wurde folglich eingestellt, nicht aber der Mittelfinger. Da sperrte sich die Staatsanwaltschaft. Vorstrafen hat der 23-Jährige nicht.

Der Vertreter der Anklage forderte wegen der erwiesenen Beleidigung der Polizisten im Dienst eine Geldstrafe von 15 Tagessätzen à 55 Euro. Der Verteidiger stellte die Höhe der Geldstrafe ins Ermessen des Gerichts.

Urteil ist rechtskräftig

Der Amtsrichter sagte: 20 Tagessätze à 55 Euro. 1100 Euro kostet den Kickers-Fan damit die Beamtenbeleidigung im Zuge eines Fußballspiels, das gegen Schnüdel-Rivalen auch noch verloren wurde.

Der Angeklagte ist einverstanden, das Urteil ist rechtskräftig. fan

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