Schweinfurt
Schlittenhunde-Camp

Mit vier Hundestärken unterwegs

Am Brönnhof, hoch im Schweinfurter Norden, treffen sich im Herbst Schlittenhunde-Freunde aus ganz Deutschland.
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von Martina Müller

Im Lagerfeuer knackt das Holz, ab und an durchbricht ein herzliches Lachen das leise Stimmengemurmel. Über der großen, herbstgelben Wiese am Waldrand liegt entspannte Ruhe. Die 25 grau-weißen Hunde tummeln sich im Gras. Einige haben sich zusammengerollt und schlafen.

In der Ferne schiebt sich langsam ein Wohnmobil mit Anhänger und Trainingswagen darauf über die Hügelkuppe. Kaum biegt das Gefährt auf die Wiese ein, stimmen die nordischen Hunde, die eben noch still vor sich hin dösten, ein vielstimmiges Heulen, Winseln, Bellen an. Sie zerren am "Stake out", wie die Anbindevorrichtung heißt, springen hoch - und der Fotograf ist froh, die Hunde gut und sicher "verankert" zu wissen.

Die Menschen begrüßen sich freundschaftlich mit Umarmungen und lockeren Sprüchen. Schnell ist die Gruppe komplett. Seit 20 Jahren kennen sich die Schlittenhundefreunde, die aus halb Deutschland zum jährlichen Treffen nach Unterfranken kommen. Zum vierten Mal sind sie am Rande des ehemaligen amerikanischen Truppenübungsplatzes Brönnhof im Landkreis Schweinfurt. Ein idyllischer Ort - ideal für die Schlittenhundsportler, "Musher" genannt, und das auch ohne Schnee.

Denn neben dem Erfahrungsaustausch und dem freundschaftlichen Zusammensein geht es am langen Oktoberwochenende um das gemeinsame Training mit Hunden und Gespannen. "Wir machen ein bisschen Urlaub", kommt es lachend aus der Menge. Urlaub mit 38 nordischen Hunden, wie die Huskys und Malamuten auch genannt werden.

Sie gehören zum Leben ihrer Besitzer, bestimmen den Alltag - nicht nur beim Treffen auf dem Brönnhof. Norbert Pelz aus Tauberbischofsheim zum Beispiel hat unten in seinem Wohnwagen Hundeboxen eingebaut. Seine drei Vierbeiner haben dort ihren Übernachtungsplatz auf Reisen. Fahrten mit dem typischen Trainingswagen macht Norbert Pelz allerdings nicht mehr. Dafür, sagt er, seien die zwei Huskys mittlerweile zu alt. Zum Treffen kommt er natürlich trotzdem - und läuft mit Snow, Youkon und dem rumänischen Straßenhund Mäx die sieben Kilometer lange Trainingsstrecke einfach ab.

"Die Hunde sind für uns Familienmitglieder", sagen Stefan und Claudia Schneider, die mit sieben Huskys aus dem Saarland angereist sind. Und aufgrund ihrer Gene und ihres Wesens wollen diese Familienmitglieder gefordert werden. Dazu brauche es Sachverstand, Intuition und Liebe, erzählen die Schlittenhundefreunde am Lagerfeuer - und manchmal auch Härte. Für jedes Rudel gebe es ganz bestimmte Regeln.

Während am Feuer noch lange über Fütterung und Reisen, Wetteraussichten und menschliche wie tierische Wehwehchen geplaudert wird, sind am fränkischen Himmel die Sterne aufgegangen. Die Hunde verkriechen sich in ihren Schlafboxen, irgendwann ziehen sich auch ihre Menschen in die Wohnwagen, Reisemobile oder Zelte zurück.

Der nächste Morgen. Gespannt bis in die Ohrenspitzen, jaulend, winselnd, hüpfend und zerrend, warten die nicht gerade geduldigen nordischen Hunde darauf, von ihren Besitzern endlich angeschirrt zu werden. Dass Rampucak, Noatak und Eywa jetzt endlich laufen möchten, machen sie mit jeder Faser ihres drahtigen Körpers klar. Aleu versucht ihrem Besitzer Wolfgang Jost über das Gesicht zu lecken, Kirima scharrt bereits am Trainingswagen mit der Pfote.

Und dann geht es los: Sieben Gespanne mit drei bis sieben Hunden verschwinden im kühlen Herbstwald. Augenblicklich umfängt frühmorgendliche Ruhe das Camp - bis nach einer halben Stunde wieder das Rollen von Reifen zu hören ist. Das erste Gespann ist zurück, die Zungen der Huskys hängen weit heraus. Die Hundeaugen blitzen, freudig wedeln die Schwänze.

Auch die kräftigen Malamuten des Dittelbrunners Sigi Feldmann warten schwitzend auf das, was nun immer folgt: Leckerli, Streicheleinheiten, Ausspannen. Feldmann hat das Schlittenhunde-Camp organisiert, gefahren wird quasi auf seiner Haustrainingsstrecke. Die Hunde gehören für ihn, wie für die anderen Musher auch, fast zur Familie.

Gut 30 Minuten dauert das Training. Dann treffen sich die Fahrer wieder am Lagerfeuer - lachend, fachsimpelnd, ein bisschen erschöpft. Aber mit diesem glücklich-zufriedenen Leuchten in den Augen, das dem ihrer Vierbeiner nicht unähnlich ist. Und dann ist das Gefühl wieder ganz greifbar: dass Schlittenhunde eine Lebenseinstellung sind.

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