Schweinfurt
Asylunterkunft

Wurden Frauen von Asylbewerbern belästigt? Vorwurf des Bürgermeisters sorgt für Wirbel

Die Vorwürfe wiegen schwer: Die Asylbewerber aus dem nahe gelegenen Ankerzentrum in Geldersheim belästigen mehrere Frauen. Sie haben sich darüber bei der Gemeinde beschwert, schreibt der Bürgermeister. Der Polizei sind keine Vorfälle bekannt.
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Frauen von Aslybewerbern belästigt? Im Ankerzentrum Geldersheim sind seit diesem Sommer rund 700 Asylbewerber untergebracht. Von einigen davon fühlen sich im benachbarten Euerbach mehrere Frauen belästigt.  Symbolfoto: Adobe Stock
Frauen von Aslybewerbern belästigt? Im Ankerzentrum Geldersheim sind seit diesem Sommer rund 700 Asylbewerber untergebracht. Von einigen davon fühlen sich im benachbarten Euerbach mehrere Frauen belästigt. Symbolfoto: Adobe Stock

Auf der Internetseite der Gemeinde Euerbach im unterfränkischen Landkreis Schweinfurt ist von Belästigungsvorwürfen gegenüber Asylbewerbern aus dem nahe gelegenem Ankerzentrum in Geldersheim die Rede. Doch gab es diese Vorfälle wirklich?

Mehrere Frauen fühlen sich von Asylbewerbern belästigt

Eine Mitteilung auf der Internetseite der Gemeinde Euerbach unter dem Stichwort "Ankerzentrum" führt aktuell zu Diskussionen in den sozialen Netzwerken - dies berichtet der Bayerische Rundfunk. Laut Euerbachs Bürgermeister Arthur Arnold (CSU) haben sich mehrere Frauen von Asylbewerbern aus dem benachbarten Ankerzentrum belästigt gefühlt und sich deswegen an die Gemeinde gewandt.

Das zuvor in Schweinfurt ansässige Ankerzentrum wird vom Freistaat Bayern betrieben und ist seit diesem Sommer in den Conn-Barracks in Geldersheim untergebracht. In der Einrichtung leben derzeit rund 700 Menschen. Aufgrund der Nähe zum Euerbacher Gewerbegebiet nutzen viele der Asylbewerber die Geschäfte vor Ort zum Einkaufen. Das Ankerzentrum war bereits im Juni diesen Jahres in den Schlagzeilen: Damals hatten sich 40 Flüchtlinge auf den Weg zur nahe gelegenen JVA gemacht, nachdem ein Mitbewohner inhaftiert worden war. Es kam zu einem größeren Polizeieinsatz.

Bürgermeister von Euerbach: "Frauen werden von Asylbewerbern angesprochen und bedrängt oder bedroht"

In dem nun diskutierten Onlinebeitrag vom 30. August 2019 wendet sich Bürgermeister Arnold an die Bürger Euerbachs und macht die ihm zugetragene Belästigungsvorwürfe gegenüber Asylbewerbern öffentlich. "In der jüngsten Vergangenheit wurden vor allem Frauen von Asylbewerbern angesprochen und bedrängt oder bedroht. Mehrere Frauen haben sich deshalb an die Gemeinde gewandt", schreibt Arnold.

Polizei liegen keine Mitteilungen über begangene Straftaten vor

Wie das Polizeipräsidium Unterfranken auf Nachfrage von inFranken.de mitteilte, sind der Polizei jedoch keine derartigen Belästigungsvorfälle bekannt. "Mitteilungen durch Bürger über begangene Straftaten durch die insgesamt rund 700 Bewohnerinnen und Bewohner des Ankerzentrums, z.B. wegen Bedrohungen oder Gewaltdelikten, sind bei der Schweinfurter Polizei nicht eingegangen", heißt es in einer schriftlichen Mitteilung des Polizeipräsidiums, die inFranken.de vorliegt.

Die strafrechtlich relevanten Vorfälle und Einsätze in Euerbach beschränken sich in erster Linie auf Diebstahlsdelikte, Beleidigung oder Lärmbelästigung. Durch die Gewerbetreibenden in Euerbach wurden in den vergangenen Monaten sechs Ladendiebstähle zur Anzeige gebracht. Bei weiteren Diebstahlsdelikten handelt es sich um einen Fahrraddiebstahl, einen Diebstahl aus einem Auto und die Entwendung eines Rucksacks in einer Tankstelle. Die Polizei ermittelt ferner wegen des Verdachts der Beleidigung einer Kassiererin durch einen Zuwanderer. Die Kassiererin hatte den Mann zuvor des Diebstahls bezichtigt, was sich letzten Endes jedoch als ungerechtfertigt erwies. In elf Fällen führten Mitteilungen von Anrufern zu Polizeieinsätzen vor Ort. Dabei ging es um Zuwanderer, von denen sich Anwohner gestört fühlten. Hierbei spielten Alkoholisierung, Verschmutzung oder Lärmerzeugung eine Rolle.

"Sicherheit ist gewährleistet" - doch Polizei nimmt Empfindungen der Bürger ernst

"Auf Basis unseres ständig aktualisierten Lagebildes stellen wir fest, dass die Sicherheit in Euerbach gewährleistet ist", heißt es in einer offiziellen Einschätzung der Polizeiinspektion Schweinfurt. Laut Mitteilung sei es aber sehr gut nachvollziehbar, dass die objektive Sicherheitslage nicht immer mit dem subjektiven Empfinden der Menschen übereinstimme. Gleichzeitig versichert die Polizei, dass sie die Empfindungen der Bürger ernst nimmt. So habe die Polizeiinspektion Schweinfurt zur Stärkung des Sicherheitsgefühls ihre Streifentätigkeit an den entsprechenden Orten verstärkt.

Bürgermeister verteidigt Statement - "in Absprache mit der Polizei" entstanden

Gegenüber dem Bayerischen Rundfunk verteidigte der Bürgermeister seinen Onlineeintrag. Arnold nehme die Befürchtungen der Bevölkerung sehr ernst und habe darauf reagiert. Der Eintrag sei "in Absprache mit der Polizei" entstanden. "Die Polizei begleitet uns und kümmert sich. Sie ist präsent, um dem Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung zu entsprechen", wird Arnold auf der Webseite des BR zitiert. Dass es sich nicht um tatsächliche Bedrohungen, sondern nur um subjektive Wahrnehmungen einiger Bürger handele, sei möglich. Die Polizei habe ihm ihre Ergebnisse aber noch nicht mitgeteilt. Aus diesem Grund habe er den Eintrag auch nicht verändert.

In Brandenburg sehen sich Flüchtlinge indes vielfach Hetze und Angriffen ausgesetzt. Bundesweit hat die Polizei im ersten Halbjahr 2019 über 600 Straftaten registriert, die sich gegen Flüchtlinge oder Asylbewerber richteten.rw

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