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Sömmersdorf
Konflikt

Drohbriefe gegen Anwohner

Der Interessenskonflikt in Sömmersdorf zwischen einigen Bürgern und der Dorfgemeinschaft um die Passionsspielbühne hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Jetzt geht es um eine Straftat.
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Hinter dem Zeltdach über dem Passionsspielgelände in Sömmersdorf liegen die Häuser der Anwohner, die wegen der Lärmbelastung gegen die Bespielung der Waldbühne außerhalb des Passionsjahres vorgehen. Der Interessenskonflikt ist inzwischen eskaliert. Die Betroffenen erhielten jetzt Drohbriefe.  Foto: Anand Anders
Hinter dem Zeltdach über dem Passionsspielgelände in Sömmersdorf liegen die Häuser der Anwohner, die wegen der Lärmbelastung gegen die Bespielung der Waldbühne außerhalb des Passionsjahres vorgehen. Der Interessenskonflikt ist inzwischen eskaliert. Die Betroffenen erhielten jetzt Drohbriefe. Foto: Anand Anders

Eine neue, beängstigende Dimension nimmt der Konflikt um die Passionsspielbühne in Sömmersdorf (Landkreis Schweinfurt) an. Einige der Anwohner, die sich gegen die Bespielung der Waldbühne außerhalb der Passionsspielzeit alle fünf Jahre zur Wehr setzen, erhielten Drohbriefe mit schlimmen Anfeindungen und Beleidigungen. Sie haben Strafanzeige erstattet. Die Polizei ermittelt.

Im Dezember, kurz vor Weihnachten, waren erstmals anonyme Drohbriefe an verschiedene Anwohner der Freilichtbühne verschickt worden. Die Verantwortlichen des Passionsspielvereins hatten sich damals sofort öffentlich von diesen Schreiben distanziert und den Verfasser aufgefordert, "derartige Aktionen zukünftig zu unterlassen". Damit glaubte man, die Sache sei vom Tisch.

Nun sind erneut Drohbriefe an einige Anwohner versandt worden. In der örtlichen Faschingssitzung wurde es publik gemacht. Der Redaktion liegt ein solches Schreiben vor. Von "Verräterschwein" ist darin die Rede. Dem Adressaten wird Krankheit gewünscht und unverhohlen gedroht, dass er und seine Familie in Sömmersdorf keine Ruhe mehr finden würden.

Polizei sichert Spuren

"Das erfüllt ganz klar den Tatbestand der Beleidigung und Nötigung", sagt die Polizei. Das ist kein Kavaliersdelikt mehr. "Wer einen Menschen rechtswidrig mit Gewalt oder durch Drohung mit einem empfindlichen Übel zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung nötigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft", heißt es im Strafgesetzbuch.

Die Polizei steht aktuell noch am Anfang ihrer Ermittlungen, vernimmt Zeugen, sichert Spuren an den mit der Post verschickten Briefen. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Täter aus Sömmersdorf kommt.

Was ist los in dem 700-Einwohner-Dorf? Seit dem Bau der neuen Überdachung des Passionsspielgeländes 2018 schwelt ein Interessenskonflikt zwischen einigen Anwohnern und der Dorfgemeinschaft.

Das 3,4 Millionen Euro teure gewölbte Zeltdach ist mit hohen Fördergeldern von EU, Freistaat, Bezirk, Landkreis, Diözese und Gemeinde gebaut worden und deshalb mit einer Zweckbindung versehen. Die Anlage muss regelmäßig kulturell genutzt werden, und zwar nicht nur, wie bislang, alle fünf Jahre für die Fränkischen Passionsspiele, sondern jährlich mit eigenen Inszenierungen oder anderen kulturellen Veranstaltungen. Das aber wollen einige Anwohner verhindern, weil für sie die mit den Aufführungen einhergehenden Lärmbelastungen nicht tolerierbar sind und sie ihre Gesundheit bedroht sehen.

Verein distanziert sich

Dass die unliebsamen Anwohner nun aber auf diese Weise eingeschüchtert und bedroht werden, das geht den Sömmersdorfern zu weit. In den Sozialen Netzwerken verurteilten viele Bürger die anonyme Aktion.

Der Passionsspielverein verweist auf seinen schon im Dezember an alle Sömmersdorfer Haushalte verschickten Brief, in dem er sich "in aller Deutlichkeit von den schlimmen Beleidigungen und Anfeindungen" distanziert. Hier seien "viele Grenzen weit überschritten" worden, heißt es darin. Auch wenn verschiedene Ansichten aufeinander prallten, sei es wichtig, anständig und respektvoll miteinander umzugehen.

"Lasst bitte die Kirche im Dorf!", appellieren die Verantwortlichen an die Bevölkerung. Unterzeichnet haben den Brief die drei neuen Vorsitzenden Dieter Mergenthal, Johannes Gessner und Norbert Mergenthal, die seit November 2019 im Amt sind und das "ehrgeizige Ziel" haben, die unterschiedlichen Standpunkte zu verbinden. Ein wertschätzender Umgang miteinander ist ihnen dabei wichtig.

Dass der Interessenskonflikt solche Auswüchse treibt, macht auch den ehemaligen Vorsitzenden des Passionsspielvereins, Robert König, tief betroffen. "Ich verabscheue das. Das geht zu weit." Der anonyme Briefeschreiber habe dem Passionsspielverein damit einen Bärendienst erwiesen.

Denn solche Aktionen machten es nun noch schwieriger, zwischen Anwohnern und Dorfgemeinschaft zu vermitteln. Diese Entwicklung sei für das ganze Dorf nicht gut. Dass die betroffenen Anwohner Anzeige erstattet haben, sei völlig richtig, sagt Robert König.

Sie fürchten "um Leib und Leben"

Bei den Anwohnern geht nun die Angst um. Angst um das eigene Wohl, um das der Familie, um das der Haustiere, um Haus und Hof. "Es geht um Leib und Leben", so ein Betroffener. Irene Spiegel