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Der FC 05 Schweinfurt will mit Macht hoch

Zuletzt haben die Schweinfurter vergeblich Richtung Dritte Liga geschielt. Warum es diesmal mit einem erneuerten Kader klappen soll.
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Der Regionalliga-Kader des FC 05 Schweinfurt - hinten von links: Co-Trainer Jan Gernlein, Lukas Ramser, Adam Jabiri, Nicolas Reinhart, Aaron Manu, Lukas Billick, Lamar Yarbrough, Nicolas Pfarr, Christian Köppel, Florian Pieper, Mannschaftsarzt Dr. Matthias Blanke; mittlere Reihe: Cheftrainer Timo Wenzel, Athletik-Trainer Christian Hasler, Torwart-Trainer Norbert Kleider, Stefan Maderer, Ronny Philp, Stefan Kleineheismann, Marco Fritscher, Pius Krätschmer, Tim Danhof, Emir Bas, Julius Landeck,...
Der Regionalliga-Kader des FC 05 Schweinfurt - hinten von links: Co-Trainer Jan Gernlein, Lukas Ramser, Adam Jabiri, Nicolas Reinhart, Aaron Manu, Lukas Billick, Lamar Yarbrough, Nicolas Pfarr, Christian Köppel, Florian Pieper, Mannschaftsarzt Dr. Matthias Blanke; mittlere Reihe: Cheftrainer Timo Wenzel, Athletik-Trainer Christian Hasler, Torwart-Trainer Norbert Kleider, Stefan Maderer, Ronny Philp, Stefan Kleineheismann, Marco Fritscher, Pius Krätschmer, Tim Danhof, Emir Bas, Julius Landeck, Physiotherapeut Daniel Lommel, Physiotherapeut Thomas Reinl, Betreuerin Hanne Schneider, Physiotherapeut Arben Krasniqi; vorne: Benedict Laverty, Gianluca Lo Scrudato, Sascha Korb, Jan Reichert, Luis Zwick, Andreas Binner, Kevin Fery, Amar Suljic und Mohamad Awata. Jessica Oldenburger

Trainer Timo Wenzel ist zwar in den sozialen Medien unterwegs. Über die eigene Mannschaft will er aber so wenig wie möglich lesen. "Positives ist schön, Negatives zieht runter", sinniert er, vorgebend, dass ihn die vorsichtige, aber spürbare Euphorie im Umfeld des FC 05 Schweinfurt noch nicht erreicht habe. "Ist die Stimmung positiv, dann geht's auch der Mannschaft gut. Verantwortlich dafür, dass das so ist und bleibt, ist sie aber selbst mit guten Leistungen." Die sollen diesmal zum Regionalliga-Titel und Drittliga-Aufstieg reichen.

Der 41-Jährige, der beim FC 05 in seine zweite Saison geht, weiß auch, wie schnell die Stimmung in Schweinfurt kippen kann. Deswegen sei ein Erfolg im ersten Spiel wichtig. Am Montagabend (20.15 Uhr) geht's los, mit dem Derby gegen den mit ehemaligen Schweinfurtern gespickten TSV Aubstadt. Wenn trotz der Live-Übertragung auf Sport 1 deutlich über 3000 Zuschauer erwartet werden - die es nicht gleich zu enttäuschen gilt. "Wir werden alles geben, um am Ende auf Platz 1 zu stehen."

"Ich vergebe uns da die Note 2,5", sagt der Trainer. "Sie war gut, aber nicht optimal." Er meint damit, dass mit Pius Krätschmer, Benedict Laverty und Mohamad Awata drei Akteure erst zwei Wochen nach Trainingsauftakt zum Kader stießen, weil sie noch Relegation zu spielen hatten.

Zudem waren Tim Danhof, Christian Köppel, Aaron Frimpong Manu und Lamar Yarbrough längere Zeit angeschlagen, konnten nicht voll belasten. "Aber die Einheiten haben wir immer hundertprozentig durchziehen können, auch wenn es mal nur mit 18 Spielern war." Neu im Team stehen inklusive der aufgerückten zwei A-Jugendlichen 15 Akteure.

15 Neue, zwölf Abgänge, macht ein Plus von drei. Und möglicherweise werden die Schweinfurter noch mal aktiv. Präsident Markus Wolf und Sportleiter Björn Schlicke haben mehrfach betont, den Markt zu sondieren. Doch es ist nicht nur der Zugewinn an Quantität, sondern vor allem der an Qualität, der Wenzel gefällt: "Wir haben uns richtig gut verstärkt. Wenn es nach 60 Minuten nötig ist, können wir offensiv Eins zu Eins tauschen, ohne Qualitätsverlust."

Das war in der letzten Saison nicht so. Der Kader ist definitiv zielgerichteter aufgebaut worden, auf bekannte Namen mit absteigender Leistungskurve wurde verzichtet, stattdessen auf Jugend und gute Ausbildung in Profi-Klubs geachtet. Wenzel kann offensiv variabel spielen lassen, mit ein, zwei, oder drei Spitzen und schnellen Außen.

Ein paar Prozentpunkte zieht Wenzel in der Defensive ab. Im Abwehrzentrum gibt's mit Lukas Billick und Stefan Kleineheismann zwar jede Menge Erfahrung. Doch es besteht auch die Gefahr, dass die beiden nicht alle Partien absolvieren können. Man habe mit Lamar Yarbrough universell einsetzbare Kräfte, doch müssen die sich erst einspielen auf der vakanten Position. "Wenn wir eine Schwachstelle im Saisonverlauf bekommen können, dann ist es die, dass ein Defensivspieler mal da ran muss, wo er zuvor fünf, sechs Wochen nicht gespielt hat."

Aus seinem bevorzugten System macht der Coach keinen Hehl: 4-2-3-1. Und das, obwohl er gerne mit zwei oder drei Spitzen spielen würde. 3-5-2 ist Alternative Nummer eins, "aber dazu braucht es Spieler mit Pferdelungen" und die sind nur begrenzt vorhanden. Adam Jabiri ist trotz seiner 35 Jahre ein Stürmer, der ein, zwei Gegner bindet. Mit Stefan Maderer, Florian Pieper oder Mohamad Awata können andere Angreifer in die Lücke stoßen. Oder auch schnelle Außenbahn-Spieler wie Marco Fritscher oder Benedict Laverty. Für den Fall der Fälle hat Wenzel die Fünferkette auf Lager: Beim TSV Buchbach mit seinem engen Platz könnte sie erste Wahl sein.

Mit dem FC Bayern München II ist der Meister raus aus der Liga, kein bayerischer Drittligist ist runtergekommen. Vizemeister VfB Eichstätt hat viele Abgänge zu verkraften. Auf den ersten Blick sieht das Feld gemacht aus für den FC 05. Wenn da nicht dieser ambitionierte Aufsteiger Türkgücü München wäre. 19 neue Spieler, überwiegend aus Dritter Liga und Regionalliga, hat das Team des Ex-Löwen-Trainers Rainer Maurer verpflichtet und sich den Durchmarsch zum Ziel gesetzt. Tolle Testspiel-Ergebnisse wie das 4:0 gegen den bulgarischen Europa-League-Qualifikanten Levski Sofia sprechen für sich. "Eine Top-Mannschaft mit Top-Qualität" urteilt Wenzel, der jedoch in Sachen Teamgeist ein Plus bei den Seinen sieht.

Aber auch die SpVgg Bayreuth und Wacker Burghausen haben sich gezielt verstärkt, angesichts der Chance, dass diesmal die Meisterschaft auch Aufstieg bedeutet. Den FC 05 mit eingerechnet, dürfte ein Quartett auf Titeljagd gehen. Ein Quartett, gegen das der Rest der Liga gern 110 Prozent für eine Überraschung gibt.

Bei den Schweinfurtern wird es darauf ankommen, wie sie sich gegen Teams aus dem unteren Tabellendrittel mental durchsetzen. Wenn sich die Favoriten gegenseitig die Punkte nehmen, wird die Konstanz über den kompletten Spielplan entscheiden. Letzte Saison haben die Nullfünfer genau da versagt.

Dass der aus Rathenow (Regionalliga Nordost) gekommene Luis Zwick die neue Nummer eins ist, daran besteht kein Zweifel. In der Innenverteidigung sollten mit Stefan Kleineheismann und Lukas Billick der Kapitän und sein Stellvertreter gesetzt sein. Rechts hinten hat Marco Fritscher beste Chancen, gleichwohl er auch für die Außenbahn in Frage kommt. Links hinten hat aktuell Gianluca Lo Scrudato die besten Karten. Wenn Ex-Löwe Christian Köppel fit ist, wird er wohl ins Team rücken. Die Doppelsechs ist an den "Ur-Schweinfurter" Kevin Fery und den aus Worms gekommenen Kämpfer Sascha Korb vergeben. Letzterer dürfte zum Leitwolf avancieren.

Rechtsaußen hat Benedict Laverty (aus Heimstetten) sich ins Team gespielt; links spielt bei einem 4-2-3-1 Stefan Maderer. Vorne bleibt Adam Jabiri erste Wahl, mit den bevorzugten Tauschkandidaten Florian Pieper und Mohamad Awata (Heimstetten). Zentral könnte der Ex-Rosenheimer Pius Krätschmer einen schussgewaltigen Zehner geben. Der 22-Jährige ist von den Neuzugängen die positivste Überraschung.

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