LKR Schweinfurt
Wiesen-Auktion

Bürgermeister hat Pachtrechte versteigert

Im Ratssaal der Gemeinde Wipfeld ging es zu wie im Auktionshaus Sotheby's: "Wer bietet 150 Euro, 150 sind geboten, wer bietet mehr - 160, 170, 200, zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten." Das Einzige, was noch fehlte, war der Hammerschlag auf den Tisch.
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Mähen in den Mainwiesen: Die Pachtrechte wurden versteigert.  Symbolfoto: dpa
Mähen in den Mainwiesen: Die Pachtrechte wurden versteigert. Symbolfoto: dpa
Auf den verzichtete Wipfelds Bürgermeister Tobias Blesch, der in die Rolle des Auktionators geschlüpft war. Zur Versteigerung standen weder das Wipfelder Tafelsilber noch die Neubesetzung der Ratsausschüsse, sondern die Mainwiesen der Gemeinde. Sie sind neu verpachtet worden, und so manchem der Anwesenden im Ratssaal schien das nicht wirklich zu gefallen.
Nicht, weil nicht alle in den Genuss kamen, nun die Wiesen bewirtschaften und die entsprechende Ernte einfahren zu dürfen. Sondern weil sie mit diesem Verfahren schlichtweg nicht einverstanden waren.
Hintergrund ist, dass in der Amtszeit von Peter Zeißner, dem ehemaligen Bürgermeister der Gemeinde, die seit 1826 verbrieften Rechte der "Rechtler", auf fünf Gemeindewiesen beidseits des Mains Heu zu machen, seitens der Gemeinde für erloschen erklärt worden waren.

Gutachten der Kommunalaufsicht

Zeißner stützte sich dabei auf ein Gutachten von der Kommunalaufsicht im Landratsamt, das diese Rechte tatsächlich für erloschen ansieht. Entsprechend "ist das hier heute eine Neuordnung", sagte Blesch vor der Versteigerung.
Womit sich nicht alle Anwesenden zufriedengaben. Es stehe noch ein Gerichtsurteil aus, so dass sich durchaus noch Änderungen ergeben könnten, so die Argumentation seitens der Anwesenden. Das, so Blesch, sei ihm bewusst, "niemand weiß, wie das Gericht entscheidet, und bis dahin gehen wir davon aus, dass unser Vorgehen rechtens ist".
Dieses "Vorgehen" bedeutet, dass die Gemeinde mit der althergebrachten Weiterverpachtung nicht einverstanden ist. Bislang hatten die jeweiligen "Rechtler" das Recht auf das Mähen der Wiesen immer weiter verpachtet, "es gab sogar so etwas wie ein Rotationsprinzip", sagte der Bürgermeister im Gespräch mit dieser Zeitung. Übergangsweise durften die damaligen Pächter die Wiesen auch weiter pachten, aber dann von der Gemeinde als Eigentümer der Wiesen. Nun hat die Gemeinde die Pachtrechte für erloschen erklärt und sie für eine Pachtzeit von neun Jahren angeboten. Das Mindestgebot lag bei 150 Euro pro Hektar Fläche, die pro Jahr fällig sind.
Einige Wiesen gingen auch mit diesem Mindestgebot an die neuen Pächter, doch mehrfach gab es auch weitaus höhere Gebote. So manche Wiese, immer aufgeteilt nach Flurstücken, ging auch für 350 Euro weg, einige Male gab es auch Sprünge nicht im Zehner-, sondern Fünfziger-Bereich, und die begehrtesten Wiesen kosten die Pächter bald 400 und mehr Euro pro Hektar und Jahr. gch
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