Lülsfeld
Interview

Borussia auf der Brust, SG im Herzen

Die SG Rimbach/Lülsfeld darf in der A-Klasse 3 SW als Zweiter zur Winterpause vom Aufstieg in die Kreisklasse träumen. Großen Anteil daran besitzen die Brüder Benjamin (22) und Markus Anger (19), die beide sieben Mal getroffen haben.
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Mönchengladbach und Dortmund trennt sie, gemeinsam halten sie aber das Trikot der SG Rimbach/Lülsfeld hoch: Die Brüder Markus und Benjamin Anger haben für die Spielgemeinschaft bereits je sieben Mal in dieser Saison getroffen. Fotos: Timo Grembler
Mönchengladbach und Dortmund trennt sie, gemeinsam halten sie aber das Trikot der SG Rimbach/Lülsfeld hoch: Die Brüder Markus und Benjamin Anger haben für die Spielgemeinschaft bereits je sieben Mal in dieser Saison getroffen. Fotos: Timo Grembler
In der vergangenen Runde kämpfte die SG Rimbach/Lülsfeld lange Zeit um den Klassenerhalt. Das hat sich grundlegend geändert. Im Doppel-Interview sprach Die Kitzinger mit den Brüdern Benjamin (22) und Markus Anger (19).

Vor einem Jahr musste die SG Rimbach/Lülsfeld zur Winterpause um den Klassenerhalt zittern. Nun steht sie punktgleich mit der DJK Traustadt auf Rang zwei. Wie ist dieser Höhenflug zu erklären?
Benjamin Anger: Letzte Saison waren in den ersten fünf Spielen fünf wichtige Stammspieler verletzt und unser Kader war nicht so stark besetzt wie jetzt, so dass wir das nicht so einfach kompensieren konnten. Wir arbeiten gut als Mannschaft zusammen, verstehen uns alle neben dem Platz gut und gehen auch oft abends zusammen weg. Wir hatten letztes Jahr schon eine Mannschaft, die nicht gegen den Abstieg hätte spielen dürfen. Natürlich liegt das auch an unserem Trainer, der ein super Motivator ist.
Markus Anger: Vergangene Saison hatte in vielen Spielen einfach auch das Glück gefehlt. Wir waren selten schlechter als der Gegner oder sogar besser. Diese Saison läuft es einfach optimal: Gute Stimmung, tolle Fitness - und auch mal das Glück, ein Spiel 1:0 zu gewinnen.

Im Oktober 2010 löste Thomas Kleedörfer den glücklosen Gerhard Schulzki ab. Was macht er anders als sein Vorgänger und welche Philosophie will er den Spielern vermitteln?
Benjamin Anger: Er versucht, die Defensive zu stärken, dass wir hinten erst mal kein Tor bekommen. Wir sollen Spaß am Fußball haben - das ist das Wichtigste. Die Ergebnisse kommen von ganz alleine. Und wie gesagt: Er ist ein Motivator. Er versteht es, die Jungs auf das bevorstehende Spiel heiß zu machen.
Markus Anger: Der neue Trainer hat mit uns viel an unserer Fitness gearbeitet, dass wir ein Spiel auch mal über den Einsatz entscheiden können. Aber auch wie mein Bruder schon gesagt hat: In der Defensive erst mal gut stehen und kein Gegentor bekommen.

Die bislang einzige Niederlage gab es im Spitzenspiel beim 1:3 gegen Traustadt. War das Ergebnis aus eurer Sicht verdient?
Benjamin Anger: Die Niederlage war aus meiner Sicht verdient, denn sie waren an diesem Tag einfach bissiger als wir und wollten den Sieg. Bis zum 1:0 waren wir die bessere Mannschaft, aber danach haben sie uns den Schneid abgekauft. Ich bin mir aber sicher, mit einer normalen Leistung von uns im Rückspiel, haben wir eine Chance.
Markus Anger: Bei dem Spiel hatte ich persönlich noch mit einer Verletzung im Oberschenkel Probleme und bin zur Halbzeit vom Trainer ausgewechselt worden. Ihre Taktik, weite Bälle auf ihre zwei starken Stürmer zu schlagen, war damals sehr effektiv.

Mit erst 15 Gegentreffern hat die SG die zweitbeste Abwehr der Liga. Was macht euch defensiv so stark?
Benjamin Anger: Zum einen unsere beiden Manndecker Julian Hermann und Daniel Saukel, die gehören in meinen Augen zu den stärksten der Liga. Die beiden möchte ich nicht als Gegenspieler haben. Aber auch, weil die ganze Mannschaft mit nach hinten arbeitet, das fängt schon bei den Stürmern und im Mittelfeld an.

Mit 37 Toren hinkt die SG jedoch den anderen Spitzenteams deutlich hinterher. Woran liegt es, dass die Trefferquote zu wünschen übrig lässt?
Benjamin Anger: Wir lassen ziemlich viele Großchancen liegen, das war auch schon letzte Saison unser Manko. Außerdem war mein Bruder immer wieder mal verletzt oder angeschlagen und hat selten durchgespielt. Deswegen bin ich mir sicher, dass er in der Rückrunde noch das ein oder andere Tor mehr macht. Aber auch ich habe mir noch ein paar Tore für die Rückrunde vorgenommen.
Markus Anger: Unsere Chancenverwertung ist nicht gerade die beste, aber daran arbeiten wir im Training. Aber solange wir die drei Punkte einfahren, ist alles in Ordnung.

Trotz Ihrer erst 22 Jahre sind Sie Spielführer der SG. Wie füllen Sie diesen Job auf und neben dem Platz aus?
Benjamin Anger: Wir haben eine insgesamt junge Truppe. Mit vielen spiele ich bereits seit meiner Jugend zusammen. Auf dem Platz versuche ich die Leute aufzubauen, wenn es mal nicht so läuft oder wir in Rückstand sind. Neben dem Platz gehören kleinere Organisationsarbeiten und auch die Kommunikation mit den Mitspielern dazu, was ihnen vielleicht gerade gut gefällt oder nicht gefällt. Ich muss sagen, es macht mich sehr stolz, der Kapitän dieser Mannschaft zu sein.

Wie ist es, mit seinem Bruder zusammen in einer Mannschaft zu spielen?
Benjamin Anger: Wir verstehen uns nicht immer und sind auch nicht immer einer Meinung. Aber er ist ein wichtiger Spieler für uns durch seine Schnelligkeit. Ich bin froh, dass er bei uns spielt. Wenn er gefoult wird, bin ich natürlich an vorderster Front, um ihn zu verteidigen (lacht).
Markus Anger: Naja, wie gesagt, wir sind nicht immer gleicher Meinung, das merkt man auch manchmal im Training. Aber auf dem Platz läuft es immer gut und ich bin sehr froh, wenn mein Bruder mir mit seinen guten Pässen in den Lauf meine Tore einleitet.

Gibt es manchmal zu Hause Zoff oder Diskussionen zwischen euch, wenn der eine mal auf dem Platz einen Fehler gemacht hat, oder ist mit dem Schlusspfiff alles abgehakt?
Benjamin Anger: Na klar gibt es Diskussionen, wenn einer eine gute Torchance liegen lässt oder nicht nochmal quer legt vorm Tor. Aber ich glaube, das ist bei allen Brüdern, die zusammen spielen, so.
Markus Anger: Wir reden nach jedem Spiel über unsere Aktionen. Manchmal loben wir uns gegenseitig, aber wir sagen uns gegenseitig auch, was der andere nicht so gut gemacht hat. Die beste Kritik ist meistens die von meinem Bruder.

Was denkt Ihr, was mit der SG in dieser Saison noch möglich ist? Ist der Aufstieg bei den Spielern ein Thema?
Benjamin Anger: Wenn man auf Platz zwei zur Winterpause steht, ist das klar ein Thema in der Mannschaft. Es kommt vieles auf die ersten beiden Spiele gegen Hausen und Grafenrheinfeld an. Wenn wir da punkten können, ist sicherlich viel möglich diese Saison. Allerdings habe ich aus der Vergangenheit gelernt, dass man nicht so auf den Putz hauen sollte.
Markus Anger: Wir möchten einfach Spaß am Fußball spielen haben, wenn man dabei aufsteigt, wäre das natürlich super.

Wen seht Ihr als stärksten Konkurrenten im Kampf um Platz eins und zwei? Die ersten vier Teams liegen derzeit ja nur zwei Punkte auseinander.
Benjamin Anger: Aus meiner Sicht ist das Traustadt und Grafenrheinfeld. Bei Hausen und Dürrfeld weiß ich nicht, wie konstant diese beiden sein können.
Markus Anger: Das sehe ich genauso. Grafenrheinfeld und Traustadt sind die stärksten Konkurrenten.

Was sind eure persönlichen Ziele für die Rückrunde?
Benjamin Anger: Einen guten Fußball spielen und so viele Punkte wie möglich holen, dann sieht man, was am Ende dabei raus kommt. Und auch das eine oder andere Tor schießen oder vorbereiten.
Markus Anger: Möglichst viele Erfolge mit der Mannschaft feiern. Und natürlich als Stürmer auch viele Tore schießen.

Sollte es mit dem Aufstieg in den nächsten Jahren nicht klappen, wäre dann ein Wechsel zu einem höherklassigen Verein für euch eine Option?
Benjamin Anger: Zurzeit läuft es gut, und wenn ich mit meinem Heimatverein die Chance bekomme, aufzusteigen, werde ich nicht wechseln. Im Moment will ich Erfolg mit der SG Rimbach/Lülsfeld haben und ich bin mir sicher - der wird kommen. Aber man sollte niemals nie sagen.
Markus Anger: Gute Frage. Am liebsten würde ich natürlich mit der SG höherklassig kicken, wenn das nicht klappt und ich eine sehr gute Verfassung hätte, wäre ich nicht abgeneigt.

Die Fragen stellt unser Mitarbeiter Timo Gembler.

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