LKR Schweinfurt
Freilichtbühne

Mit Kraft und Schwindelfreiheit

Die markanten Trichterschirme wurden letztmals in Sömmersdorf aufgebaut.
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Nichts für Menschen mit Höhenangst: die Arbeit auf den Trichterschirmen. Foto: Silvia Eidel
Nichts für Menschen mit Höhenangst: die Arbeit auf den Trichterschirmen. Foto: Silvia Eidel
Zum letzten Mal haben die Sömmersdorfer die neun großen Trichterschirme am Passionsspielgelände hochgezogen. 25 Männer und eine Frau waren im Einsatz, damit die Zuschauer beim
Sommertheater unter freiem Himmel gut geschützt sind. Für die Aufführung von "Don Camillo und das rothaarige Mädchen" im Juli und August haben die Mitglieder des Vereins Fränkische Passionsspiele wieder für einige Monate ein mobiles Dach gebaut.
Es soll das letzte Mal sein, bevor voraussichtlich im nächsten Jahr eine feste, muschelförmige Überdachung den Zuschauerraum an der Freilichtbühne im Münsterholz überspannt. Wenn die Finanzierung für das 2,5 Millionen Euro-Projekt gelingt. Aber Vereinsvorsitzender Robert König bleibt da trotz mancher Rückschläge optimistisch.
Er ist mit fast 30 anderen Sömmersdorfern am Karsamstag zur Robert-Seemann-Halle gekommen, um die letzten drei Schirme mit einem Durchmesser von zwölf und 14 Metern aufzubauen. "Die Leute waren vor zwei Wochen so schnell und so fleißig", freut er sich darüber, dass schon sechs Schirme stehen.
Etwa eineinhalb Stunden dauert ein Schirmaufbau. Drei Wochenenden waren insgesamt dafür angesetzt, den Zuschauerraum herzurichten, inklusive des Montierens der 1900 Schalensitze. "Wir wollen fertig sein, bevor die Proben draußen beginnen."
Die ersten fünf markanten, trichterförmigen Schirme hatte der Verein 1988 gekauft, erinnert sich Robert König, fünf Jahre später kamen zwei weitere hinzu, die letzten zwei dann 2008. "Am Anfang sind wir nur mit der Leiter hochgestiegen", schaut er auf die Metallgestelle mit den zehn Streben in luftiger Höhe. Seit fast 20 Jahren stehen nun Hebebühne und Hubwagen zur Verfügung, mit denen sich einige Höhenerprobte emporheben lassen. Während diese gut mit Bergsteigerausrüstung gesichert und angeleint in den Schirmen in etwa acht bis zehn Metern Höhe herumklettern, wird unten am Boden die riesige, schwere Plane für den nächsten Schirm ausgebreitet. Sie wird um den Metallpfosten des Schirmgestells gelegt; in der Mitte wird das viele Zentner schwere Stück zu einer runden Fläche zusammengeschraubt.


Bodentrupp mit 20 Männern

Zehn Seile werden an den jeweiligen Sprossen außen am Schirmgestell an Flaschenzügen eingehängt, mit deren Hilfe die Plane dann von Hand hochgezogen wird. Je zwei Männer, insgesamt 20 braucht es am Boden, um das schwere Stück hochzuhieven. Von oben, aus den Trichterschirmen, werden Befehle hinuntergerufen, zumal die Männer dort oben die Traverse - einen Metallteller mit einer daran befestigten Metalllasche am Rand der Plane - per Splint in die Metallstrebe einhängen müssen. Dann wird der Schirm noch gespannt, dann muss die Plane auch am Kranz am Pfeiler noch mit vielen Schrauben befestigt werden. Mit gebogenen Eisen wird die Plane zudem von innen stabilisiert.
Nach dem Sommertheater mit "Don Camillo" sollen die Schirme und Metallstützen ganz abgebaut werden. "Wir würden sie dann verkaufen", meint der Vereinsvorsitzende. Vielleicht dienen sie dann woanders als markantes Dach. Silvia Eidel

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