"Wäre mein Auto ein Panzer, dürft ich fahren !?" Ein Plakat wundert sich, das einst schweres Gerät über die Heeresstraße donnern durfte, die mittlerweile für Pkw gesperrt ist, aufgrund von Hamstern, Wasserschutz, Verkehrssicherheit. "Ich kauf mir einen Leopard", lautet die Schlussfolgerung. Demonstriert wird an diesem Samstag für die Öffnung der strategisch günstigen Trasse, als Ortsumgehung.

Ohne OB und Landrat

Es ist 12.30 Uhr mittags, vorläufiger Showdown im Ringen zwischen Anrainern und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), in deren Konversions-Obhut sich die Straße befindet. Der Demonstrationszug beginnt mit einer Art Heerschau am Jugendtreff: Bürgermeister Willi Warmuth ist da, im blau-weißen T-Shirt der Initiative "Gemeinsam für die Heeresstraße", Niederwerrns Bürgermeisterin Bettina Bärmann mit Vize Norbert Hart, mehrere Kreisräte, darunter Frank Bauer und Walter Rachle, Allianzmanagerin Eva Braksiek, sowie Vertreter der Dittelbrunner Gemeinderatsfraktionen, mit einer Ausnahme: Die SPD/SBD sieht die Aktion mittlerweile etwas kritisch, unter Verweis auf unklare Kosten und Anliegersorgen, etwa am verkehrsberuhigten Binsigweg, als Quasi-Zubringer. Auch die Abwesenheit der nächsthöheren politischen Ebene, wie Schweinfurts OB Sebastian Remelé und Landrat Florian Töpper, fällt auf.
Angesichts brütender Hitze knapp unter 40 Grad kann sich die Resonanz im Volk dennoch sehen lassen: CDW-Gemeinderat Udo Jablonski, eine treibende Kraft hinter der Demo, zählt 477 Teilnehmer jeden Alters. Außerdem 15 Schlepper von Landwirten, die demnächst als Einzige Schlüssel für die Schranken erhalten: die zwischenzeitlich auf- und wieder abgebaut worden sind, aber erneut kommen sollen.
Baurechtlich, technisch und politisch scheint die Lage kompliziert, am Wegesrand wird gemunkelt, dass man auch im Schweinfurter Rathaus wenig angetan sein soll, von der Unterschriftenaktion für "Freie Fahrt auf der Heeresstraße".
Dabei hätte die Stadt ebenfalls Vorteile, glaubt ein Einheimischer: "Den Obi würde es noch geben, wenn es damals eine Anbindung an den Hainig gegeben hätte." Eine Alternativstrecke eben, für die nördlichen Nachbarn Schweinfurts, inklusive Zeller, Rannunger, Maßbacher.
"Eine ruhige Ortsverbindungsstraße müsste möglich sein", hofft auch Gemeinderätin Marion Hofmann, als Landwirtin unmittelbar betroffen: Die "Wanderung" führt auch an Grundstücken der Freien Wählerin vorbei.

Bitt-Sprüche

Für das Unkomplizierte ist an diesem Tag Rüdiger Hölzel zuständig, am Mikro: Er lässt die Teilnehmer 13 Bitt-Sprüche skandieren, in wechselnder Abfolge. Besonders beliebt ist der griffige Slogan: "Keine Schranken für die Franken!" Über die Hauptstraße geht es auf die SW 8 und dann über den Marienbach auf das Objekt der Begierde. An der Kreuzung stoßen, von der Brönnhofseite her, noch die Traktoren dazu.
Kritik, die Demo habe keinen konkreten Adressaten und die gesammelten Unterschriften würden niemandem übergeben, kontert der Rathauschef mit Latein: "Demonstrare" bedeute lediglich "etwas aufzeigen, beweisen". Genau das wolle man: Ein Anliegen bekannt machen, ohne "Buhmänner" anzugreifen. Warmuth wird ein wenig pathetisch: "Wir wissen des Volkes Willen auf unserer Seite." Uwe Eichler