Volkach
Prozess

Falscher Pater schlief im Knast schlecht

Zwei Theologieprofessoren, die sich nicht mehr an alle ihre Studenten erinnern können, hat ein Betrüger abwechselnd als "Pater Michael" oder "Pater Benedikt" aufgesucht und um Spenden für Projekte in Tansania, Bolivien oder Peru gebeten.
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Von einer Strafkammer des Landgerichts Würzburg ist der 70 jährige nach acht Vorstrafen erneut wegen gewerbsmäßigem Betrug zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei
Monaten verurteilt worden.
In Volkach hatte der Betrüger um Unterstützung für den Kauf medizinischer Geräte gebeten und 800 Euro erhalten, bei dem Professor in Würzburg nahm er 300 Euro mit, angeblich für soziale Projekte der Münsterschwarzacher Abtei in Tansania. Der Angeklagte stammt aus Koblenz, soll Sozialwissenschaften studiert haben, vorübergehend im Innenministerium von Rheinland-Pfalz beschäftigt und danach für die Entwicklungshilfe in Südamerika gewesen sein. Seit seiner Rückkehr nach Deutschland vor Jahrzehnten ist er arbeitslos und hat sich angesichts einer Rente von unter 400 Euro voll auf kirchennahe Betrügereien spezialisiert.

Bischof mit 20 Euro im Geldbeutel

Das Verlesen der Vorstrafen war wie ein Streifzug durch die katholische Kirchen-Landschaft und die bundesdeutsche Justiz: Beim Hamburger Weihbischof saß der Angeklagte im Dienstzimmer, bekam erst nur 20 Euro, weil der Würdenträger nicht mehr im Geldbeutel hatte, aber dann noch 180 Euro aus der Kasse der Sekretärin. Der Abt des bayerischen Benediktinerklosters Schäftlarn wurde um 180 Euro geschöpft, in einem Hamburger Ordenskrankenhaus hat ihm die für den Schmuck der Krankenhauskapelle zuständige Ordensschwester den gesamten Betrag aus der Blumenkasse gegeben. Nur in Berlin ist der falsche Pater im Erzbischöflichen Ordinariat an einem kritischen Prälaten hängen geblieben und nicht bis zum Chef vorgestoßen.

Die neuen Fälle von Volkach und Würzburg hat der Angeklagte zugegeben, im Detail wollte er sich dazu nicht mehr äußern, aber Rabatt wollte er vom Landgericht in der Berufungsinstanz: die vierzehn Monate, die eine Richterin des Amtsgerichts verhängt hatte, seien unverhältnismäßig hoch und einfach zu viel. Es könne doch nicht sein, so der Angeklagte, dass er in Hamburg vom Amtsgericht St. Georg für vier ähnliche Fälle nur sechs Monate bekam und in Würzburg soll er für zwei "Einsätze" als falscher Pater vierzehn Monate hinter Gitter bleiben. Nur weil man in Bayern ist. Da sagte die Vorsitzende Richterin Susanne Krischker, sie könne ihm da nur den Rat geben, seine Straftaten dann eben in Zukunft weit weg von Würzburg zu begehen.

Nachts geht's laut zu

Eine etwas mildere Strafe wollte der Angeklagte auch deswegen, weil ihm einige Monate lang in der Untersuchungshaft das Oropax, das er benötigt, verweigert worden war. Nach mehreren Herzinfarkten sei für ihn ungestörter Schlaf bei Nacht die einzige Chance zum Regenerieren. Im Knast gehe es aber nach Einbruch der Dunkelheit bis tief in die Nacht hinein sehr laut zu, weil Gefangene dann vom Zellenfester aus mit ihren Bekannten lautstark kommunizieren und so lange sei an Schlafen nicht zu denken. Die "offiziellen" Ohrenstöpsel aus Schaumstoff, die man ihm zum "Abschalten" zur Verfügung stellte, seien für ihn nutzlos gewesen, so der Angeklagte, weil er relativ große Ohren hat, die von den Einheits-Stöpseln nicht abgedichtet werden. Er habe in seinem Gepäck, das er bei der Einlieferung in den Knast abgeben musste, Stöpsel aus Wachs gehabt, die sich seinen Ohren anpassen würden, doch da habe man in der Justizvollzugsanstalt befürchtet, dass das Wachs der Stöpsel zweckentfremdet verwendet werden könnte.

Kein Zeichen von Einsicht

Nur diese Unannehmlichkeiten beim Einschlafen waren der Grund dafür, dass die Strafkammer das Urteil der ersten Instanz nicht noch erhöhte, sagte die Vorsitzende. Rechtsanwältin Christina Glück plädierte, allerdings erfolglos, dafür, den Haftbefehl aufzuheben, da ihr Mandant in der Berliner Charité am Herzen operiert werden sollte. Von Fluchtgefahr könne man nicht ausgehen. Das Gericht beschloss, dass der Angeklagte zunächst mal hinter Gittern bleibt. Es war von hoher Rückfallgeschwindigkeit die Rede und von einer infamen "Arbeitsweise", an die Hilfsbereitschaft von Menschen zu appellieren und das Geld dann einzustecken. So etwas wie Einsicht, dass er etwas falsch gemacht haben könnte, sei bei dem Angeklagten nicht zu erkennen. Und seine Herz-Erkrankung habe ihn auch nicht von Straftaten abgehalten.

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