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Schweinfurt
Kontrollgang

Die Haken müssen sitzen

Im Auftrag der Sicherheit: Der Schweinfurter Alpenverein betreut Kletterfelsen in der Fränkischen Schweiz - und die haben es ganz schön in sich.
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Senkrecht nach oben im Treunitzer Klettergarten. Foto: Gerd Landgraf
Senkrecht nach oben im Treunitzer Klettergarten. Foto: Gerd Landgraf
Abfahrt 9 Uhr. Es geht zum Klettern in die Fränkische Schweiz. Von Schweinfurt führt die Fahrt über die A 70 nach Bamberg und weiter in Richtung Staffelstein . Nach eineinhalb Kilometern führt von der ersten Spitzkehre ein Schotterweg zum Parkplatz Katzenbuckel. Der Katzenbuckel ist das Ziel der Teilnehmer des Kletterkurses des Schweinfurter Alpenvereins. Die Fahrgemeinschaft nutzt diesmal auch Klaus Greubel. Er ist der Felsbetreuer der Sektion, kümmert sich um die Sicherheit der Routen, für die der Schweinfurter Alpenverein (AV) in der Fränkischen Verantwortung übernommen hat.
Der AV ist Mitglied in der Interessengemeinschaft Klettern (kurz IG-Klettern), die die Kletterer und Natursportler vertritt. Die IG engagiert sich für naturverträgliches Klettern, wehrt sich gegen ihrer Meinung nach unbegründete Felssperrungen und sorgt für sicheres Hakenmaterial an den Felsen.
Zur Geschichte: 1989 wurde in der Fränkischen Schweiz der beliebte Röthelfels bei Morschreuth gesperrt, da er einen möglichen Wanderfalken-Brutplatz darstellte. Die Kletterer verhandelten und erreichten, dass der Röthelfels wieder freigegeben wurde. Um von Verboten nicht mehr überrascht zu werden, gründeten die Kletterer im November 1989 die IG.
Während in Franken der Konflikt zwischen Naturschutz und Klettern von nun an in geregelten Bahnen verlief, spitzte sich in Baden-Württemberg die Lage zu, als Naturschützer anstrebten, ein weitgehend kletterfreies Bundesland zu erreichen. Der Streit umbrandete vor allem die Felsen an der Donau.
Neben dem Katzenbuckel betreuen Klaus Greubel und seine Helfer weitere Felsen in der Nähe, darunter den Steinfelder Turm, den Treunitzer Klettergarten, das Steinfelder Wändchen und auch das Paradiestal - weniger ein Kletter- als ein Wandergebiet und eines der schönsten Täler in der Berg- und Hügellandschaft mit den markanten Felsformationen zwischen Main, Regnitz und Pegnitz. Eine Rundwanderung startet am Parkplatz zwischen Steinfeld und Treunitz und zeigt, was die Karstlandschaft zu bieten hat: Kalk- und Dolomitfelsen des Weißen Jura.


DAV betreut 290 Kletterrouten

Zurück zum Katzenbuckel mit seinem Hauptturm zur Talseite, mit Lochfelsen und Überhang. Greubel klettert und schaut nach dem Hakenmaterial. Die Leute vom Kletterkurs unterstützen ihn. Es sind exakt 290 Kletterrouten, die der DAV Schweinfurt betreut - und doch nur einige wenige der insgesamt um die 6500 Kletterrouten in der Fränkischen - einem der am besten erschlossenen Klettergebiete der Welt.
Während die Gruppe klettert, die jeweiligen Partner mit Haken und Bandschlingen gesichert an den Standorten Ratschläge geben, Expressschlingen die Kletterer sichern, Klemmkeile, Spannklemmkeile, Tube oder Abseilachter am Klettergürtel baumeln, schaut Greubel nach den Anstiegen zu den Routen, denn schließlich soll der Sportler möglichst sicher zur Wand kommen, sich nicht schon beim Aufstieg vom Parkplatz aus den Fuß vertreten.
Während der Felsbetreuer die Zonen-Schilder an den Einstiegen kontrolliert, die gegebenenfalls zu erneuern sind, gucken andere in die Kletterbücher, informieren sich, wo welche Schwierigkeiten auf sie warten. Die Zonen sagen, wo nicht geklettert werden darf (1), wo man nur die angelegten Routen (2) nutzt, wo auch außerhalb der Stiege geklettert werden darf.
Wichtig sind die Umlenker, also die Haken oben am Kopf einer Wand. Greubel setzt auf den Bühlerhaken, ein "geklebter" Bohrhaken. In der Fränkischen ist weitgehend das Besteigen der Oberkanten verboten, um dort die Natur zu schützen. Der Kletterer muss sich nach erfolgreichem Aufstieg deshalb abseilen.


Kaum Sperrungen im Herbst

Jetzt im Herbst sind kaum befristete Sperrungen nötig. Die richtet Greubel vor allem während der Brutzeit der Vögel ein. Wie bei den Reparaturen helfen ihm dann Gleichgesinnte aus der IG Klettern. Jeden Monat ist Greubel während der Saison in der Fränkischen; mindestens dreimal im Jahr für einen ganztägigen Kontrollgang. Dann werden nicht nur vom Seil verschlissene Haken (bis zu einem Abrieb von 50 Prozent gelten diese als intakt) erneuert, sondern auch nach der Sauberkeit an den Parkplätzen geschaut und notfalls aufgeräumt.
Der Felsbetreuer vermittelt bei einem Streit zwischen Bauern und Sportler, wobei meist wildes Parken die Ursache ist. Auch hatte Greubel schon den Fall, dass ein Eigentümer zwei Fass Jauche auf einen Felsen schüttete, um die Kletterer zu verscheuchen. Abgeflexte Haken sind eine weitere und ebenso unschöne wie heftige Reaktion von den Gegnern der Kletterer.
An den Felsen, die Greubel diesmal aufsucht, befragt er die Kletterer, ob Sicherheitsmängel aufgefallen sind. Am Ende der Rundtour hat sich der Felsbeauftragte die Prüfung von gleich mehreren Bühlerhaken notiert. Für das Paradiestal reicht die Zeit nicht mehr. Vier bis fünf Stunden dauert dort der Kontrollgang, der ein andermal nachgeholt wird. Jetzt geht es nach Würgau, - in den Biergarten, wo Greubel bei Schäufele und Bier auf die Klettergruppe trifft.