Schweinfurt

Biberdamm beschädigt: 45 Tagessätze à 20 Euro

Anklage wegen Verstoßes gegen das Naturschutzgesetz endet in Ordnungswidrigkeit
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Der Biber gilt als besonders schützenswertes Tier. Foto: Arendt
Der Biber gilt als besonders schützenswertes Tier. Foto: Arendt
Am Ende ist es eine Ordnungswidrigkeit, für die der Angeklagte vor dem Schweinfurter Amtsgericht bestraft wird. Wegen fahrlässiger Beschädigung eines Biberdamms bei Pfersdorf bekommt
der Mann 35 Tagessätze à 20 Euro auferlegt.
Der Pfersdorfer Biberdamm hatte es im vergangenen Jahr sogar in die Schlagzeilen geschafft, denn in den Wintermonaten war er mehrfach niedergerissen worden. Eine aufmerksame Anwohnerin hatte sich an diese Zeitung gewandt, da ihr die Zerstörung auffiel und sie beobachtete, wie der Biber seinen Damm immer wieder neu aufbauen musste. Sie suchte Beistand bei Öffentlichkeit und Behörden (wir berichteten). Die Naturschutzbehörde am Landratsamt bestätigte, dass es sich beim Biber um eine streng geschützte Tierart handelt. Bei Landwirten ist das Tier indes nicht unbedingt beliebt: Wegen der Biberstaudämme werden anliegende Felder überflutet, auch tiefe Löcher, die so genannten Bibergräben, behindern ihre Arbeit. Dennoch gilt: Wer einen Damm vorsätzlich einreißt, verstößt gegen das Bundesnaturschutzgesetz.
Genau das wurde dem Angeklagten vorgeworfen, den ein anonymer Anrufer beim Landratsamt angeschwärzt hatte. Insbesondere ging es dabei um einen Vorfall, der sich zeitlich in der zweiten Oktoberhälfte 2013 ereignet haben soll.
Der Mann bestätigt vor Gericht, dass er am 10. Oktober vergangenen Jahres mit einem Frontlader an der Wern in Pfersdorf unterwegs war. Er habe im Fluss "so etwas wie Gartenabfälle" entdeckt. Diese habe er entfernen wollen und sie mit dem Frontlader beiseitegeschoben.
Als ein Nachbar hinzukam und ihn darauf aufmerksam machte, dass vielleicht ein Biber hier lebt, habe er versucht, "es wieder zur richten". Zu dieser Zeit sei noch nicht bekannt gewesen, dass ein Biber hier haust, so der Senior vor Gericht. "Der Damm war als solches für den Laien nicht erkennbar, auch der typische Biberverbiss hat gefehlt."
Dies bestätigten mehrere Zeugen vor Gericht, darunter ein Anwohner, der täglich mit seinem Hund an der Wern spazieren geht. Erst im November und Dezember habe der Biber sein Zuhause deutlich erweitert, so der Zeuge. Von da an sei der Damm regelmäßig zerstört worden. Auch eine Nachtsichtkamera, die Nachbarn zur Beobachtung aufgestellt hatten, wurde geklaut.
Der angeklagte Rentner kann es nach eigener Aussage nicht gewesen sein. Er habe von Mitte Oktober bis Weihnachten bei seiner Lebensgefährtin in der Region Würzburg gewohnt. Seine Partnerin bestätigt das. Auch sonst gibt es vor Gericht keinerlei Hinweise, die den Mann beschuldigen.
Am Ende der Verhandlung muss auch der Staatsanwalt feststellen, "dass sich die Anklage nicht in vollem Umfang bestätigt hat".
Statt einer Straftat wegen Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz plädiert er auf eine Ordnungswidrigkeit und fordert 45 Tagessätze à 20 Euro. Der Angeklagte habe - wenn auch fahrlässig - die Brut- und Ruhestätte des Bibers gestört. Der Verteidiger setzt sich für eine Strafe nicht höher als 30 Tagessätze à 20 Euro ein.
Das letzte Wort hat der Angeklagte: "Ich finde, ich habe nichts Unrechtes getan. Wäre das aufgehäufte Gestrüpp als Biberdamm erkennbar gewesen, hätte ich gar nichts gemacht." Katja Glatzer

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