Schweinfurt
Herzseminar

Abwarten kann die Prognose verschlechtern

"Der Zeitverlust vom Eintreten eines Herzinfarkts bis zum Katheterlabor im Krankenhaus ist immer noch zu groß", betont Professor Hubert Seggewiß, Chefarzt der Medizinischen Klinik I des Leopoldina, bei seinem Vortrag "Koronare Herzkrankheit und Herzinfarkt".
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Zeit ist ein entscheidender Faktor: Auch ein überlebter Herzinfarkt birgt Spätfolgen wie Herzschwäche oder -rhythmusstörungen. Foto: Thinkstock
Zeit ist ein entscheidender Faktor: Auch ein überlebter Herzinfarkt birgt Spätfolgen wie Herzschwäche oder -rhythmusstörungen. Foto: Thinkstock
Die Sterblichkeitsrate der jährlich 290 000 Herzinfarkt-Betroffenen sei durch die moderne Kardiologie zwar deutlich auf etwa 55 000 gesunken, doch die Vor-Krankenhaus-Zeit sei seit den
1990er-Jahren leider konstant geblieben: Sie betrage durchschnittlich noch immer drei Stunden. Für diese Verzögerung, die eine Verschlechterung der Prognose beinhalte, seien vor allem die Patienten selbst durch ihr gefährliches Abwarten verantwortlich.
Auch ein überlebter Herzinfarkt birgt oft Spätfolgen wie Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen - im Ausmaß abhängig von der Zeitspanne vom Infarkt bis zur Klinik. Der Faktor Zeit ist entscheidend: Eine schnelle Wiedereröffnung der verstopften Herzkranzgefäße rettet sonst endgültig absterbendes Herzmuskelgewebe.
Seggewiß plädiert für eine deutliche Verkürzung der Prähospitalzeit auf 100 Minuten. Die Patienten müssten durch bessere Information die Gefahr schneller realisieren, und der Notarztwagen müsse umgehend angefordert werden (Tel.: 112). Auch im Rettungssystem und im medizinischen System der Krankenhäuser gäbe es noch Möglichkeiten Zeit zu sparen.


Wegbereiter des Herzinfarkts

Dem Herzinfarkt voraus geht die koronare Herzkrankheit (KHK), bei der eine schleichende Verengung der Herzkranzgefäße eine Mangeldurchblutung des Herzens bis zum Gefäßverschluss durch ein Gerinnsel verursacht. "Und dieser Prozess beginnt schon in der Jugend, schon da sollten die Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck, Übergewicht, Bewegungsmangel, hohes Cholesterin, Zuckerkrankheit und Stress vermieden oder beseitigt werden", betont Seggewiß. Nicht zu beeinflussen seien Alter, Vererbung und Geschlecht.
Als neue Risiken sind im Gespräch: Eine Entzündung im Körper, Homocystein-Erhöhung und Folsäuremangel. Spezifische Risikofaktoren bei Frauen sind zusätzlich Wegfall des Östrogenschutzes nach der Menopause, Rauchen und "Pille" (vierfach erhöhtes Risiko). Bei Diabetikerinnen besteht ein sechsfaches Risiko, bei Diabetikern das vierfache.
Die Durchblutung der Herzkranzgefäße wird erst bei einer Einengung von etwa 70 Prozent gestört. Der sogenannte Angina-Pectoris-Schmerz (Brustenge) entsteht, wenn der Herzmuskel nicht ausreichend mit Blut versorgt wird. Bei der stabilen Angina pectoris entsteht der Schmerz unter körperlicher Belastung oder seelischer Erregung und verschwindet nach der Belastung wieder. Nimmt die Intensität oder Dauer der Schmerzanfälle zu, sollte der Patient umgehend einen Internisten oder Kardiologen aufsuchen.
Besonders alarmierend ist es, wenn der Brustschmerz mit oder ohne Atemnot bei kleinster Belastung oder sogar in Ruhe auftritt . Weil dieser kritischen Phase häufig bald ein Herzinfarkt folgt, muss hier sofort ein Notarztwagen angefordert werden.
Die Fortsetzung des Seminars mit dem Thema "Herzerkrankung und Medikamente" findet am Mittwoch, 2. Dezember, um 18 Uhr im Leo-Konferenzraum 8. Stock, statt.
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