Georgensgmünd
Unwetter

Bäume stürzen bei Roth auf Oberleitung: Stürmisches Ende einer Zugreise

Etwa 400 Bahnreisende stecken am Sonntagabend stundenlang in einem ICE fest. Erst am frühen Morgen geht es für sie weiter. Steht ihnen eine Entschädigung zu?
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400 Reisende mussten in der Nacht auf Sonntag aus dem ICE 707 evakuiert werden - nach stundenlanger Warterei ohne Toiletten und Klimaanlage.  Auf die Oberleitung gestürzte Bäume hatten die  Stromversorgung des Schnellzuges gekappt. Foto: News5/Merzbach
400 Reisende mussten in der Nacht auf Sonntag aus dem ICE 707 evakuiert werden - nach stundenlanger Warterei ohne Toiletten und Klimaanlage. Auf die Oberleitung gestürzte Bäume hatten die Stromversorgung des Schnellzuges gekappt. Foto: News5/Merzbach
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Wohl eine Horrorvorstellung: Sonntagabend, es stürmt, man will nur nach Hause, zum Flughafen oder im Urlaub ankommen und plötzlich gehen im Zug die Lichter aus. Für Stunden. Kein Klo, keine Klimaanlage, keine Ahnung, wann es weitergeht. Was für viele Familien, Pendler und Geschäftsreisende folgt, ist eine nervenaufreibende Odyssee durch die Nacht.

Grund war ein so kurzes wie heftiges Unwetter über Mittel- und Süddeutschland. Besonders heftig traf es das mittelfränkische Roth. Sturmböen, Hagel und Starkregen machten dort nicht nur Haus- und Autobesitzern zu schaffen, sondern auch der Zugtechnik. Weil Bäume auf die Oberleitung gefallen waren, blieb der ICE 709 von Hamburg nach München mit 400 Menschen an Bord auf offener Strecke zwischen Georgensgmünd und Roth liegen.

Mehr als 100 Rettungskräfte unter anderem der Feuerwehr Georgensgmünd sowie des Bayerischen Roten Kreuzes waren bis in die frühen Morgenstunden im Einsatz, um die Gestrandeten zu versorgen und den Zug schließlich zu evakuieren.

"Eigentlich sollte es einen Ersatzzug geben, aber auch der kam nicht durch", erzählt Roths Kreisbrandmeister Klaus Wolfsberger. Die Reisenden harrten aus, wurden mit Wasser und Snacks versorgt. Da die Toiletten ohne Strom nicht funktionierten, musste die Notdurft draußen verrichtet werden - eine willkommene Frischluftkur in dem ohne Klimaanlage aufgeheizten Waggonklima.

Erst Stunden später konnte wenigstens ein Bus organisiert werden, der die Reisenden nach Georgensgmünd fuhr. Immerhin: Niemand wurde verletzt. "Die Situation war angespannt, aber die Stimmung unter den Reisenden blieb trotz allem gut", so Wolfsberger.

Wie eine Augenzeugin auf dem Kurznachrichtendienst Twitter berichtete, lag das auch am Krisenmanagement des Bordpersonals. Ihren Dank sprach sie "auch dem eilig auf und ab rennenden Zugchef" aus, "der bis in die frühen Morgenstunden alles gab". Auch Wolfsberger bestätigt, viel Energie darauf verwendet zu haben, die Menschen mit Informationen zu versorgen. Das sei in solchen Situationen enorm wichtig.

Die Gleise bei Roth waren nicht die einzigen, die der Sturm beschädigte. Nicht mehr weiter ging es am Sonntag etwa für Reisende eines Schnellzuges in Aschaffenburg. Auch dort waren Schäden an Oberleitungen ausschlaggebend. Reisende seien mit Taxigutscheinen versorgt worden, sagte ein Bahnsprecher.

Der erklärte auch, dass die betroffenen Zugreisenden in dem auf offener Strecke bei Roth gestrandeten ICE entsprechend ihren Fahrgastrechten einen Anspruch auf Entschädigung hätten. Aufgrund der durch die Sturmböen auf der Strecke zwischen Roth und Georgensgmünd entstandenen Schäden blieb die Strecke auch am gestrigen Montag gesperrt.

Entspannung im Laufe des Tages

Wie es hieß, soll der Bahnverkehr im Verlauf des heutigen Dienstags - vermutlich erst in den Nachmittagsstunden -, wieder normal rollen. Bis dahin müssen die mit der Beseitigung der Schäden beauftragten Mitarbeiter der Bahn rund 30 Bäume entfernen, die umgestürzt waren und die Gleise blockierten. Zudem gilt es die Oberleitungen zu überprüfen und, wo nötig, wieder instand zu setzen.

Anspruch auf Entschädigung

Das Fahrgastrecht für den Eisenbahnverkehr sieht für Kunden der Bahn verschiedene Entschädigungen vor: 1. Ab 60 Minuten Verspätung zum Zielbahnhof eine Entschädigung von 25 Prozent des gezahlten Fahrpreises. 2. Ab 120 Minuten Verspätung eine Entschädigung von 50 Prozent des Fahrpreises. Dabei kann im Entschädigungsfall zwischen einem Gutschein oder der Auszahlung des Geldbetrags gewählt werden. 3. Ist eine Fortsetzung der Fahrt nicht möglich, werden dem Kunden die Kosten für ein anderes Verkehrsmittel bis max. 80 Euro ersetzt. 4. Ist eine Fortsetzung der Fahrt nicht möglich oder zumutbar, übernimmt die Bahn die Kosten für eine Übernachtung im Hotel oder einer anderweitigen Unterkunft.

Das Formular gibt es hier zum Download.

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