Allersberg
Stahlseil gespannt

Anschlag auf ICE in Franken? Stahlseil über Gleise gespannt: Ermittler suchen Strecke ab

Das LKA untersucht weiter einen Vorfall vom 7. Oktober 2018 bei Allersberg im Landkreis Roth. Auf der ICE-Strecke Nürnberg-München war ein Stahlseil über den Gleisen gespannt. In der Nähe wurde ein Drohbrief in arabischer Sprache gefunden. Ermittler wollen nun erneut die Schienen absuchen.
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Nach einem Vorfall vor rund drei Wochen auf der ICE-Strecke Nürnberg-München ermittelt das LKA Bayern. Hatten Unbekannte einen Anschlag auf einen ICE geplant? Foto: Andreas Gebert/dpa
Nach einem Vorfall vor rund drei Wochen auf der ICE-Strecke Nürnberg-München ermittelt das LKA Bayern. Hatten Unbekannte einen Anschlag auf einen ICE geplant? Foto: Andreas Gebert/dpa

++++Update: Nach Anschlag auf ICE bei Allersberg: IS-Hintergrund bestätigt sich - Tatverdächtiger festgenommen

 

Auf der ICE-Strecke von Nürnberg in Richtung München ist es dem bayerischen Landeskriminalamt (LKA) zufolge vor drei Wochen zu einem schweren Zwischenfall gekommen: Ein Stahlseil wurde über die Schienen gespannt. Mit hoher Geschwindigkeit raste ein ICE dagegen. Ein Anschlagsversuch oder ein dummer Scherz? Die Ermittler wissen es (noch) nicht.

Nach Vorfall mit Stahlseil: Ermittler suchen ICE-Strecke erneut ab

Jetzt sollen die Schienen erneut abgesucht werden. Wann dies genau geschehen soll, war zunächst unklar. Nach Angaben eines Sprechers des bayerischen Landeskriminalamts vom Dienstag setzen die Ermittler zudem auf Zeugen, die in der Gegend um den Tatort bei Allersberg im Landkreis Roth wohnen. Hilfreich seien Menschen, die regelmäßig an der Bahnstrecke etwa mit Hund, Pferd oder Fahrrad unterwegs seien und möglicherweise verdächtige Beobachtungen gemacht haben.

Auf Höhe des mittelfränkischen Allersberg (Landkreis Roth) habe am 07.10.2018 gegen 23.15 Uhr der Lokführer des ICE 529 (Dortmund-München) während der Fahrt ein verdächtiges Geräusch bemerkt und am Endbahnhof in München Schäden am ICE festgestellt, erklärte das LKA. Konkret handelte es sich um eine Beschädigung der Frontscheibe. Seitens der Verantwortlichen der Deutschen Bahn AG sei ein Kurzschluss auf der Bahnstrecke festgestellt worden. Verletzte gab es bei dem Vorfall nicht.

Drohschreiben in arabischer Sprache gefunden

Ermittler fanden später an der Strecke ein Drohschreiben in arabischer Sprache. Es sei allgemein gehalten, ohne auf ein konkretes Ereignis hinzuweisen. "Wir nehmen es trotzdem sehr ernst", sagte der Sprecher. Nun ermittele die Bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus. Das Drohschreiben werde mit Hilfe eines Fallanalytikers (Profiler) ausgewertet. Ebenfalls mit eingebunden sind Muttersprachler und Islamwissenschaftler.

Anschlag oder nicht?

Ob es sich um einen Anschlag handelt, sei nach wie vor noch unklar. Eine heiße Spur haben die Ermittler offenbar noch nicht. Wie das LKA am Dienstag mitteilte, gibt es derzeit keine weiteren Erkenntnisse zu dem Vorfall. Derzeit werden noch Gutachten erstellt, auch aus ermittlungstaktischen Gründen gebe es im Moment keinen Erkenntnisstand mitzuteilen, hieß es.

Der Vorfall wurde erst am Montag bekannt, da der Tatort und die Ursache des Schadens vorher nicht gefunden wurden, wie ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft München erklärte.

Laut Pressemitteilung des LKA vom Montag hatten Unbekannte auf der Strecke ein Stahlseil über die Gleise gespannt und Holzkeile auf die Schienen montiert. Das LKA bewertet dies als einen gefährlichen Eingriff in den Zugverkehr - nicht aber als "Anschlag". Reste von Stahlseil, Holz- und Eisenteile seien an der Strecke gefunden und sichergestellt worden. Dabei sei auch in der Nähe des Tatortes ein Drohschreiben in arabischer Sprache und an einem Brückenpfeiler ein Graffiti mit arabischen Schriftzeichen gefunden worden. Angaben zum Inhalt der Aufschrift wollten die Ermittler nicht machen. Ob es mit dem Vorfall zusammenhänge oder schon vorher da war, sei noch unklar. Die Bewertung des Drohschreibens sei laut LKA noch nicht abgeschlossen. Ein Experte des Eisenbahnbundesamts prüft derzeit noch, was im schlimmsten Fall an jenem Sonntagabend hätte passieren können.

Mittlerweile wurden am Tatort mehrere Absuchen durchgeführt, bei denen auch ein Hubschrauber zum Einsatz kam. Die Ermittlungen von LKA, Bundespolizei und der Polizei Mittelfranken werden intensiv in alle Richtungen geführt.

Polizei sucht Zeugen

Die Ermittler hoffen auch auf Zeugenhinweise. Diese nimmt das Bayerische Landeskriminalamt unter 0800/300 00 60 oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.

Die Schnellfahrstrecke zwischen Nürnberg und München ermöglicht Geschwindigkeiten von bis zu 300 Stundenkilometern. Die Fahrt dauert daher nur etwas mehr als eine Stunde.

Erst Anfang September war unter einer Autobahnbrücke im Landkreis Bamberg ein Paket mit arabischen Schriftzeichen aufgetaucht. Das hatte eine Vollsperrung und einen größeren Polizeieinsatz zur Folge.

 

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