Allersberg
Terrorismus

Allersberg: IS-Sympathisant (42) gesteht Anschlag auf ICE - Täter könnte IS-Schläfer gewesen sein

Die Polizei hat am Montag in Wien einen Mann festgenommen, der hinter dem Drahtseil-Anschlag auf einen ICE zwischen Nürnberg und München verantwortlich sein soll. Die Ermittler sehen bei der Tat einen Bezug zum Islamischen Staat (IS).
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Polizisten suchen auf der ICE-Strecke zwischen Nürnberg und München die Schienen ab.Foto: Daniel Karmann/dpa (Archiv)
Polizisten suchen auf der ICE-Strecke zwischen Nürnberg und München die Schienen ab.Foto: Daniel Karmann/dpa (Archiv)

 

  • Ermittler haben einen Mann festgenommen, der verdächtigt wird ein Stahlseil auf der ICE-Strecke zwischen Nürnberg und München befestigt zu haben.
  • Der Mann wurde in Wien festgenommen.
  • Der ICE wurde beim Vorfall in Allersberg nur leicht beschädigt.
  • Am Tatort fanden die Ermittler ein Bekennerschreiben.

Nach einem Anschlag auf einen ICE in Allersberg (Landkreis Roth, Mittelfranken) am 7. Oktober 2018 hat die Polizei nun einen Verdächtigen festgenommen.Auf der ICE-Strecke zwischen Nürnberg und München war laut LKA Bayern ein Stahlseil zwischen den Oberleitungsmasten befestigt und mit Metallteilen verstärkte Holzkeile auf den Gleisen aufgebracht worden, um einen darüberfahrenden Zug zum Entgleisen zu bringen.

 

Update: Sicherheitsbehörden halten es für wahrscheinlich, dass der Mann ein IS-Schläfer ist

Die Sicherheitsbehörden halten es nach einem Medienbericht für wahrscheinlich, dass die einige Monate zurückliegenden Anschläge mit Stahlseilen auf Bahnstrecken von einem IS-Schläfer verübt wurden. Das vermeldet die deutsche Presseagentur (dpa).

Als Tatverdächtiger war im März in Wien ein 42-jähriger Iraker festgenommen worden. Die deutschen Sicherheitsbehörden gingen davon aus, dass er von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gezielt für Anschläge nach Deutschland geschickt worden sei, berichtet die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Quelle soll eine Festplatte von IS-Mitgliedern sein

Die britische "Sunday Times" hatte am vergangenen Wochenende berichtet, ihre Redaktion habe eine nach Kämpfen in Syrien entdeckte Festplatte von IS-Mitgliedern einsehen können. Diese habe unter anderem einen Brief an den IS-Führer Abu Bakr al-Bagdadi vom vergangenen Dezember enthalten. Darin habe ein IS-Kommandeur, der sich Abu Taher al-Tadschiki nennt, von einer Operation gegen einen Hochgeschwindigkeitszug in Deutschland geschrieben. "Er wird - mit Allahs Hilfe und Stärke - angegriffen werden mit Sprengstoff, den die Brüder in Europa aus einfachem verfügbaren Material hergestellt haben", zitierte die "Times" aus dem Brief.

Allerdings waren die Anschläge teilweise bereits vorher ausgeführt worden und auch nicht mit Sprengstoff, sondern mit Stahlseilen, die über die Gleise gespannt waren. Zwei Züge waren beschädigt worden, Menschen wurden nicht verletzt. In Tatortnähe fanden sich jeweils arabische Schriftstücke und eine IS-Flagge. Der Iraker hat nach Angaben seines Anwalts die Tat gestanden, laut österreichischer "Kronen Zeitung" aber ein Terrormotiv bestritten.

Zwei Terrorzellen in Deutschland

Die "Sunday Times" berichtete darüber hinaus von einem anderen Schreiben von IS-Führern an ihren Chef al-Bagdadi, in denen von zwei Terrorzellen in Deutschland und einer in Russland die Rede ist. Diese sollten ungläubige Kapitalisten töten, Banken hacken und Überfälle verüben, um Geld für den IS zu erbeuten. Außerdem sollten sie Attacken mit Fahrzeugen verüben, zitiert die Zeitung aus dem Festplatten-Material.

Aus den deutschen Sicherheitsbehörden hieß es: "Wir nehmen das ernst." Die von der "Sunday Times" erwähnten Informationen müssten aber erst überprüft werden.

Update: Mann (42) gesteht Anschlag auf ICE

Wie die österreichische Nachrichtenagentur APA berichtet, hat der 42-Jährige den Anschlag auf den ICE in Allersberg gestanden. Er bestritt jedoch einen terroristischen Hintergrund.

Der terrorverdächtige Iraker, dem Anschläge auf zwei Bahnstrecken in Deutschland vorgeworfen werden, ist am Mittwoch von deutschen und österreichischen Ermittlern in Wien weiter vernommen worden. Er habe erste Angaben zu seinem Motiv gemacht, sagte Staatsanwältin Nina Bussek. Welche Gründe für die Tat möglicherweise ausschlaggebend gewesen seien, wurde aber nicht mitgeteilt. "Wir sind in umfangreichen Ermittlungen." Als nächstes werde die Staatsanwaltschaft die Untersuchungshaft beantragen, sagte sie.

Der 42-jährige irakische Flüchtling ist nach Angaben der Kronen Zeitung Vater von fünf Kindern und ein Ex-Militär. Die Bekennerschreiben hätten auf die Spur des Mannes geführt, wie die dpa berichtet.

Der Mann war im Zusammenhang mit Anschlägen auf der ICE-Strecke von Nürnberg nach München im Oktober und im Dezember auf eine Bahnstrecke in Berlin-Karlshorst festgenommen worden. In beiden Fällen hatten die Ermittler Drohschreiben in arabischer Sprache gefunden, in Berlin auch eine IS-Flagge. Verletzt wurde niemand.

Allersberg - was passierte? Am 07.10.2018 hatte ein ICE die Hindernisse überfahren, wobei dieser allerdings nur leicht beschädigt worden war. In Tatortnähe wurden in arabischer Sprache abgefasste Drohschreiben sowie Schmierschriften festgestellt, die einen Bezug zu der terroristischen Vereinigung "Islamischer Staat" (IS) herstellen ließen.

Berlin und Allerberg: Ähnliche Vorfälle

Der Polizeipräsident in Berlin berichtete am 24.12.18 und am 25.12.18 von einem vergleichbaren Eingriff an einer Bahnstrecke in Karlshorst, bei dem auch ein Oberleitungsschaden festgestellt worden war. Im Rahmen der polizeilichen Spurensuche und -sicherung wurden in Tatortnähe ebenfalls Schriftstücke in arabischer Sprache sowie eine Flagge des IS aufgefunden.

Da die in Berlin und Allersberg aufgefundenen Schriftstücke augenscheinlich große Übereinstimmungen aufweisen, wurden die Ermittlungen in sehr enger Zusammenarbeit zwischen der Generalstaatsanwaltschaft Berlin, der Generalstaatsanwaltschaft München (ZET) und den Landeskriminalämtern Berlin und Bayern geführt.

Spezialeinheiten nehmen Mann in Wien fest

Durch die Ermittlungen einer zu diesem Zweck gegründeten länderübergreifend tätigen gemeinsamen Ermittlungsgruppe (BAO Trasse) ergab sich ein konkreter Tatverdacht gegen einen 42-jährigen irakischen Staatsangehörigen, der in Wien (Österreich) wohnt und offensichtlich mit dem IS sympathisiert. Der 42-Jährige wurde schließlich am Montag in der Nähe seiner Wiener Wohnung durch Spezialeinheiten festgenommen.

Gegen ihn liegen Haftbefehle der Staatsanwaltschaft Wien wegen Verdachts der terroristischen Straftaten des versuchten Mordes und der schweren Sachbeschädigung, der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und dem Verbrechen der kriminellen Organisation sowie des Amtsgerichts München wegen des Verdachts des versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlichem Eingriff in den Bahnverkehr und versuchter Störung öffentlicher Betriebe vor.

 

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