Fladungen
Museumstag

Weiße Mehlklöß' aus der schwarzen Küche

Im Freilandmuseum gab es eine Führung zum Thema "Esse un dränke wie domols". Besucher bekamen dabei einige interessante Einblicke in alte Rhöner Küche und die Ernährung.
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Museumsführerin Carolin Spiegel (links) sprach mit den Teilnehmern der Führung zum Thema "Esse un dränke wie domols - Ernährung früher". Foto: Marion Eckert
Museumsführerin Carolin Spiegel (links) sprach mit den Teilnehmern der Führung zum Thema "Esse un dränke wie domols - Ernährung früher". Foto: Marion Eckert
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"Ein typisches Rhöner Gericht waren Mehlklöße mit Gurkensalat und Rahm, am andern Tag wurden die Mehlklöße mit Ei in der Pfanne gebraten und mit grünem Salat gegessen." Diese und viele andere Informationen erhielten die Besucher am Museumstag in Fladungen von Museumsführerin Carolin Spiegel. Anlässlich des Internationalen Museumstags nutzten viele Besucher das schöne Wetter, zu einem Ausflug nach Fladungen, versprach doch das Sonderprogramm zum Thema "Esse un dränke wie domols - Ernährung früher" einige interessante Einblicke die alte Rhöner Küche.

Carolin Spiegel ging dabei auch auf aktuelle Bezüge ein. Denn mit Blick auf eine stetig wachsende Weltbevölkerung und begrenzte Ressourcen auf der Erde stelle sich auch die Frage, wie die Menschheit sich künftig so ernähren könne, das jeder satt werde und eine nachhaltige Wirtschaftsweise auch künftigen Generationen ein gutes Leben ermögliche. Der Konsum von Produkten beeinflusse immer stärker nicht nur die wirtschaftliche und soziale Situation der Menschen, sondern auch den Zustand der Umwelt. So gingen die Teilnehmer der beiden einstündigen Führungen der Frage nach, was aus der Ernährung von früher für die Ernährung der Zukunft zu lernen sei. Ist nachhaltige Ernährung etwas, das nicht neu erfunden, sondern vielleicht nur neu entdeckt werden muss?

Fleisch nur sonntags

In der Führung ging die Museumsführerin vorrangig auf die Zeit von vor 100 Jahren und die späteren Entwicklungen bis in die heutige Zeit ein. Fleisch sei früher nur an Sonn- und Feiertagen auf den Tisch gekommen. Natürlich, wenn geschlachtet wurde, dann herrschte Überfluss, dann gab es Blut- und Leberwürste, aber ein solches Schlachtfest war nicht die Regel, sondern fand höchstens einmal im Jahr statt. "Gegessen wurde, was selbst angebaut und großgezogen wurde", sagte die Museumsführerin. Es sei viel Gemüse aus dem Garten gegessen worden, Kohl und Hülsenfrüchte wie Erbsen und Linsen seien auf den Tisch gekommen. Die Gerichte waren einfach und sättigend.

Viele Bauern hatten eigene Backöfen, teilweise gab es in den Dörfern auch Gemeinschaftsbacköfen in denen die Familien das Brot für ihren eigenen Bedarf backten. Eine Wegwerfkultur, wie sie heute vielerorts üblich sei, gab es nicht. Selbst altes und hart gewordenes Brot sei verwendet worden, die Brotsuppe mache es möglich.

Damit keine Lebensmittel verderben, wurde viel in Gläser eingeweckt. Ob Obst oder Gemüse, das Einkochen war damals eine beliebte Methode, die auch heute noch funktioniere, um ein Überangebot zur Erntezeit haltbar zu machen. Und wer erinnert sich nicht gerne an Omas Birnenkompott oder die eingelegten sauren Gurken.

Brei und Kompott

Viel Süßes sei früher gegessen worden, Breie und Kompott habe es oft gegeben, besonderen in guten Obstjahren. Auch wurde Obst gerne getrocknet. Über eigene Dörrhäuser verfügten manche Bauern und Ortschaften. Auch im Freilandmuseum steht so ein Dörrhaus, das die Museumsführerin mit den Teilnehmern besichtigte. Zwetschgen, auch bekannt als "Hutzeln" und Äpfel seien typisches Dörrobst.

In unterschiedlichen Höfen stellte sie die Kochmöglichkeiten der damaligen Zeit vor. In der Hofstelle aus Bahra, ist die Inneneinrichtung aus der Zeit um 1800 zu sehen. Die Küche habe eine offene Feuerstelle und werde daher auch"schwarze Küche" genannt. Vergleichsweise modern dagegen die Hofstelle aus Trappstadt, die eine Inneneinrichtung aus der Zeit um 1920 zeigt. In der Küche steht ein Holzofen, die Ofenrohre führen in den Schornstein, so dass der Raum rauchfrei blieb. Im der Seitenkammer steht Eingemachtes und viele alte Küchengerätschaften gibt es zu bestaunen.

Sogar einen "Kühlschrank" gab es damals schon, allerdings nicht vergleichbar mit den heutigen Modellen. In den Schrank kam Eis oder ein kalter Stein aus dem Fluss, der das Essen für einige Zeit kühl hielt. Viele alte Bauernhäuser verfügten über einen Gewölbekeller, in dem es auch im Sommer schön kühl gewesen sei, zumindest kühl genug um frische Milch aufzubewahren. "Die Milch wurde auf die Kellerstufen gestellt und später konnte der Rahm abgeschöpft werden", berichtete die Museumsführerin.

In den 1950er Jahren wurden in manchen Orten Kühlhäuser erbaut, ähnlich wie das Nordheimer Kühlhaus, das seit 2014 im Freilandmuseum steht. Es wurde 1958 gebaut und war bis 2009 in Betrieb. Das Besondere ist ein Kühlkarussell mit 144 Gefrierfächern. "Auch wenn es nicht mehr in Betrieb ist, das Steinhaus ist im Inneren kühl und zeigt, wie gut es geplant und gebaut wurde."

Viele Details wusste die Museumsführerin zu berichten und interessiert lauschten die Teilnehmer.

Am Nachmittag gab es außerdem das Theaterstück "Die kluge Bauerntochter" des Flurtheaters Weimarschmieden. Erzählt und gespielt wurde die Geschichte einer klugen Bauerntochter, die ob ihrer Pfiffigkeit zur Königin aufstieg. Doch auch als sie verstoßen wird, reagierte sie nicht wie üblich, sondern auf ihre ganz eigene Art und Weise. Passagenweise blieb das Theater der alten Sprache aus der Zeit der Brüder Grimm treu und war damit ebenfalls ein Stück Zeitreise in die Vergangenheit.

Neben dem Sonderprogramm im Museum gab es auch Dampfzugfahrten mit dem Rhön-Zügle und natürlich hatte der "Schwarze Adler" geöffnet. Der Biergarten unter den Kastanien war Treffpunkt f und eine perfekte Ergänzung zum Thema "Esse un dränke".

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